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Tourneevorbericht:
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Nachdem SAXON erst kürzlich auf Tour waren um ihr aktuelles Album "Lionheart" zu promoten und uns zusätzlich alte gern gehörte Gassenhauer um die Lauschlappen zu knallen sind sie bereits im März wieder in unseren Breiten zu sehen ... Denkste !! Frontmann Biff brannte die Bude ab und da ist man a) froh das ihm und seiner Familie nichts geschehen ist, b) galt es natürlich das verbliebene Hab & Gut zu begutachten und c) in Sachen "Wohnraum" neu zu disponieren. Vielen Fans der ersten Alben stieß die auf "Killing Ground" und "Lionheart" eingeschlagene Richtung bitter auf. Konnten "Dogs Of War" oder "Metalhead" noch einmal früheren Glanz verbreiten, so ist es eher schwer vorstellbar dass die NWOBHM-Legende mit den letzten Werken die alten Anhänger erfreute geschweige denn neue Fans erreichte. Der Verdacht dass man im Bandlager darüber nachdachte mag auch in der Tatsache von Neueinspeilungen alter Klassiker in den vergangenen Jahren begründet sein. Live konnten die Briten mit den zeitweise deutschen Schlagzeugern in den vergangenen Jahren zumeist überzeugen, auch wenn die heutige Besetzung mit dem Classic-Line-Up nicht mehr allzu viel gemein hat. Häufigere Wechsel, besonders auf der Position des Drummers, ließen den Konzertbesucher im Laufe der Jahre das eine oder andere neue Gesicht erblicken. Zuletzt wurde der vorherige SINNER- und VICTORY-Felledrescher Fritz Randow durch "Legionär" Jörg Michael (ex- RUNNING WILD, ex- STRATOVARIUS) ersetzt. Randow hatte der Band mit seinem straighten präzisen Drumming geholfen den x-ten Frühling zu erleben. Sein songdienliches Spiel wusste er live gekonnt mit seinen speziellen Drumeinlagen zu würzen. Jörg Michael dagegen schien mir bei vielen RUNNING WILD-Shows eher darauf bedacht, möglichst viel eigenen Wirbel in den jeweiligen Song einzuflechten. Wer nicht auf der letzten Tour dabei war kann sich jetzt allerdings keinen eigenen Eindruck mehr verschaffen, denn kaum im Boot scheint Michael schon wieder über Bord gegangen (worden?) zu sein denn wie SAXON's Homepage vermeldete wird Nigel Glockler ab Mitte August zum wiederholten Mal hinter den Drums sitzen. NEW WAVE OF BRITISH HEAVY METAL - Jene Bewegung die auch über 20 Jahre nach ihrem Ende immer wieder gerne zitiert wird wenn es um Einflüsse auf die Musik vieler Hardrock-Acts geht besaß in SAXON eines ihrer Flaggschiffe. Begonnen hatte alles Ende der 60er Jahre, als der Jimi Hendrix-Fan Graham Oliver (genannt "Oly") sich nach einem Konzert seines Idols eine Gitarre kaufte und mit Steve "Dobby" Dawson eine Band gründete. Pete "Biff" Byford und Gitarrist Paul "Blute" Quinn spielten seinerzeit bereits zusammen in einer Combo namens COAST. Beide Bands spielten eine Art von späteren Heavy Metal-ähnlichem Rock welcher damals wenig angesagt schien. So löste man sich nach einiger Zeit wieder auf, und Paul Quinn gründete 1977 eine neue Band mit teils ihm aus vormals anderen Gruppen bekannten Musikern. Die neue Band wurde SON OF A BITCH genannt, die vakante Position mit dem nach einer Anzeigenaktion gefundenen ex- GARY GLITTER Drummer Peter "Pete" Gill besetzt. Während der Aufnahmen zur ersten LP änderten die Fünf (Byford, Quinn, Oliver, Dawson und Gill) ihren Gruppennamen in SAXON. Zu dieser Zeit erfand Biff auch das Symbol der Gruppe, einen silbernen Adler mit gespreizten Flügeln. SAXON's erstes 1979 veröffentlichtes Album (kurz "Saxon" betitelt) verkaufte sich nicht sehr gut. Neben gelungenen Tracks wie Stallions To The Highway (Hymne in alter Born-To-Be-Wild-Rockertradition) oder dem Hammer Backs To The Wall waren Songs wie Frozen Rainbow oder Judgement Day Beispiele für nicht gelungene Kompositionen. Noch in der Tradition von RUSH, QUEEN oder RAINBOW stehend trotteten sie eher langweilig vor sich hin. Auf den Alben "Wheels Of Steel" und "Strong Arm Of The Law" (beide 1980) war davon nichts mehr zu spüren. Es gab keine überholten und enttäuschenden Songs mehr. Die Tracks wurden härter und schneller, während die Texte vom Punk gelernt hatten und sich teilweise mehr von der Realität inspirieren ließen. Von irgendwelchen versunkenen Königreichen zu singen überließ man anderen. Dawson und Gill waren als Rhythmusmaschine voll aufeinander eingespielt, während Quinn und Dawson ihre Gitarrensoli auf ein Mindestmaß beschränkten. Riff-Rock gab den Ton an; die beiden Gitarristen hatten erkannt, dass die Rhythmus- wichtiger als die Lead-Gitarre schien. Soli wurden nur noch als Bestandteil des vorwärtstreibenden Rhythmus gespielt. Sänger Biff Byford erfüllte die Standardregeln des Heavy Metal: Lange Haare, von großer Statur, kontaktfreudig zum Publikum und ein einprägsames (wenn auch gewöhnungsbedürftiges) Organ. Nahezu alle Songs dieser beiden Alben gelten als Klassiker der NWOBHM. Wheels Of Steel, 747 (Strangers In The Night), Motorcycle Man, Heavy Metal Thunder, Strong Arm Of The Law, 20,000 Feet oder Dallas 1 PM; jeder einzelne Track kann getrost als legendär bezeichnet werden und verwandelt bis heute die Konzertsäle in Orte sich wild gebärdender Headbanger. Das 1981 veröffentlichte "Denim And Leather" enthielt mit dem Titelsong, Never Surrender oder Princess Of The Night weitere Meilensteine ihres Songwritings. Das Album insgesamt ist ebenfalls als Pflichtkauf anzusehen, selbst wenn es nicht ganz die Klasse der beiden Vorgänger erreicht. Der/die eine oder andere reifere Leser/in des HOR, welcher zu dieser Zeit im Einzugsgebiet des Westdeutschen Rundfunk lebte erinnert sich vielleicht noch an eine samstägliche Radiosendung namens "Schlagerrallye". Der Name dieser Sendung stand nicht unbedingt für das ausgestrahlte Programm, tauchten doch dort auch SAXON mit Princess ... in den Hörercharts auf. Drummer Peter Gill verließ die Sachsen vor der Tour zum vierten Album und heuerte Jahre später für einige Zeit bei MOTÖRHEAD an. Sein Nachfolger Nigel Glockler kehrte SAXON Ende der Achtziger den Rücken, kam in den Neunzigern für ein Zwischenspiel zurück um jetzt wieder die Drumsticks unter dem "Eagle" zu schwingen. Bassist Steve Dawson ging nach der Konzertreise zum enttäuschenden Album "Innocence Is No Excuse" und Graham Oliver verließ die Sachsen Mitte der Neunziger. Dawson und Oliver taten sich später in den Neunzigern wieder zusammen um mit alten Songs aufzutreten, Biff & Co. hatten sich in einem Rechtsstreit um die Namensrechte allerdings durchgesetzt und blieben die einzig wahren SAXON. Neben den verbliebenen Ur-Mitgliedern Biff Byford und Paul Quinn sowie dem neuen ex- und noch mal ex-Drummer Nigel Glockler spielt seit den Neunzigern Nibbs Carter den Bass und Doug Scarratt besetzt die zweite Gitarrenposition nach Oliver's Fortgang. Zum 25-jährigen Jubiläum der NWOBHM (die Anfänge lagen sicher schon ein, zwei Jahre zuvor) gehen SAXON nun mit einem Programm auf Tour welches ausschließlich Songs aus den Achtzigern beinhalten soll. Es ist sicherlich keine Nörgelei von mir mit im Spiel wenn ich mir wünsche es wäre nicht tragisch 1984 einen Strich zu ziehen, denn "Power And the Glory" (1983) bildete wohl den letzten absoluten Meilenstein und eine Granate aller erster Güte während Crusader (der Song, 1984) wohl sein "muß". Titel wie Rock The Nation oder Ride Like The Wind mögen gewiss ihre Daseinsberechtigung besitzen, Highlights des britisch geprägten Heavy Metal stellen sie eher nicht dar. Hier die Veranstaltungsorte und Daten (ohne Gewähr): 30.09. Hamburg, Markthalle 01.10. Berlin, Columbia Club 02.10. Bochum, Zeche 05.10. München, Metropolis (Kunstpark Ost) 06.10. Ludwigsburg, Rockfabrik 07.10. Saarbrücken, Garage 08.10. Münster, Live Arena 09.10. Augsburg, RockfabrikWer noch kein Ticket sein eigen nennt sollte sich sputen. Ausverkaufte Konzerte sind durchaus möglich. Und überhaupt, wir werden ja alle nicht jünger, und bis zum 50-jährigen warten? Jürgen Ruland, (Artikelliste), 01.09.2005
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