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Fotos: Friedemann Schmidt
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| Köln, E-Werk, 26.11.2008 |
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Eigentlich bin ich ja ein Kerl [und was für einer! Jogi] aus dem Ruhrgebiet, aber meine heimliche Lieblingsstadt ist Köln [na Friedemann, ob man dir diese Aussage in der Heimat verzeiht? Jogi]. Abgesehen davon, dass die das mit dem Bierbrauen noch mal üben müssen, kann man sich über diese Stadt nicht beklagen. Die haben einen einigermaßen zufrieden stellenden Fußballverein [ein Beitrag aus der Reihe "Friedemann träumt"; Red.], der Dom ist weit über die deutschen Landesgrenzen bekannt, einmal im Jahr schaut der Rhein in der Altstadt nach dem Rechten und musikalisch kann sich hier einiges nennenswertes finden lassen - auch abseits der Karneval-Session. Wer Live-Musik lauschen möchte, hat in Köln viele Gelegenheiten, zumal scheinbar ständig neue Venues aus dem Boden wachsen.
In einer der älteren Konzerthallen durfte ich mich zu meinem ersten MARILLION-Konzert einfinden. Die fünf Herren von der Insel hatten in das E-Werk geladen, um im Jahr 2008 auf ihrer "Happiness Is The Road"-Tour nur einen Stopp auf deutschem Boden einzulegen [in 2009 folgen weitere in München (06.02.), Berlin (12.02.) und Hamburg (14.02.)]. Nach dem ich von der aktuellen Scheibe etwas enttäuscht war (inzwischen hat sich das etwas gelegt, weil dieses Machwerk sehr viel Zeit zum Wachsen benötigt), war ich mit entsprechender Skepsis angereist und hatte mich auf 90 Minuten Standschlaf eingestellt. Aber es kam, wie es meist kommt: die Feten, zu denen man am wenigsten Lust hat, entwickeln sich meist zu Burner-Parties.
Erstaunt war ich schon alleine über die vielen Menschen, die sich bereits 45 Minuten vor Toröffnung vor der Halle in guter alter britischer Manier anstellten. So füllte sich das Auditorium mehr als sehr gut, doch ich wage zu behaupten, dass das E-Werk nicht ganz ausverkauft war.
Gespannte 90 Minuten nach Einlass durfte auf das Quintett gewartet werden (very unbritisch kamen diese erst 35 Minuten nach offiziellem Beginn einmarschiert), bevor die Saal-Lichter erloschen und mit Dreamy Street und This Train Is My Life der Abend eingeläutet wurde. Es kam, wie ich es mir gedacht hatte: es war ermüdend! Fieberhaft überlegte ich, wie ich das bis zum Ende durchhalten soll. Der zündende Funke kam mit Nothing Fills The Hole, welches wesentlich stärker und rockiger dargeboten wurde als auf CD. Und so ging es mit fast allen Songs. Das hatte ich nicht erwartet, auch nicht, dass man zu einigen Stücken sogar gepflegt grooven konnte. Am meisten überzeugte mich dabei die erste Zugabe Whatever Is Wrong With You, welche ich fast nicht wieder erkannt habe, obwohl es vom aktuellen Longplayer stammt. So energiegeladen und rockend hätten sie das Stück mal im Studio einspielen sollen. Eine beeindruckende aber nicht aufdringliche Lightshow begleitete die Setlist, die zusätzlich noch von diversen Einspielungen auf der Leinwand im Hintergrund untermalt wurden.
MARILLION präsentierten sich in Bestform, versprühten Spielfreude, und Steve Hogarth leitete bestens durch den Abend. Dass der Mann nicht nur singen kann, sondern auch ein Entertainer der sanften Art ist, stellte er beeindruckend unter Beweis. Steve Rothery an den Gitarren hat das Stageacting zwar nicht erfunden, aber wenn man so genial mit den Effekten rumzaubert, braucht man auch keine großartige Performance abzuziehen. Hier zählten die Musik und die Umsetzung dieser durch die Musiker. Lediglich Pete Trewavas am Bass sorgte für etwas Bewegung auf der Bühne.
Die Briten spielten ein Set aus der aktuellen Scheibe sowie von "Marbles", "Brave", "Afraid Of Sunlight", "Somewhere Else" und auch "Radiation" wurde kurz gestreift. Dass man auf Publikumswünsche spontan einzugehen wusste, zeigte sich in der Zugabe, als Hogarth, alleine am Piano sitzend, zu 3 Minute Boy ansetzen wollte, dann aber doch ein aus dem Publikum zugerufenes Lied kurzfristig anstimmte. Leider entzieht es sich meiner Kenntnis, um welchen Song es sich dabei handelte.
Knappe 120 Minuten dauerte es, bis die Männer nach Happiness Is The Road von der Bühne gingen und ein absolut begeistertes Publikum hinterließen, von dem sich Mr. Hogarth fast nicht trennen konnte und wollte. Für mich stellte sich nach dem Konzert die Frage, warum die fünf Briten im Studio nicht so energiegeladen zu Werke gehen. Das könnte - meiner Meinung nach - für steigende Nachfrage sorgen, denn das war ein Konzert der Extraklasse, mit exzellenten Musikern und einer starken Performance, die man nur weiterempfehlen kann.
Am gleichen Abend spielte übrigens Elton John in der LANXESS-Arena und einer der Zuschauer im E-Werk sagte noch vor Beginn: "Der Mainstream geht zu dem Tastentünnes. Die, die was von Musik verstehen, kommen hierher." Recht hat er gehabt, auch wenn ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht glauben wollte.
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