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| München, Colloseum, 10.12.1999 |
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Das Colloseum im Kunstpark war leider grade mal halbvoll. Ich mag die Halle eigentlich ganz gern. Die wirkt auch halbvoll/-leer nicht klinisch. Nette Atmosphäre.
Oberpünktlich um 8 hat Glenn Hughes angefangen. Ich weiss gar nicht, was man gegen die Frisur von Hughes haben kann. Sieht doch amtlich aus. Nur hätte er sich auch mal umdrehen können -kicher-. Das Gebiss ist bestimmt ein Fall für den Staatsanwalt und die Brille ist nicht von Fielmann.
Aber der Mann kann singen. Richtig gut. Egal ob alte PURPLE-Nummern oder eigenes Zeug (von dem ich das meiste nicht gekannt habe). Sein Bassspiel ist auch gut.
Nur leider kann der Rest der Band so gar nicht mithalten. Der Keyboarder ist vermutlich bei den EURYTHMICS entsprungen, der Drummer sieht aus (und spielt) wie Phil Collins nach einer Hungerkur und der Gitarrist ist ein purer Fake. Der ist noch viel schlechter als er für's Publikum rüberkommt. Hall und Overdrive ohne Ende und dazu fiedelt er bisschen rum. Könnte auch von einer x-beliebigen deutschen Metalband aus den achtziger Jahren sein. Ich verstehe nicht, wie sich einer wie Hughes so eine Bierzeltkapelle einkaufen kann. Aber trotzdem waren die 45 Minuten in Ordnung. H. kann richtig soulig kreischen. Mir ist öfter der Vergleich zu Edgar Winter eingefallen. Also, wenn er beim nächsten Mal eine richtige Rockband dabei hat, hingehen!
Dann kam zwischen Bier 3 und 4 der Michael Schenker Werbeblock. So was hab ich noch nicht gehört. Während den 45 (!!) Minuten Umbaupause kam sicher 15 mal die Ansage, dass es einen Merchandisestand gibt, dass S. vor und nach dem Gig Autogramme gibt und dass das neue Video für nur 50 (oder so) Mark jetzt zu erwerben ist. Peinlich. Vor allem klang die Stimme wie aus dem Supermarkt. "Bitte beachten Sie auch unsere Sonderangebote an der Wursttheke".
Endlich der Auftritt. Von den Haaren will ich nicht reden. Aber dazu noch ein silbriges Glitzerhemd, Sonnenbrille und 1 Stunde kein einziger Blick ins Publikum. Komischer Kauz dieser Mann.
Ich konnte mit den meisten Sängern, die Schenker in den letzten 20 Jahren hatte, nur wenig anfangen. Weicheier und Warmduscher. Aber der Bub den er jetzt hat, der schlägt jedem Fass den Boden aus. Sieht aus wie ein hoffnungsvoller Jung-Bankkaufmann und so singt er auch. Unter jeder Würde, die ein Michael Schenker haben sollte.
Wann kapiert der Mann endlich, dass es nur einen Sänger gibt, der seine Lieder singen kann? Phil Mogg und kein anderer. Da war Gary Barden der Höllenshouter und Kevin McAuley ein begnadeter Blueser gegen dieses Milchgesicht. Es hilft kein Doctor, Doctor, kein Lights Out und kein Written In The Sand (geile Nummer eigentlich). Ich meine, der Mann spielt die weltbeste Hardrock-Gitarre, kann immer noch ein Extralick draufsetzen, spielt gleichzeitig Into The Arena und einen Mörderboogie dazu, hat den schönsten und wärmsten Gitarrensound den ich mir vorstellen kann und lässt sich seine Musik von so einem Karaoke-Affen verhunzen. Erbärmlich.
Einziger Lichtblick in der Band ist der zweite Gitarrist/Keyboarder. Wenn der Soundmann noch den Regler für seine Lautstärke gefunden hätte, dann wär's gut gewesen. Das mag jetzt blöd klingen, aber der war der einzige (wohlgemerkt bei zwei Bands bisher) der lange Haare hatte! Er schafft sich wirklich, post nett, sieht gut aus und spielt auch eine feine Gitarre (wenn man sie ab und an mal hört).
Ich weiss ja nicht, entweder ich werd' wirklich alt und verstockt oder ich hab Recht. Rock & Roll braucht lange Haare und keine Boygroup-Heinis!
Zum Glück waren ein paar Gleichgesinnte in der Halle. Schenker wurde bei jedem Solo freundlich beklatscht und die - leicht vergichteten - Glieder wurden geschüttelt aber immer wenn dieser 'Sänger' was sagte, hat man rund rum nur Kopfschütteln gesehen. Nicht vom headbangen. Die Instrumentals waren sehr fein und wie gesagt, Schenker ist göttlich. Aber bitte: nie mehr mit dieser Band! Wer UFO letztes Jahr gesehen hat, der weiss wie's klingen kann.
Bier 5 - 7.
Und dann kommt das Konzert, das dem härtesten östlich der Isarauen ein paar Schweisstropfen in die Augen getrieben hat. Oh Mann. John Sykes ist ein Rocker! Das hätte ich dem niemals zugetraut. Erstens kann er singen wie, na ja, dieser andere Mann von früher eben. Und zweitens hat er auch den Lizzy-Rock'n'Roll derart drauf. Also ich brauch da weder einen Brian Robertson noch einen Gary Moore oder wen auch immer. Dazu Scott Gorham (im Rollkragenpullover und mit Lord Helmchen-Frisur. Süss). 90 Minuten nur geilster Sound. Uferlos, unbeschreiblich. Twin-Guitars bis zum abwinken. Herr Rossington, aufpassen!
Relativ viele Nummern aus der Lizzy-Endphase. Natürlich auch viele viele alte Klassiker, ein Lied besser als das andere. Super Sound.
Darren Wharton an den Keyboards macht einen ordentlichen Job, Marco Mendoza ist ein sehr ordentlicher (und gutaussehender, ahäm) Bassist und das Tier Tommy Aldridge knüppelt am Schlagzeug. Sagt mein Freund Klaus zu mir 'Der hat sich nicht ein bisschen zum Guten verbessert. Führt sich immer noch auf wie damals bei Pat Travers im Hammersmith'. Das war vor ca. 20 Jahren. Recht hat er. Der Typ ist unschlagbar. Das erste Solo seit langem (von Charly Antolini abgesehen), das richtig Spass gemacht hat. Sensation.
Ich habe LIZZY früher nie gesehen. Kenne aus Erzählungen nur ein Desaster-Konzert in München (45 Minuten und Phil hat rumgeprügelt) von '81 oder so. Aber besser kann das Original nicht geklungen haben. Alle, wirklich alle Nummern waren genial. Selbst Balladen wie The Sun Goes Down, die ich eigentlich nicht so gern mochte, kamen endgeil rüber. Ich hab' seit x-Jahren kein so gutes Hardrock-Konzert gesehen. Phänomenal. Echt wahr.
Nur Whiskey In The Jar haben sie nicht gespielt. Macht aber nix.
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