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Konzertbericht:
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Im Sommer 2002 meldeten sich RUSH nach sechsjähriger Schaffenspause eindrucksvoll mit dem Album "Vapor Trails" zurück. Stilistisch ging's ein wenig in die früheren Tage, Keyboards suchte man vergebens. Auch die jüngst veröffentlichte Cover-EP "Feedback" glänzte mit hervorragenden Einspielungen alter Klassiker, gänzlich auf Tasteninstrumente verzichtend. Soweit noch einmal kurz zu den letzten Releases der kanadischen Ausnahmeband. Wie zu erwarten gab es kein "sold out", die Oberränge blieben gesperrt, die unteren Reihen und der Platz vor der Bühne waren allerdings gut gefüllt. Trotzdem, so etwas kann trüben... Die Konzertabsage in München mag sicherlich auf logistischen Problemen beruhen, aber wusste man das nicht vorher? Ein fader Beigeschmack bleibt, und sicherlich auch viele (?) dortige enttäuschte Fans. RUSH in Oberhausen, Freitag der 17. September 2004. Ein wunderschöner sonnendurchfluteter Spätsommertag, und bereits Stunden vor dem Konzert pilgern viele Fans durch die Kneipenmeile am Oberhausener CentrO. Die Spannung ist deutlich spürbar, und als die Hallentüren geöffnet werden kann man schon fast von Herzklopfen reden. Endlich... endlich sind RUSH wieder in Deutschland. Es ist irgendwie ein besonderes Gefühl, bei dem ich glaube es mit vielen Anwesenden zu teilen. Die Band hat sicher nicht nur mir im Laufe der Jahre so viele schöne Momente mit ihrer Musik geschenkt, da ist es etwas ganz Besonderes ihr livehaftig beiwohnen zu dürfen. Gut, da sitzt man nun etwas seitlich von der Bühne, hat 51,80 € gelöhnt (wahrlich nicht geschenkt, aber man beachte das Preis-/Leistungsverhältnis) und zappelt auf seinem Sitz herum, die Gerstensaftkaltschale will gar nicht so recht munden. Endlich geht pünktlich das Licht aus, und... da sind sie endlich. Geddy Lee, Alex Lifeson, Neil Peart!! Der Sitz- wird zum Stehplatz (exzellente Sicht!!) und RUSH legen erst mal lange instrumental los. Fragt mich nicht nach den genauen Minuten, es mögen derer zehn gewesen, nicht nur meinereiner war ab sofort wie in Trance. Exzellente Lightshow, große PA, tolle optische Spielereien auf der rückwärtigen Leinwand. RUSH als Puppen, RUSH als Comicfiguren, RUSH auf vielen alten Fotos. Und RUSH live vom ersten Ton an mit einer solchen Spielfreude, dass man es kaum glauben mag, dass die das jetzt 3 Stunden lang durchziehen werden. Begrüßenswert auch der Umstand, nahezu jedes Album mit mindestens einem Song zu vertreten. Klar, dass "Feedback" mehrfach auftauchte. The Seeker irgendwo mittendrin, ein für ihre Verhältnisse straighter Song, Heart Full Of Soul unplugged (sehr ergreifend gespielt, doch warum nicht die sagenhafte Studioversion?) sowie Summertime Blues und Crossroads im Zugabenteil. Das Überalbum (selbst für RUSHverhältnisse) "Moving Pictures" "muss" bis heute übermäßig herhalten. Egal ob Tom Sawyer, Red Barchetta, Yyz oder als letzte Zugabe das unvergleichliche Limelight. Die "Unplugged"-Welle ist relativ verebbt, da beehren uns RUSH mit ihrem Resist und beweisen, dass Qualität sich (meistens) durchsetzt. Und auch ein Schlagzeugsolo ("gähn") lockt eigentlich keinen mehr hinterm Ofen hervor, doch wenn Neil Peart loslegt, wird einem sehr schnell aufgezeigt was man mit Drums & Percussion alles veranstalten kann ohne dass die Anwesenden einschlafen, pinkeln oder Bier holen gehen. Unterstützt von Filmeinspielungen ein Ohren- und Augenschmaus. Ich habe seit vielen Jahren (PINK FLOYD?) nicht mehr so eine perfekt auf die einzelnen Songs abgestimmte Lightshow gesehen. Zu Between The Wheels beispielsweise Zahnräder en masse in leuchtenden Grün- und Pinktönen. Wer CD-Sound hören mag kann das auch daheim, die Köpi-Arena hat mich da noch nie so recht überzeugen können. Trotzdem konnte man auch hier zufrieden sein, live bleibt eben live, und RUSH sind da schon nahezu perfekt. In die allgemeinen Diskussionen ums liebe (und meist sauer verdiente) Geld möchte ich an dieser Stelle auch eingreifen. 3 € für ein schlecht gezapftes Pils sind definitiv zu viel. An den "hochbezahlten" Arbeitskräften kann es nicht gelegen haben. Bei Stundenlöhnen zwischen 6 und 7 Eurodollars brutto (jaja, die armen Zeitarbeitsfirmen) gehen Ottilie bzw. Otto Normalverbraucher weit über eine halbe Stunde für ein Glas Bier malochen. Klasse, so steigert man die Inlandsnachfrage... Und die nach den T-Shirts? Da dient ein Flightcase als Ladentheke, drei im Abiturientenalter (maximal) wirkende Bedienstete werden der Andrängenden nicht Herr und brüllen was von "Verkaufsabbruch" herum. Sehr professionell. Und wenn man dann nach Ewigkeiten nur noch ein Batik-Shirt zum stolzen Preis von 35 Euronen in Größe "M" bekommen kann (bei 188 cm Körpergröße) ist man in dieser Hinsicht etwas bedient. Fazit: Diese Tour hätte mehr Besucher verdient gehabt, und es ist zu bezweifeln, dass RUSH hierzulande noch einmal auftauchen oder jemals wieder eine solche Show auffahren. Eine Sternstunde der Rockmusik, ein weiteres Armutszeugnis in veranstalterischer Hinsicht. Jürgen Ruland, (Artikelliste), 25.09.2004
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