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Lana Lane

Supp.: Erik Norlander & Band

Reichenbach/Vgtl., Bergkeller, 06.10.2004

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Bergkeller, Reichenbach/Vgtl.

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Fotos: Ingolf Schmock
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Lana Lane
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Mit Textblatt zu In The Court Of The Crimson King
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Reichenbach/Vgtl., Bergkeller, 06.10.2004

Wo wird man schon beim Betreten der Lokalität von Herrn Norlander persönlich nebst Hausherrn Uwe Treitinger mit einem fast akzentfreien "Guten Abend" sehr herzlich empfangen?
Wo gewinnt man vom ersten Moment an den Eindruck, hier ist ein Stück Zuhause?
Das alles ist kein Wunschdenken, sondern Realität im "Wohnzimmer der Progressiven Events", dem Bergkeller im sonst verschlafenen vogtländischen Reichenbach.
Diese erwärmende Atmosphäre wird von diesem Familienbetrieb vollkommen und mit Engagement umgesetzt. Die besten Vorraussetzungen um ein anspruchsvolles (Prog) Rock Konzert in vollen Zügen zu inhalieren. Da werden die Künstler noch von Muttern mit dem hauseigenen Catering verwöhnt bzw. umsorgt. Vielleicht geben sich deshalb namhafte Kapellen für solche Abende die Klinke in die Hand. Da zelebriert man den ungezwungenen Umgang mit den Musikern, die sich auch sichtlich wohl dabei fühlen. Eben diese bekommen hier den direkten Background von der Basis bzw. ein bedeutendes Fundament und Inspirationen zu ihrem weiteren Schaffen.

Erik Norlander Mittlerweile harrten die etwa 100 Musikliebhaber der Dinge die dann folgen sollten.
Gegen 21 Uhr betrat zunächst Multitalent Erik Norlander mit seiner Tourband gemächlich die Mini-Arena, wobei beim Equipment nichts eingespart wurde. Der Magier der synthetisch-dynamischen Klänge verführte die Zuschauer gleich mit dem stark an FLOYDs Shine On You Crazy Diamond angelehnten Intro Dark Water III Fanfare For The Dragonisle und Neurosaur (vom Album "Into The Sunset", 2000) zu einer musikalischen Reise in seine ureigene sphärische Klangwelt.
Es werden alle Register von Instrumentalvariationen gezogen, worüber die typisch amerikanischen Kompositionskünste mit dem Hang zum schwülstigen Bombast nicht verleugnet werden.
Der Zweck heiligte die Mittel, weshalb sich das Zwerchfell den wohligen Vibrationen und Schauern dieser Synthieergüsse vollkommen hingeben konnte.

Erik Norlander Die Anwesenden ließen sich sofort von solcher ambitionierten Darbietung emotional und begeistert mitreißen. Die Nebelmaschine, die im weiteren Verlauf des Abends großzügig zum Einsatz kam, untermalte das Geschehen. Der Tonmischer verrichtete wieder einen glänzenden Job, so dass trotz kleiner Raumverhältnisse der Sound absolut clean und perfekt aus den Boxen kam. Vielleicht leisteten auch die holzverkleideten Wände Vorschub, damit dieser Auftritt mit einem ungewöhnlich warmen Soundgewand veredelt wurde.
Dieser Ausnahmezustand - bei denen sich so manche Musikveranstaltungen, für die hohe Dezibelzahlen das Maß aller Dinge darstellen, etwas mitnehmen sollten - wurde dann auch beibehalten (einige rotzige Möchtegernmusiker tarnen damit gern ihre dilettantisch-amateurhaften Musizierkünste!).

Erik Norlander Aber die Akteure dieses Abends stehen über diesen Dingen und sind deshalb über jeden Zweifel erhaben. Jeder Einzelne ist ein Weltklassemusiker, der auf eine beträchtliche Historie zurückblicken kann.
Allen voran der 37-jährige Erik Norlander, der sich bis heute einen ehrenhaften Namen als Virtuose an sämtlichen Synthesizern und sonstigen Electronica erworben hat. Als Komponist, Songschreiber und Produzent hat er sich in den letzten Jahren, zusammen mit Wegbegleiterin und Ehefrau Lana, ein eigenes Musik-Marketing-Imperium (eigene Platten & Produktionsfirma "Think Tank Media") erschaffen.
Geboren und aufgewachsen im sonnigen Hollywood, Kalifornien nutzte er seine Lehrjahre zu einem Jazz- und Klassik Musikstudium. Beeinflusst von Musikern wie Rick Wakeman, Keith Emerson, Geoff Downes, um nur ein paar zu nennen, entwickelte er seine Stilkombination aus klassischen Riffs, hochemotionalen Phrasen und Tonmodulationen. Diese Spieltechnik vermischte er brillant mit einer ausgefeilten Soundtechnik und Produktion.
Er verdiente die ersten Sporen als kurzes Mitglied bei JOSHUA Perahia's namenseigener Hardrockcombo, mit denen er das Album "Surrender" (1986) einspielte. Danach gastierte Erik bei Supergitarrist Paul Sabu's Band ONLY CHILD. 1989 verwirklichte er dann die erste eigene Band ROCKET SCIENTISTS, mit denen er seine Vorstellungen von symphonischer Rockmusik mit progressiven Elementen umsetzen konnte.
Diesen Weg beschritt er bis zu der schicksalhaften Begegnung mit der Sängerin und Songschreiberin Lana Lane, die ihm bis heute eine stimmengewaltige Inspirationsquelle und Ehefrau geblieben ist.

Peer Verschuren Gitarrist Peer Verschuren (geb. 8.12.1959) in Breda, Südholland bewegten seine frühen Einflüsse Rory Gallagher oder GOLDEN EARRING zum Saiteninstrument zu greifen. Später waren es dann Flitzefinger wie Johnny Winter oder Frank Marino.
Er wird 1978 zum ersten Mal von der Coverband BADGE angeheuert. Es folgen kürzere Intermezzi bei HIGHWAY und RANCID, bevor er 1987 die erfolgreiche Hardrockkapelle VENGEANCE mitbegründete. Nach diversen Zwischenstationen wurden diese 1994 mit Arjen Lucassen (später AYREON) neu formiert. Nach dem endgültigen Split 2001 begleitete er LANA LANE auf ihrer ersten Europa-Tournee. Er ist dann maßgeblich an einigen Studiooutputs von Lana beteiligt bzw. unterstützt Erik Norlander bei seinem "Music Machine" Album.

Kelly Keeling Der in Lafayette, Louisiana aufgewachsene Heißsporn, Bassist und Sänger Kelly Keeling hatte seine ersten musikalischen Berührungen mit Louisiana-Jazz und den Blumenkindern IT'S A BEAUTIFUL DAY, übte mit 12 seine Gesangskünste im örtlichen Baptistenchor aus bzw. lernte unter Einfluss der BEATLES und Beethoven das Gitarre- und Piano spielen. Mit 14 macht er die ersten professionellen Gehversuche als Keyboarder, Gitarrist, Sänger in der lokalen Band WARLOCK, die von BECK BOGERT APPICE bis YES coverten. Danach gab es 1985 kurze Stationen bei TROY und der Fusions-Gruppe TRILOGY.
Er schloss sich 1986-'91 den Melodic-Hardrockern BATON ROUGE an, mit denen er letztendlich zwei Alben einspielte. Er arbeitete mit Alice Cooper bei dessen "Hey Stoopid" Album zusammen bis Kelly dem Ruf von John Sykes folgte und mit ihm als Leadsänger (1991-'93) die legendären BLUE MURDER begründete.
Es folgten Gastspiele bei der JOHN NORUM BAND (1995-'97), bei Carmine Appice's GUITAR ZEUS PROJECT (1998) mit Tony Franklin und seine kreative Mitwirkung an diversen Filmsoundtracks.
1998 war er Songschreiber und Tonmischer bei dem "The Unforgiven" Album der MICHAEL SCHENKER GROUP, die er dann auch auf der anschließenden Welttournee begleitete.
Danach übernahm er den Job als Sänger, Bassist bei dem Bandprojekt HEAVEN & EARTH an der Seite von Gitarrist Stuart Smith und Schlagzeuger Richie Onori, wovon ein Studioprodukt (2001) zeugt.
Der Workaholic konnte damit nicht genug bekommen weshalb er nebenbei noch einige illustre Sideprojekte, wie Beiträge zu Tribute-Alben, am laufen hatte, aktive Mitarbeit an einem Output der 80er Heavy Rocker KING KOBRA (mit C. Appice) und seine Funktion als Songschreiber, Produzent für ein Don Dokken Album.
Er arbeitet derzeit noch an seiner ersten Soloveröffentlichung, die eigentlich schon im letzten Jahr parat sein sollte. Schuld daran sind die Verpflichtungen bei LANA LANE und George Lynch (aktueller Output "Furious George", September 2004).

Ernst van Ee Der gebürtige Rotterdamer Ernst van Ee sitzt schon seit seinem neunten Lebensjahr hinter der Schiessbude. Angetrieben von seinem Vorbild Cozy Powell, sammelte er die ersten Banderfahrungen bei den Lokalmatadoren HIGHWAY CHILE mit denen zwei Alben (1982/83) entstanden. Nach deren Split 1984 machte Ernst für zwei Longplayer Station bei den Melodie-Heavy-Rockern HELLOISE. Ab 1987 begann eine recht produktive Schaffensphase mit dem ungarischen Gitarrenvirtuosen Tamas Szekeres. Dann ist er Tourbegleiter von VENGEANCE, hat wiederum eine kurzlebige Liaison mit den Death-Metallern THRENODY und landete schließlich bei A. Luccasen's AYREON Projekt, deren Debüt er mit einspielte.
Er bekommt 1996 den Ehrentitel "Best Heavyrock Drummer Off The Benelux" verliehen. Anschließend setzte er eine Reunion von HELLOISE in die Tat um (Album "Fata Morgana") bis er 2001 unter der Mitwirkung des Gitarristen und Freundes Peter Magnee sein erstes Solo-Werk "Powerplay" auf den Markt brachte.

Lana Lane Zunächst zurück zum weiteren Verlauf der Performance. Nach dem wohl sehr ausgiebigen Vorspiel (was nicht immer der benachteiligte Part sein sollte!) bannte sich die "Diva des Symphonic-Melodic-Rock" eine Gasse durch die jubelnde Menge, um mit Through The Rain von ihrem allerersten Solowerk "Love Is An Illusion" gesangstechnisch auf höchstem Level in den Set einzusteigen.
Die in Concord, Kalifornien geborene und aufgewachsene Lana, mit holländischen Stammbaum mütterlicherseits, wurde in frühester Kindheit von der Familie mit Musik infiziert. Die Mutter war, gemeinsam mit ihrer Schwester in einer Gesangsgruppe mit Tendenz zum Big-Band-Sound der 50er, darüber hinaus feierte der Cousin in den 90ern Erfolge mit der Glam-Band VAIN und der Bruder ist ebenfalls Sänger und Pianist.
Mit diesem Background war eigentlich klar wohin der weitere Weg führen sollte.
Lana sang im Schulchor, nahm Gesangsunterricht bzw. hatte an der Highschool Gelegenheit ihre Gesangskünste bei einer Rockband auszuleben. Als wichtige Inspirationsquellen für ihr Schaffen benennt sie Big-Band Leader wie Ella Fitzgerald oder Tony Bennett, des weiteren charismatische Frontfrauen/männer wie Ann Wilson (HEART), Ian Gillan, Tony Martin (BLACK SABBATH).
Mit Zwanzig ging sie nach Los Angeles wo es dann zur schicksalhaften Begegnung mit ihrem Förderer und späteren Ehepartner Erik Norlander kam. Der hatte gerade die in Insiderkreisen hoch angesehenen Progger ROCKET SCIENTISTS mit einem hochkarätigen Musikeraufgebot am laufen, bei denen Lana dann auch voll aus deren Kreativquellen schöpfen konnte. Schon während ihrer Zeit als Sängerin bei dieser Band reiften die Pläne für ein erstes Solowerk, das sie dann endlich im Januar 1995 mit "Love Is An Illusion" mit den SCIENTISTS-Kollegen (Mark McCrite, Don Schiff, Tommy Amato, Neil Citron etc.) als Begleitung in die Tat umsetzen konnte.
Musste sie hier noch auf Fremdkompositionen zurückgreifen, sollte sich dieses spätestens beim zweiten Output "Curious Gods" (Nov. 1996) grundlegend ändern. Hier konnte Lana zum ersten Mal ihre songschreiberischen Fähigkeiten beweisen, d.h. ihre lebensnahen Lyrics mit Elementen aus der Phantasiewelt in einem Soundgewand mit hohen Harmonieanteilen verarbeiten.

Die fruchtbare Kooperation mit ihrem Lebenspartner Norlander und zahlreichen Elitemusikern überdauert nun schon neun Jahre und verfestigte ihren Status im Melodic-Rock-Genre. Aber leider ist die famose Sängerin nie über einen Insiderstatus in Europa herausgekommen, feierte dagegen in Japan riesige Erfolge.
Die Definition ihres Musikstils würde lauten: Für Melodic-Rock ist es zu abwechslungsreich, für progressiven Rock sind die AOR-Einflüsse zu stark, für Prog-Metal ist es viel zu sensibel. Kurzum es ist symphonische Rockmusik mit Leidenschaft.

Lana Lane Von eben dieser konnte man sich an diesem magischen Abend recht eindrucksvoll sein eigenes Bild machen. Der Bogen der Setlist wurde mit Oblivion Days (vom gleichnamigen Album, 1999) und als Überflieger den wundervollen Longtrack Mariner (vom Album "Brutal Architecture", 1995) bis zu ihrer Selbstfindungsperiode bei den ROCKET SCIENTISTS gespannt.
Lana bestach vom ersten Moment an mit ihrem leidenschaftlichen Stimmenvolumen voller Klarheit und Dramatik, ohne dabei - selbst in den hohen Tonlagen - Brüchigkeiten bzw. Schwachstellen aufzuzeigen. Diese Rockdiva hat die Gabe ihre starke spirituelle Aura anderen Menschen großmütig zu offenbaren, wobei ihre musikalischen Mittel die Funktion eines Transmitters übernehmen.

Kelly Keeling Bassist Kelly Keeling lieferte zusammen mit dem Meisterschlagzeuger Ernst van Ee die ganze Zeit über ein solides rhythmisches Fundament. Dass Kelly ebenfalls ein hervorragender Sänger ist, der mit seinem bluesigen Timbre in der Kehle die für diese Musik typische flauschige Stimmung zwischendurch erzeugte, konnte man bei dem besonders tighten One Of The Machines (vom Album "Music Machine", Juni 2003) bewundern.
Herr Norlander durfte währenddessen auch seine Vorlieben für spacige Electronica-Spielereien bzw. mächtige Klangteppiche seiner Moog-Synthesizer ambitioniert ausleben. Er hatte mit den solistischen Darbietungen gleichzeitig die Gelegenheit, kleine Appetizer zu seinen instrumentalen Solowerken, wie vom aktuellen Elektronikalbum "Seas Of Orion" (Sept. 2004) unter das gemeine Volk zu werfen. Dabei ist dann wirklich zu spüren, dass Erik mit Leib und Seele mit den Tasteninstrumenten verwachsen ist und er sich in diesen Gefilden wie der Fisch im nassen Element am wohlsten fühlt.
Nach diesem Intermezzo begab sich Band wieder auf ihre musikalische Reise in die Welten der Mystik und Phantasie, mit Songs aus "Project Shangri-La" oder "Secrets Of Astrology".

Lana Lane Auch wenn das Repertoire manchmal arg in Richtung Mainstream abdriftete, so fesselten doch die virtuosen bombastischen Momente. Melodik in Reinkultur und der Pathos von Kollegen wie STYX oder KANSAS kamen hier kongenial zum tragen.
Die tolle Ballade Queen Of The Ocean verursachte natürlich auch live Gänsehautschauer en groß, was nicht nur einer Lana Lane in Hochform zu verdanken war. Der immerwährende Geheimtipp unter den Leadgitarristen, Peer Verschuren, konnte dabei mit seiner Gibson Flying V während der Soloeinlagen brillieren. Es war schon beachtlich wie dieser des öfteren an die schneidende, messerscharfe Spielweise eines David Gilmour heranreichte.
Alle Beteiligten strotzten nur so vor Spielfreude und Virtuosität. Es machte deshalb einfach Spaß zu sehen, wie gut das Zusammenspiel und die Harmonie zwischen den Bandmitgliedern war.

Eine intensive Bandbetreuung durch Uwe, die Seele des Hauses, mit der Versorgung von Getränken (der Medizintrunk des Hauses!) waren wie gewöhnlich Ehrensache.
Sehr überraschend wurde dann auch die Coverversion von PROCUL HARUMs A Salty Dog zum Besten gegeben [Anm. d. Red.: Hat das was mit diesem Medizintrunk zu tun?]. Es war wohl nicht die beste Wahl, wurde aber dennoch mit Lanas Stimme sehr engagiert vorgetragen, was die anwesende Meute zu spontanem Applaus hinriss.

Lana Lane Nach fast 140 Minuten intensiver Spielzeit, inklusive zweier schweißtreibender Zugaben, entschlossen sich die Protagonisten, auf Wunsch des Publikums, diesem Abend zu einem Grande Finale zu verhelfen. Das gelungenste Cover, In The Court Of The Crimson King von den Artrock-Koryphäen KING CRIMSON, sprengte dann noch einmal alle emotionalen Dämme, so dass man sich von dem geballten Bombast getrost mit Verzückung hinwegtreiben lassen konnte.
Eigentlich entzieht sich dieser Song jeglicher Legitimation zum covern, aber Lana fabrizierte es auf eine sehr charmante Weise.
Dass dieser Klassiker schon lange nicht mehr live gespielt wurde, konnte man daran erkennen, dass sie eine Textvorlage verwenden musste. Es war sicher einer der Momente, die man für lange festhalten möchte!

Auch wenn die Lady zum Schluss der Bitte des Hausherrn, Time To Say Goodbye zum Besten zu geben, nicht nachkommen konnte, so war dieser Konzertabend für die Freunde anspruchsvoller Rockmusik wohl ein weiteres Highlight.
Selbst wenn Norlander und seine Begleiter mit ihrer Musik das Rad nicht neu erfinden werden, so hätten sie es aber verdient nach fast einem Jahrzehnt ihr Schattendasein in Deutschland und Resteuropa zu verlassen. Wenn es auch immer lautet Qualität setzt sich irgendwann durch, so haben es bis dato nur die Japaner erkannt. Währenddessen werden hierzulande die letzten wirtschaftlichen Kraftreserven der Musikindustrie nur in geklonte Plastikacts wie NIGHTWISH investiert! Die Ratschlüsse der Plattenbosse sind halt unergründlich.
In diesem Sinne: Rock'n Roll will never die!

Lana Lane Ich hatte nach der Show noch Gelegenheit zu einem kleinen Gespräch mit Lana und Erik in entspannter Atmosphäre. Die beiden sympathischen Zeitgenossen gaben sich ziemlich offen und ehrlich und hinterließen nach einem schweißtreibenden Gig einen sehr ausgeglichenen Eindruck.
Ich versuchte dem Geheimnis um Lana's Geburtstag auf den Grund zu gehen. Sie quittierte mit einem verschmitzten Lächeln und begründete es auf ihre ganz spezielle Art: Mit der Nichtpreisgabe ihres Alters wolle sie sich "ihre Magie bewahren", wobei hier ihre besondere Hingabe zur Spiritualität zum tragen kommt.
Lana blieb dann letztendlich bei dem offiziellen Pressestatement, sie sei "jünger als Madonna, aber älter als Alanis Morrisette".
Für diese Frau ist es wichtig, dass die Songs die sie schreibt, positive Botschaften ausstrahlen bzw. in eine Phantasiewelt entführen um damit zum träumen anzuregen.
Erik befragte ich nach seinen nächsten Plänen und Projekten. Zunächst werden beide nach dieser Tour sich etwas Erholungsurlaub gönnen um sich danach ins Studio zu begeben, um ein neues Album aufzunehmen. Das Material dafür liegt schon in der Schublade und es könnte sogar ein Konzeptwerk werden. Release soll dann im Frühjahr 2005 sein, pünktlich zum 10-jährigen Bandjubiläum. Zu diesem Anlass wird es ein Konzertevent in Tokio geben.
Natürlich kam ich bei dieser Unterhaltung nicht umhin, den US-Künstler nach seinen persönlichen Einschätzungen der aktuellen politischen Situation in seiner Heimat zu befragen. Ganz spezifisch ging es dabei um die anstehende Präsidentschaftswahl in den Staaten, mit den beiden Anwärtern Bush und Kerry. Erik outete sich hierbei als überzeugter Bush Gegner, dessen bisherige Amtsperiode zu dem Wahlslogan "A safer America, a stronger economy" im Widerspruch stehe. Er erzählte, dass "viele Amerikaner derzeit in Angst leben" und dieser Zustand die Bürger davon abhalten würde "frei ihre Meinung zu äußern". Was mich persönlich dann endgültig davon überzeugte, dass ich es hier mit Künstlern mit einem gesunden Menschenverstand zu tun hatte.

Setlist Lana Lane Auf meinen Wunsch nach der Setlist erwiderte Erik, die existiere nur in seinem Kopf, worauf er sich prompt ans Werk machte, handschriftlich eine für mich zu erstellen. Ms. Lane und Mr. Norlander sind halt Menschen die man einfach mögen muss!
Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn sie mit der 10th Anniversary-Tour auch wieder im Bergkeller vorbeischauen. Versprochen haben Sie es!

Gerade noch rechzeitig vor Beendigung dieses Artikels erreichte mich noch eine aktuelle Meldung. Es ist eine Mail von Erik: "... Lana und ich sind gestern nach mehr als sechs Wochen nach Los Angeles zurückgekommen. Zusammenfassend bin ich glücklich zu berichten, dass unsere Eurotour 2004 wirklich groß war. Unser letztes Konzert in St. Petersburg war besonders memorable. Wir spielten in einem schönen alten Gebäude in St.Peter, über dem Fluss in der Mitte der Stadt und es war alles sehr exquisit. Ich würde sagen, dass die Skala dieses Konzerts denen ähnlich war, die wir in Japan spielten.
Der Rest der Konzerte war außerdem nett. Ich genoss persönlich das Madrid Konzert und das Konzert in Reichenbach als spezielle Höhepunkte.
Hey, ich bin noch ziemlich jetlagged! Tatsächlich wachte ich gestern mitten in der Nacht auf und hatte keine Idee wo ich war. (Ich war in meinem eigenen Bett in meinem eigenen Haus)
So beginne ich jetzt, durch alle Pfosten zu pflügen und wieder mehr zu lesen. Ich möchte Dank sagen für die große Zeit die wir hatten. Es war fantastisch, Euch alle zu sehen!
Beste Wünsche, Erik."

(Vielen Dank an das Bergkeller-Team für den tollen Abend und die Inspiration)

Storybook: Tales From Europe and Japan Einsteigern in das musikalische Universum von Lana Lane & Erik Norlander möchte ich die aktuelle DVD "Storybook: Tales From Europe and Japan" (Think Tank Media/Frontiers, 12.Juli 2004) ans Herz legen. Dieses Medium dokumentiert sechs Jahre Tourneen mit wechselnden Begleitmusikern in unterschiedlichen Ländern bzw. Locations. Das ganze ist garniert mit Interviews der einzelnen Protagonisten, die man aber wahlweise einzeln oder als Mischung mit den insgesamt 20 Songs betrachten kann. Bei der Songauswahl wurde dabei dramaturgisch ein glückliches Händchen bewiesen, sie dokumentiert im ausgezeichneten Soundgewand (DTS 5.1) das Können dieser Ausnahmekünstler.
Das Filmmaterial kommt manchmal etwas trashig daher, was bei Videokameras ja nicht weiter verwunderlich ist. Ich frage mich, warum man Schnipsel aus fünf verschiedenen Anlässen verwendet hat, wo man doch imstande wäre, eine einzige phantastische Show abzuliefern, um diese dann zu konservieren.
Ansonsten wäre noch zu erwähnen, dass Bonusmaterial in Bootlegqualität auch noch darauf zu finden ist, aber das gehört einfach dazu.
Die DVD ist keine Alternative zur zeitgleich erschienenen Live-Doppel-CD "Return To Japan", sondern ein Muss!
Für die Statistiker: Die Laufzeit setzt sich aus 114 Minuten Livemitschnitten, 44 Minuten Interviews und 16 Minuten Bonusmaterial zusammen.

Ingolf Schmock, (Artikelliste), 20.10.2004

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