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| Köln, E-Werk, 25.10.2008 |
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Was nimmt man nicht alles auf sich, um wenigstens einen Bruchteil der großen und wahrhaften THIN LIZZY live on stage zu erleben? Und sei es für eine sog. "Double-Headliner-Tour" zusammen mit URIAH HEEP. Diese Heroen wollen ihre aktuelle und zugegebenermaßen recht gelungene Scheibe "Wake The Sleeper" anbieten und können es sich in der Folge tatsächlich leisten, John Sykes, Scott Gorham, Tommy Aldridge und den jungen Bassisten Francesco Di Cosmo vor sich auf die Bühne zu lassen. Die Rechnung geht insofern auf, dass mehr Fans bereit sind, im Vorfeld bereits die € 41,- zu berappen. Deswegen ist es dann auch nicht ganz so auffällig, dass nach der knapp 70-minütigen Darbietung von Sykes & Co zahlreiche Besucher das E-Werk verlassen und verschwinden. Trotzdem die Feststellung: Das Kölner E-Werk war erstaunlich gut gefüllt.
Im Gegensatz zu URIAH HEEP wird es von THIN LIZZY nichts Neues mehr geben. Und sollten sich Scott Gorham und John Sykes jemals dazu hinreißen lassen, dann kann man nur hoffen, dass dies nicht unter dem Banner THIN LIZZY geschehen mag. Twinläufe auf der Guitar würden nicht reichen, die Schuhe des verstorbenen Phil Lynott sind noch heute zu groß. Dem muss sich zum Beispiel auch der gefönte und gegelte DiCosmo stellen. Man darf darauf hinweisen, dass in Songs wie Waiting For An Alibi und an sich auch in der rockigen Version von Dancing In The Moonlight der Einsatz von Flanger in den jeweiligen Intros Pflicht ist. Sein Vorgänger Marco Mendoza hatte dies noch beherzt, der neue junge Mann an den dicken Saiten spielt diese Nummern ohne jegliches Feeling und somit ohne den erforderlichen Charme dieser großen Nummern. Stattdessen hören wir in den Zwischenparts dezente und undefinierbare Zerrsounds, die einfach nicht in die Musik von THIN LIZZY passen. Vergessen wir nicht: Der King Of Rock Phil Lynott [O'Ton Sykes] war nicht nur Mastermind, sondern eben auch der Bassist dieser großartigen irischen Band. Und er war weitestgehend musikalischer Minimalist. Zweites Manko bei DiCosmo: Er spielt zu viele matschige Bassläufe, die nicht passen. Zusammen mit dem Gesang hätte Lynott dies niemals hinbekommen und vermutlich wurde damals gerade auf diesen Firlefanz im Songwriting weitestgehend verzichtet, um den Gitarren einfach mehr Spielraum zu geben und den Groove zu heben.
Nun, die Gitarrenarbeit funzt noch immer wie am Schnürchen. Die Twin-Guitars sind im Blut von Sykes und Gorham verewigt und wohl bis ans Ende aller Tage nicht mehr heraus zu bekommen. Das klappt noch immer vorzüglich, egal ob in Don't Believe A Word, im Kracher The Boys Are Back In Town und/oder auch im Übervermächtnis Black Rose. Es ist noch heute schlichtweg der Hammer, wie die beiden Gitarristen über gute 8 Minuten, basierend auf Kirmesakkorden, ein regelgerechtes Klampfenfeuerwerk zünden. Sykes' Gesang hingegen hat leider stark nachgelassen. Na klar, diesen Soul in der Stimme des originalen Lynott hatte er noch nie. Musste er auch nicht, denn sowohl auf dem Live-Album "One Night Only" sowie auf der 20/20-Tour im Jahr 2006 konnte er weitestgehend überzeugen. Dieses Mal konnte man vor der Bühne ein Stück vermeintliche Unlust feststellen, warum auch immer. Irgendetwas passt derzeit nicht. Da war dieses kurzzeitige Hickhack im Vorfeld dieser Tour, als plötzlich sogar auf offiziellen Webseiten bekannt gegeben wurde, dass THIN LIZZY diese Tour nicht spielen werden. Nach 2 Tagen die Kehrtwende, und wir werden hoffentlich noch erfahren, was der Stein des Anstoßes gewesen war.
Und dann vergessen wir nicht Tommy Aldridge, der sich an diesem Abend auf einem großen Podest erhebt. Die Double-Bassdrums knallen was das Zeug hält. In Sha-La-La gibt es das erwartete Schlagzeugsolo einschließlich der Bedienung durch die blanken Hände. Da verzeiht man den späteren und kleinen Patzer im Break von Cold Sweat gerne, zumal Musiker dieser Kategorie unbemerkt wieder in den Track rein finden. Ansonsten ist die Darbietung durchwachsen. Die Sirenen zu Beginn von Jailbreak versprühen deutlich Atmosphäre, dafür stimmt das Tempo nicht, Emerald rockt wie gewohnt zünftig und laut dahin, im geschmeidigen Still In Love With You trägt der lustlose John Sykes dann eben doch dazu bei, dass das Stück seine Wirkung verfehlt.
Unser Fazit: Noch immer gibt es genügend Rocker, die THIN LIZZY hören und sehen wollen. Wir empfehlen für die Zukunft wieder alleinige Headliner-Touren, denn solche Songs wie Suicide, Bad Reputation und Rosalie werden an so einem Abend schmerzlich vermisst. Nach 70 Minuten war alles vorbei. Was URIAH HEEP am späten Abend noch abzogen entzieht sich unserer Kenntnis, denn auch wir haben uns den Luxus erlaubt und waren ausschließlich wegen THIN LIZZY gekommen.
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