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Konzertbericht:
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Nachdem im Vorjahr ein Livemitschnitt (CD & DVD) mit dem "neuen" Sänger Bruce Guthro veröffentlicht wurde, kam jetzt also eine, ich-weiß-nicht-wievielte Collection der Schotten auf den Markt ("30 Year Journey - The Best"). Als man 1997 Donnie Munro verabschiedete, stand man vor der großen Frage des "Was nun?". Obwohl ich die Band als musikalisch festgefahren empfand und mir Mr. Munro trotz seiner unvergleichlichen Stimme fast schon als ein Hemmnis erschien, konnte ich an eine erfolgreiche Weiterentwicklung mit neuem Frontmann, sprich frischem Blut, nicht so recht glauben. Zwar hatten die Alben "Amazing Things" (1993) und besonders "Mara" (1995) noch ihre Höhepunkte, von durchgehend starken Longplayern zu sprechen, wäre allerdings übertrieben gewesen. Zudem bewegte sich der ausscheidende Sänger zuletzt derart stark im Vordergrund, daß man trotz all seiner unbestrittenen Qualitäten Parallelen zu divenhaftem Verhalten nicht ableugnen konnte. Musikalisch bewegten sich RUNRIG in Richtung Sackgasse, ihre Karriere schien am Scheideweg angelangt zu sein. Im Herbst 1998 hatte ich dann erstmals Gelegenheit, die Schotten mit ihrem neuen Sänger Bruce Guthro erleben zu dürfen. Den Ort des Geschehens bildete die Bonner Biskuithalle und ich erlebte wohl eines der bewegendsten Konzerte in über 25 Jahren Besuchen von (Rock-)Musikveranstaltungen. Standen anfangs die verbliebenen fünf Bandmitglieder alleine auf der Bühne und begannen mit dem Set, erschien Guthro dann einige Zeit später und das Publikum nahm ihn überwältigend auf. Und genau dieses trat im Sommer 2001 ein - "The Stamping Ground" zeigte RUNRIG von einer veränderten Seite. Die Band präsentierte sich folkig, teils countrymäßig, ließ bei Running To The Light einen gewissen Paul Monsey ein modernes Arrangement (welches aufgrund seiner Rhythmusgeschichte nicht überall auf Wohlgefallen stieß) anfertigen, glänzte mit starken Melodien, vergaß jedoch nie seine Wurzeln und überzeugte als kompakte Einheit. Bayne und Wishart waren wieder im Booklet als Musiker verzeichnet und Bruce Guthro lieferte gemeinsam mit Gitarrist Malcolm Jones einen absoluten Übersong ab, die Ballade One Thing. Leider schaffte ich es aus verschiedenen Gründen nicht zu einem der folgenden Konzerte, bis ich zwei Jahre später "Proterra" in den Händen hielt. "RUNRIG WITH PAUL MONSEY" auf dem Cover prangend, sollte sich akustisch auswirken. Das Album klang sehr modern, man hatte allerdings auch hier wiederum hervorragendes Songmaterial am Start. Es schien, als wäre mit Beginn von "The Stamping Ground" neues Leben ins Songwriting geflossen und die Band quasi neu auferstanden. Das eher ruhig gehaltene Werk wirkt auch runde zwei Jahre nach seinem Erscheinen wie aus einem Guß und ich könnte mir vorstellen, daß es die Musik zu einem überlangen Videoclip darstellen würde. Die vergleichsweise rockigen Day Of Days und Empty Glens, das epische From The North oder die wunderbare Ballade All The Miles sollen als Anspieltips dienen, im Grunde tut man allerdings dem restlichen Material unrecht, da es wie auch schon bei "The Stamping Ground" vollständig zu überzeugen weiß. Kein "Stamping Ground Pt. II", jedoch ein weiteres Album voller Klasse, was mich zu der Feststellung komme ließ, es hier mit den beiden reifsten und stärksten RUNRIG-Alben zu tun zu haben. Die Zusammenarbeit mit Paul Monsey (Keyboards, Programming) hat RUNRIG einen weiteren, von durchschlagendem Erfolg gekrönten, Schritt vorangebracht und besonders live zeigte man sich durch das neue Mitglied Brian Hurren (Keyboards, Piano, Vocals) glänzend verstärkt. Im Herbst 2003 (Palladium, Köln) sorgte sicherlich nicht nur bei mir die Version von All The Miles mit ihm als zusätzlichen Sänger für Gänsehautfeeling. Mit Guthro, Rory Macdonald und Hurren verfügen RUNRIG alleine im Vocalbereich mittlerweile über ein ungeheures Potential und man ist gespannt auf das nächste Studioalbum mit neuem Material. ... die bereits einige Zeit vor Konzertbeginn komplett zugeparkt war. Das Konzert schien ausverkauft zu sein, denn an den Kassen herrschte gähnende Leere, während man sogar ausnahmsweise am Straßenrand parken durfte. Da hat man das Drumherum fein ausgebaut, die Hütte ist voll und dann wird es ein wahres Problem einen Parkplatz zu finden. Glücklicherweise fand sich in einiger Entfernung noch eine Tiefgarage, so daß wir sogar noch etwas vom Vorturner mitbekamen. Singer/Songwriter aus Kalifornien, mir namentlich nicht bekannt. Ohne als Ignorant durchzugehen, deswegen war ich eh nicht da, zudem die "Special Guests" bei RUNRIG mich eigentlich nie sonderlich ansprechen. Die Bude war proppevoll, vor der Bühne eine Reihe von wehenden Fahnen im Publikum, das mit dem Erlöschen des Hallenlichtes mit dazu beitragen sollte einen stimmungsvollen Abend zu verbringen. Unter dem Albummotto "30 Year Journey - The Best" bot die Show vor allem die Bestätigung zu meinen bereits erwähnten Eindrücken. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf den letzten drei Alben, sprich jenen mit Bruce Guthro. Und das vielleicht zu Recht, denn auch wenn man sich gewiß, wie immer, über die Songauswahl streiten mag, der Mann hat RUNRIG zu einer neuen Stärke verholfen. Es scheint, als wären die Schotten wiedererstarkt, nach längerer Lethargie auferstanden, zusätzlich verstärkt durch den Keyboarder/Sänger Brian Hurren, welcher einen den eher blassen Peter Wishart vergessen ließ. Angefangen mit dem Titelsong vom letzten (Über-)Album "Proterra", über The Ship, zu Big Sky (selbst das kam diesmal erfreulich lebendig herüber) zeigte sich, daß sowohl Band als auch das überragende Düsseldorfer Publikum dem neuen Material livehaftig viel abgewinnen konnten. Brian Hurren scheint sich neben den beiden Frontmännern Bruce Guthro und Rory Macdonald immer mehr zu einem weiteren wichtigen Eckpfeiler der Schotten zu entwickeln. Das von ihm im ersten Zugabenteil vorgetragene Lied erntete einen riesigen Beifallsturm und läßt hoffentlich keinen Neid aufkommen, denn erst die Abwechslung macht RUNRIG mittlerweile nahezu vollkommen. Und genau das scheint auch das Publikum zu empfinden und in eine selten erlebte Stimmung umzusetzen, denn die Highländer spielen nicht jeden Tag nach Loch Lomond eine weitere Zugabe. Jürgen Ruland, (Artikelliste), 27.04.2005
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