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Sophie Zelmani

Köln, Prime Club, 14.04.2004

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Köln, Prime Club, 14.04.2004

Stell Dir vor, Du bist schüchtern. Stell Dir vor, Deine Freunde nehmen Dich abends mit in eine Disko. Du machst Dich hübsch. Und stell Dir folgendes vor: Unerwartet bist Du das Highlight des Abends. Alle starren Dich an. Unangenehm! Immer wieder treffen Dich Blicke. Sehr unangenehm! Du weißt gar nicht, wo Du hinschauen sollst - ständig verfolgen Dich Augenpaare. Du schaust nach links und nach rechts, aber alle Deine Freunde sind beschäftigt. Oh Gott! Was tun?

So, oder so ähnlich, erging es der armen Schwedin Sophie, weit ab von zu Hause, am 14.4.2004 in der Kölner Diskothek Prime Club. Dabei hatten sie es ihr sogar recht anheimelnd und vertraut eingerichtet, mit etwas zu trinken, einem gemütlichen Holzstühlchen und ein paar Ikea-Kerzen. Allerdings waren ihr Gefährten so hinterhältig, sie nicht einfach nur mit in eine Disko zu nehmen, sondern sie sogar auf die Bühne, mitten ins Rampenlicht zu plazieren. Sehr sehr unangenehm!

Da wurde verzweifelt die Augenbraue gejuckt, die Haare zurecht gerückt, die Lippen verkniffen, hilflos an die Decke gestarrt, ein Blick nach rechts zu Produzent Lars Halapi an der Gitarre, einer nach links zum Keyboard - eben alles, was man so macht, wenn man sich richtig unwohl fühlt, und beobachtet von mindestens 150 Zuschauern. Sehr unangenehm das ganze!

Der Applaus nach den ersten Songs freute und erleichterte sichtlich alle Musiker, auch Sophie, konnte aber nicht zum Entspannen beitragen. Zwischenzeitlich kam ein artiges "thank you" mal etwas gelassener über ihre Lippen - aber das täuschte: Spätestens beim nächsten Instrumentensolo, wusste sie wieder nicht wohin mit ihren Händen, ihren Augen...

Meist hatte man das Gefühl, dieser Sony-Mann Halapi ist der Chef des Ganzen, zumindest der Mann, der auf der Bühne die Fäden in der Hand hält. Seine Gitarrensoli verrieten mehr: Die Leidenschaft, die er an den Tag legte, zeugte von tiefer Verbundenheit mit dieser Musik. Eines wurde klar: Er ist zu einem nicht unerheblichen Teil Vater seiner Töne.

Sophie Zelmani ist nicht die Künstlerin, die auf der Zuschauerklaviatur spielt, die eins mit ihren Fans wird. Das macht nichts! Schließlich waren wir auch nur zum Zuschauen und -hören dort. Wir durften einer Frau lauschen, die statt dessen, am liebsten mit geschlossenen Augen, eins mit ihren Songs war, die diese traumhafte Mischung aus fließenden Melodien, aus Melancholie und Entspanntheit genauso intensiv transportierte, wie sie das auf ihren bisherigen Alben vermochte. Erstaunlich, dass ihre Stirn kaum zerfurcht war - ihre Brauen schienen die Songs mitzuleben...

Das Konzert war Intensität pur. Nur leise, innerlich. Ein Traum! Ein Spaziergang in Winterlandschaft, gewärmt von strahlender Morgensonne. Romantisch verträumt, zwischen Schnee-Engel und Schneeballschlacht. Oh, ich gerate ins Schwärmen... OK, ich geb's zu: Sophie Zelmani ist für mich zur Zeit die Nummer 1 unter den Songschreiberinnen und -schreibern. Und ich verfluche alle Musikmedien, dass ich diese Frau erst seit ihrem vierten Album kenne!

Zelmani ist auf einer "Love Affair"-Promotion-Tour, aber sie bedient sich auch aus älteren Alben. Obwohl sie erst fünf Studioalben veröffentlicht hat, scheint ihr Repertoire an geglückten Melodien mittlerweile schier unerschöpflich. Damit lassen sich leicht 90 Minuten Konzert füllen - jede Sekunde ein reiner Genuss!

Wer nicht gegen Ende der zweiten Zugabe ein Autogramm bekam, dem ging die Schüchternheit dann doch etwas zu weit, als Sophie Zelmani nach dem Konzert keine Autogrammwünsche mehr erfüllen wollte. Zu erschöpft. Vom Singen konnte das kaum gekommen sein. Vermutlich vom Stress, den die Menschenmassen bei der zurückgezogen lebenden Dörflerin ausgelöst hatten...

Wenn man für solch entrückt traumhafte Musik so menschenscheu sein muss, dann wollen wir ihr das gerne zugestehen!

Andreas Futschik, (Artikelliste), 16.04.2004

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