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Esslingen, Dieselstrasse, 25.02.2005

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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Lizard
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Esslingen, Dieselstrasse, 25.02.2005

"Die erste Sache, die man bei einem Kommunikationswissenschafts- bzw. Publizistikstudium lernt ist, als Journalist Objektivität zu bewahren."
So schreibt ein kluger und erboster Leser, weil ich seine Lieblingsband als langweilig bezeichnet habe.
Das gilt sicher für die Verfasser von Lexika, Nachrichtensprecher und für Rolf Seelmann-Eggebert, wenn er von der Beerdigung der Queen Mum berichtet. Doch selbst der kommt beim Anblick manch königlichen Hutes ganz subjektiv ins Schwärmen...
Nun sind wir aber nicht der Dudenverlag und reden noch dazu über Musik. Zu guter Musik gehören nicht nur Technik und Verstand, sondern auch Herz, Bauch, Eier und Spaß an der Freude. Ein Konzert ist nicht zwangsläufig gut, wenn 1.500 Menschen Eintritt bezahlen, ein Konzert ist auch nicht zwangsläufig schlecht, weil ein Besucher es nicht besonders prickelnd fand. Ist dieser eine Besucher zufällig auch noch Berichterstatter, hat er das verdammte Recht, seine negativen Eindrücke kundzutun.
Und nächste Woche zeigen wir Euch, wie man nach seinem Publizistikstudium einen Lebenslauf verfaßt, um einen Job als Emailputzer im Home of Rock zu bekommen. Denn wir müssen uns jetzt um unsere Aufgabe als subjektiv berichtende Fans kümmern.

Lizard Old band, new singer. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen auf die Nach-Georg-Bayer-Inkarnation mit Stefan Kossmann am Mikro (Lektion 2 ½ beim Publizistikstudium: Benutze keine Platitüden! Dumm nur, daß ich ausgerechnet nicht Publizistik studiert habe...). Das schöne Kulturzentrum Dieselstrasse in Esslingen läßt uns also einmal mehr nach Baden-Württemberg pilgern und ich sag es vorweg, mein Unmut gegen ignorante Möchtegern-Musikliebhaber wurde durch dieses Konzert nicht gemildert, denn es gilt ab sofort die Gleichung "new singer = new band".
Direkt der traditionelle Einstieg mit Money World machte klar, daß die Band nicht vor hat, das Erbe von Georg einfach nur zu verwalten. Hier und in fast allen weiteren Songs kamen neue Arrangements zu Gehör, teilweise ganz anders gespielte Soli, Klaus Brosowski hat trotz massiver Grippe etliche neue Hammond-Tunes am Start, und das Wichtigste: Kossmann tut einen Teufel, die Vorlage 1 zu 1 nachzusingen, er singt wie Kossmann und nicht wie Bayer #2. Daß er in Einzelfällen wie der kleine Bruder seines Vorgängers klingt... könnte der Berichterstatter singen, er würde gerne wie der kleine Bruder von Bon Scott klingen.

Lizard Naturgemäß gibt es noch keine neuen Songs (bis auf das grandiose Hey Joe im Acoustic-Cajun Style mit superbem "Rap"-Gesang - es war natürlich kein Rap, aber trotzdem geil) und in ein oder zwei Fällen dürfte sich die Vorgabe als zu groß erweisen und möglicherweise werden Nummern wie No Tomorrow oder Sweet Little Angel in Zukunft aus dem Set fallen oder noch mal überarbeitet werden. Nicht daß der Schuh grundsätzlich zu groß wäre, er drückt nur (noch) ein bißchen - schließlich sind Songs in der Regel nur für einen Sänger geschrieben. Dafür kommen Nummern wie Don't You Know oder Boys Are On The Road dermaßen druckvoll und frisch, daß man sich verwundert die Ohren reibt. Dazu eine überaus agile Bühnenpräsentation, kein Stillstand, der junge Shouter gibt den Animateur, die Band zieht vollständig mit und es kommt bestens an.
Einwurf von Gorg Bayer: "Wenscht was über des Konzert schreibscht, sagscht, daß Coming Home super war". Das war schwäbisch, doch ich habe verstanden. Und es stimmt ja auch. Coming Home ist keine einfache Nummer, aber das hier war Extraklasse. So richtig mit Gänsehaut und Maximalgrinsen und leichtem Ziehen in der Magengegend.

Lizard Klasse integriert war der kleine akustische Mittelteil, ohne Langweile, mit wundervollem Akkordeon und mit kontinuierlichem Spannungsaufbau, der im zweiten Konzertteil in einer schier unfaßbaren Version von Dreams endete. So oft gehört, doch diesmal übertraf sich vor allem Christoph Berner in seinem Soloteil selbst. Wo wir dann wieder bei den ignoranten Möchtegernfans sind: Was muß man den Leuten noch bieten, damit sie ehrfurchtsvoll auf die Knie sinken? Besser kann eine Band nicht sein, mehr als die Kombination aus Perfektion und Lust gibt es nicht. Grade mal eine handvoll Helden aus den Staaten - in erster Linie Männer wie Bruce Brookshire - könnten den Entertainmentfaktor noch steigern. Doch auch die haben kein großes Publikum mehr. Musikfans, denkt den Gedanken mal weiter und kommt zu einem Schluß. Sieht nicht gut aus, oder?

Lizard Running With The Horses, My Fears Are Gone, spätestens jetzt sollte auch Stefan Kossmann verstanden haben, daß die anwesenden Fans ihn akzeptiert haben.
Bei Lonesome Guitar dann wieder die obligatorische Gitarrenschlacht. Auch schon oft gesagt: Wie immer in den letzten Jahren übertreffen LIZARD das Original von DOC HOLLIDAY - es ist einfach die bessere Version dieses Klassikers. Bruce Brookshire weiß das auch selbst.
Ein Extradank für Bring Me Some Water - ich hatte wohl früher irgendwann erwähnt, daß es mein Lieblingsrocker ist.

LIZARD sind nicht mehr wie früher. Das ist schade. LIZARD haben jetzt einen neuen Sänger. Und sie sind grandios. Nicht grandioser als früher, anders grandios. Und das ist gut.

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Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Die Bilder in diesem Artikel und der zugehörigen Bildergalerie sind natürlich auf Modem-kompatible Größe komprimiert. Im Original ist die Auflösung und Qualität selbstverständlich viel höher. Wir bieten interessierten Lesern wie immer gerne an, bei uns die Originale gegen Auslagenersatz in Papierform zu bestellen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.02.2005

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.02.2005

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