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Konzertbericht:

Luciano

Feat. Dean Fraser

München, Muffathalle, 17.04.2003

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Fotos:
Heidi Bauer

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Dean Fraser
Dean Fraser - 31 KB
Dean Fraser
Dean im Background bei Luciano - 35 KB
Luciano
Luciano - 41 KB
München, Muffathalle, 17.04.2003

Der Messenger (oder auch MessenJah) ruft und die Münchner Muffathalle ist an einem Donnerstag Abend gesteckt voll. Gut so, denn Luciano ist immer eine Garantie für eine tolle Show. Der phantastische Auftritt beim letztjährigen Chiemsee Reggae Summer ist mir noch in bester Erinnerung.
"Feat. Dean Fraser" hieß es in der Ankündigung und darauf durfte man gespannt sein.
Ich weiß zwar nicht wie Dean es zeitlich schafft mit Luciano auf Tour zu gehen, denn wenn man die unendlich lange Liste der Alben sieht, bei denen der Saxophonist mitgewirkt hat, glaubt man, der Mann kann nicht länger als für einen halben Tag aus dem Studio kommen.

Dean Fraser

Nun ist es ja sicher keine leichte Aufgabe nur mit einem Sax bewaffnet das Publikum mit jazzigen Elementen auf einen Reggaeact einzustimmen und anzuheizen. Kein Problem für Dean Fraser! Mit seinem Mini-Sax vorm Riesenbauch bringt er die Massive innerhalb 20 Minuten in Tanzlaune und wenn's der Stimmung (zumindest im vorderen Teil des Saals) gut tut, muss man halt auch nicht wie angenagelt vorm Micro stehen. Der Virtuose am Sax beendet seinen Part mit der wohl gefühlvollsten Version vom Old Pirate (Redemption Song), die ich je gehört habe.

Zu meiner Überraschung geht Dean nach seiner Show aber nicht von der Bühne, sondern reiht sich neben den 3 Mädels in den Background-Chor mit ein. Und abgesehen von ein paar Sax-Einlagen singt, trällert und dirigiert er die nächsten 2 Stunden im Hintergrund von Luciano.
Klasse!

Luciano

Und damit sind wir beim Messenger, dem Boten.
Furios und energiegeladen wie immer, auch wenn natürlich nicht genauso viel Platz zum Springen und Rennen ist wie auf den großen Open Air Bühnen. So ein Salto vorwärts aus dem Stand sieht aber angesichts der Enge on stage fast noch spektakulärer aus.
Im Military-Outfit, wie man es schon von den Auftritten im letzten Jahr kennt, wuselt Luciano von einem Bühnenende zum anderen, schmeißt sich in die seitlich drapierten Grünpflanzen. Faszinierend wie der Mann dabei noch singen kann, allerdings ein Graus zum Photographieren.

Auch das Programm ist natürlich nicht soooo unterschiedlich zu dem der letzten Festival-Saison, eine gute Mischung aus seinen letzten Alben "Serve Jah", "A New Day" und "Great Controversy" oder mit "Guess What's Happening" vom "Messenger"-Album.
Damit ist aber auch die Richtung klar, die Luciano bei seinen Konzerten einschlägt, weniger Dancehall, mehr Roots Reggae.
Fast alle seiner aktuellen Songs basieren auf alten jamaikanischen Riddims, kombiniert mit Pop-, Soul-, R&B-, oder gar Country-Elementen. Genau mein Wetter und der Stimmung im Saal nach hat's nicht nur mir gefallen. Und wenn man zwischendurch doch mal den Gedanken haben sollte, der Rhythmus wird zu eintönig, wird man allein von der Präsenz dieses Mannes auf der Bühne wieder eingefangen.

Der Messenger hätte seinen Namen nicht verdient, wenn er neben der üblichen Jah-Predigt nicht auch zum Frieden im Irak aufgerufen hätte. Klar haben unter dem Jubel der Menge Bush und Blair ganz schön ihr Fett abbekommen.

Luciano

Bei Legalize It (ja, das von Peter Tosh, auf dem Luciano-Album "Great Controversy") jumpt Luciano kurz hinter die Bühne, kommt mit einem Stoffknäuel zurück und packt ... ratet mal was ... aus! Und all die vielen Hände, die gerade noch das Peace-Zeichen machten, versuchen jetzt Lucianos Hand, respektive das Beutelchen zu krallen.
Luciano regelt es ganz diplomatisch: Eine junge Rollstuhlfahrerin, die am Bühnenrand sitzt, bekommt die Herbs, den Rest schüttet sich der Rasta einfach in den Hals. Und wieder frage ich mich, wie man dabei auch noch singen kann!
(Die Redaktion sich auch!)

Das Ende der Show erlebe ich leider nicht mehr, um 0:20, während die Zugabe gerade läuft, trolle ich mich nach Hause, nachdem ich im Gedrängel einen kompletten Becher Bier in den Rücken abbekommen habe. Da habe ich ja aber schon über 2 Stunden eines schönen, relaxten Konzertes hinter mir.

Noch einige kurze Bemerkungen:
Die Backing Band liefert eine solide, technisch saubere Leistung ab.
Das Backdrop ist äußerst interessant, alleine mit dem kann man sich schon das halbe Konzert amüsieren, denn das Motiv - Berg, Löwe, Lamm - ändert sich bei unterschiedlicher Beleuchtung. Die Bedeutung von "Qabalah", in großen Lettern als Überschrift, musste ich erst nachschlagen. Ich hab's ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden, hat aber auf jeden Fall jüdischen Ursprung, beschäftigt sich u.a. mit der Spiritualität des Menschen und somit mit Fragen wie "Wer bin ich?", "Wohin gehe ich?" usw. usw.
(Aha!?! Das hatten wir doch schon mal, liebe Heidi...)

Mir ist aufgefallen, dass der Merchandise-Mann zwar pfundweise vom Album "Great Controversy" (2001) hat und auch heftig anpreist, aber wohl keine Exemplare z.B. vom "Serve Jah" (2002) dabei hat.
Schlamperei oder etwa schon ausverkauft?

Heidi Bauer (ID), (Impressum, Artikelliste), 07.05.2003

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