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| Ludwigsburg, Rockfabrik, 14.06.2000 |
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Im Gegesatz zur GREAT WHITE-Show vor einigen Wochen war die Rockfabrik dieses Mal sehr gut besucht, fast schon wieder ein wenig zu gut, sprich gut ein Drittel der Besucher hatten keine Gelegenheit einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Immerhin gab es als Alternative das Euro-Duell Pommes gegen Spaghetti (0:2) auf einer Großbildleinwand.
UNREST boten einen guten 35-minütigen Set. Ich kannte die Band bisher nur vom Hörenssagen und war angenehm überrascht. Gut, besonders innovativ ist ihr Teutonenmetal der Marke ACCEPT mit melodischen MAIDEN-Gitarrenläufen nicht, aber allemal unterhaltsam. Zudem wirkte die Band sehr sympathisch und vermittelte das Gefühl, dass sie mit der Art von Musik genau das machen, wonach ihnen der Sinn steht.
SINNER sind so eine Band, die man immer wieder mal als Support reingedrückt bekommt. Auch mein drittes SINNER-Konzert war also eher unfreiwilliger Art. Allerdings muss ich gestehen, richtig schlecht waren sie noch nie und haben sich mittlerweile auch ganz schön gemausert. Bei mir hängt ihnen noch dieses 'seichter melodischer Hardrock'-Image nach, das sie in den 80ern mit Alben wie "A touch of sin" ausgiebig pflegten, doch mittlerweile geht es etwas heftiger zur Sache. Das aktuelle Album "The end of sanctuary" weist deutliche Parallelen
zu Mat Sinners mittlerweile weitaus erfolgreicheren 'Nebenband' PRIMAL FEAR auf.
A propos PRIMAL FEAR: Da der etatmässige SINNER-Aushilfsdrummer Ulli Kusch (HELLOWEEN) die Tour nicht mitmachen konnte, wurde er von Klaus Sperling (Schlagzeuggott!!!) vertreten.
SINNER boten 55 Minuten lang einen starken Set. Die Songauswahl war sehr gelungen und präsentierte Material aus allen Phasen der nunmehr 20-jährigen Bandhistory. Die Höhepunkte waren vom aktuellen Album Signed, sealed and delivered, The end of sanctuary und natürlich Klassiker wie Born to rock you, Judgement day, Knife in the heart, Comin' out fighting und Rebel yell.
Zur Zugabe kam noch PRIMAL FEAR-Sänger Ralf Scheepers für einen Song mit auf die Bühne. Alles in allem ein sehr ansprechender Auftritt.
... und dann DIO, der Meister 'himself'. Das Intro war identisch mit dem der 87er "Dream evil"-Tour, bei der ich die Band zuletzt live erlebt hatte und eine staubtrockene Version von Sunset superman bildete den Auftakt.
DIO selbst wirkte auf der Bühne recht zerbrechlich und agierte etwas unsicher, doch stimmlich war er voll auf der Höhe, was laut gut informierten Kreisen aus gesundheitlichen Gründen nicht immer auf dieser Tour der Fall gewesen war.
Tja, Craig Goldy ist nun mal nicht Vivian Campbell, aber mit ihm ist doch wieder eine Menge des ursprünglichen DIO-Spirits zurück gekehrt. Stammbassist Jimmy Bain war nicht mit dabei, weil sein Engagement, wie die gleichen gut informierten Kreise vermeldeten, das Tourbudget gesprengt hätte. Sein Ersatz war wohl 'billiger', sehr viel jünger aber trotzdem gut. Keyboarder Claude Schnell wirkte reichlich tuntig, war aber eh die meiste Zeit backstage und Drummer Simon Wright tat genau das was er am besten kann: Einen grundsoliden Job ohne große Kinkerlitzchen abliefern ... meistens jedenfalls. Das ist noch die gute alte AC/DC-Schule.
Mit Invisible als zweitem Song folgte die zweite dicke Überraschung. Der Set versprach sehr spannend zu werden und wie um diese Vermutung zu bestätigen verließ die Band auch schon die Bühne um Simon ein ausuferndes Drumsolo zu ermöglichen. Na ja, es gibt wohl immer noch Leute die diese Siebziger-Jahre-Unsitte für nötig halten. Für mich ist immer noch Carl Palmer von ASIA mit seinem Solo Ende der 80er das Maß aller Dinge und dagegen war halt auch oder gerade Simon Wrights Darbietung langweilig und überflüssig. Der frühe Zeitpunkt des Solos im Programm war noch das Außergewöhnlichste.
Mit Stand up and shout nahm die Band das Konzert nun standesgemäß zum zweiten Mal auf, gefolgt von der nächsten unerwarteten Nummer One night in the city.
DIO schwitzte wie ein Schwein und mit jedem Schweißbach der an ihm herabrann verstärke sich seine Ausstrahlung und Selbstsicherheit. Er und die Band suchten nun intensiv Kontakt zum Publikum und steigerten sich in einen wahren Spielrausch der in All the fools sailed away gipfelte.
Bei dem Song kamen erstmals nostalgische Erinnerungen zurück. Immerhin waren DIO eine meiner Lieblingsbands in den 80ern und seine mystischen vieldeutigen Fantasytexte haben mich damals (wie heute) sehr angesprochen. "They say you're beautiful, but they'll never let you in, doors will never open for a child without a trace of sin... Sail away...."
Danach war es Zeit das aktuelle Album zu featuren. Discovery, Lord of the last day, Fever dreams, Challis, As long as it is not about love, Losing my insanity und Otherworld wurden ohne Pause an einem Stück gespielt, was den Konzeptcharakter von "Magica" unterstrich. Craig Goldy durfte ein langes überflüssiges Gitarrensolo (Achtziger-Jahre-Unsitte) untermischen, was aber der allgemein hervorragenden Stimmung im Publikum keinen Abbruch tat. Holy diver und Rainbow in the dark beendeten den regulären Set.
Als Zugaben folgten Mob rules, The last in line, Man on the silver mountain, Long live Rock'n'Roll, Don't talk to strangers und als finaler Rauswerfer We rock.
Ein Wahnsinnskonzert, knapp zweieinhalb Stunden lang und voller Überraschungen - was will man mehr? Dass einige meiner Lieblingssongs fehlten, fiel dabei gar nicht weiter ins Gewicht. Die spielen DIO sicher auf der nächsten Tour wieder. Gut, an die Drachen-nieder-metzel-Show von 86 ("Sacred heart"-Tour) kam der Gig nicht ran, aber das wäre auch viel zu viel verlangt gewesen.
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