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Frankfurt, Blues & Beyond, 29.04.2005

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Fotos: Epi Schmidt
Frankfurt, Blues & Beyond, 29.04.2005

Meine Herren, ist das eine scheiß Parksituation in Frankfurt. Jedenfalls, wenn man Freitagabend in der Nähe der Berger Straße einen Parkplatz braucht. Nach einer halben Stunde (gefühlt 2 Stunden!) bin ich schon bald soweit, dass ich wieder heimfahren möchte.
Immer weiter mich vom Ziel entfernend, parke ich schließlich beim Zoo. Macht noch mal 20 Minuten strammen Fußmarsch, denn natürlich liegt der Club am anderen Ende der kilometerlangen Straße.
Geschafft hab ich's schließlich doch noch und ich schleppe mich die Stufen zum Blues & Beyond hinunter. "Bier, bitte!".
Offensichtlich ist der Club beim Frankfurter Publikum gut bekannt, denn obwohl die Sichtverhältnisse auf die Bühne nicht überall gut sind, findet sich eine ansehnliche Menge zu diesem Konzert ein. Und recht haben sie! Jeder gefahrene und gelaufene Kilometer haben sich gelohnt. Spätestens wenn Jimmie Wood die Bühne betritt.

Imperial Crowns Anfangs denkt man (ich) noch: "Was ist denn das für ein Geck?", wenn er im feinen Anzug, fetter Kette um den Hals und schwarzen (gefärbten?) hochfrisierten Haaren die niedrige Bühne betritt. Der Vergleich vom Kollegen Stierlen mit Willy De Ville passt schon sehr gut. Vielleicht könnte man noch, vom Gesicht her, eine Spur Kirk Douglas hinzufügen.
Schon vor dem Auftritt fallen mir die große Anzahl an "Bodentretern" (Effektgeräten) auf. Vor den Füßen des Leadsänger und Mundharmonikaspielers Wood liegen immerhin sechs dieser Treter auf dem Boden. Beim Gitarristen J. J. Holiday reihen sich da gleich zehn Exemplare aneinander. Außerdem steht neben dem Drumkit gleich noch eine zweite Snare bereit. Ist das ein solcher Prügler, dass er regelmäßig eine Snaredrum beim Auftritt hinrichtet? Das klärt sich später...
Jimmie Wood ist jedenfalls der absolute Mittelpunkt der Show. Als zunächst die Gesangsmikros nicht funktionieren, spricht er einfach durch sein Harp-Mikrofon, was er sowieso eigentlich öfter dafür benutzt, wie den Aufnahmen der Band zu entnehmen ist.
Imperial Crowns Heute Abend hat er damit allerdings Pech, denn das Ding funktioniert nur streckenweise und später gar nicht mehr. Davon lässt sich aber weder der Sänger noch der Rest der Band beeindrucken. Bald entwickelt sich eine richtig gut Show deren Hohepriester Mr. Wood ist. Ob Satisfied oder Preachin' The Blues, jede Gelegenheit nutzt der Mann um, ja, "zu predigen". Wie einer jener Fernsehprediger hält er seine Ansagen und Reden. Steigert sich selbst immer mehr hinein und bannt das Publikum mit seiner energiegeladenen, aber keinesfalls aggressiven Art. Und es geht ihm ja auch nur um eine ehrbare Sache: Den Blues.

King Size Jones kommt funkig und sorgt für Bewegung im Publikum. Da gleitet die Band fast unmerklich in Baby, Please Don't Go hinüber.
Imperial Crowns Sozusagen "Co-Star" des Abends ist J.J. Holiday. Der sorgt mit seinem Effektarsenal für abwechslungsreiche und passende Sounds. Spielt dazu trotzdem recht bodenständig und rau und ist zudem ein absoluter "Slide-Wizard". Das ist schon nicht übel, wie er zwischen normalem und Slide-Spiel wechselt und dabei einen prima Sound erzeugt ohne übermäßig laut zu werden.
Das muss man überhaupt der ganzen Band (und somit auch dem Mann am Mischpult) zu Gute halten: Die Lautstärke hat genau gepasst!
Beim flotten Baby's Gone Wild startet Jimmie einen neuen Versuch mit dem Harp-Mikro, wirft es aber bald wieder genervt zu Boden - muss halt das Gesangsmikro herhalten.

Jawohl, einen weiten Weg haben sie zurück gelegt und Ozeane haben sie überquert, nur um heute Abend für uns spielen zu dürfen. Sagt jedenfalls Jimmie Wood.
Bei einer Slide-Ballade wie Love TKO zeigt sich sein Gefühl für Soulmusik. Wenn es aber wieder flotter wird und ein Shuffle wie Mr. Jinx abgeht, geht auch der Sänger ab. Er springt in die Luft, hüpft von einer Seite zur anderen, pumpt seine Harp, donnert sich das Tambourine wild schlagend auf die Brust, greift auch mal zur Gitarre für ein paar Blues-Licks und arbeitet wirklich hart.
Imperial Crowns Und zwischen Songs wie Praise His Name, vom ersten IMPERIAL CROWNS Album, und Two Headed Woman ist immer Zeit für eine weitere Kurzgeschichte aus seinem oder dem Bandleben.
Altar Of Love rockt noch mal richtig geil ab und Jimmie steigert sich in sein Mundharmonikaspiel hinein, dass der Song wie ein Zug dahin rollt. Wow!
Danach ist eine Pause angesagt, die wohl um die 20 Minuten währt.

Einen kurzen Versuch gibt Jimmie dem Harp-Mike noch, dann schmeißt er es endgültig zu Boden.
Lil' Death sorgt wieder für reichlich Feuer im Club und auch das funkige Golden Girl trägt seinen Teil bei. Allerdings hat die Band zunächst zu tun, um an die furiose erste Hälfte anknüpfen zu können.
Nach Blues Au Gogo wird das Publikum beim souligen Don't Miss Your Water zum Mitsingen gebracht und macht das auch gut und ausdauernd, während Herr Wood sich als Soul-Schmeichler gibt.
Imperial Crowns Mit gehörigem Dampf wirft sich Band in den nächsten Song: Simply Just A Dream. Das erinnert durchaus an die Art von Songs und Musik wie sie ein Dan Baird zelebriert. Kommt richtig gut!
Die Jacke hat Herr Wood natürlich schon nach den ersten Songs ausgezogen und das durchnässte Hemd ist schließlich auch soweit. Mit nacktem Oberkörper steht der Sänger auf der Bühne und man muss sagen: Wie alt er auch immer sein mag, gut gehalten!

Stone Righteous und der Ramblin' Woman Blues sind die letzten Titel. Natürlich gibt es noch eine Zugabe, doch nach einer Weile unterbricht der Sänger Big Boy, weil es ihm nicht rockig genug ist und steuert die Band in eine knallige Version von California Sun (genau der Titel, den schon die RAMONES so toll rockten).
Dann ist aber endgültig Schluss und meinen Augen ist kaum zu trauen als sie eine Uhr erblicken: Nach 2 Uhr 30 ist es! Die müssen ja an die drei Stunden gespielt haben!!
Aber wie lange auch immer, es war eine beeindruckende und mitreißende Show, die die IMPERIAL CROWNS geboten haben und wenn jemand auf DR. FEELGOOD, NINE BELOW ZERO und ähnliche Bands steht, muss er sich diese Band unbedingt ansehen.
Ach, ehe ich's vergesse: Der Drummer spielt die zweite Snare tatsächlich. Machmal sogar zusammen mit der ersten. Da schaut's, gell?

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 30.04.2005

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