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Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...
Diese alte Volksweise habe ich immer im Kopf, wenn ich Richtung Bischofsmühle zu einem Konzert aufbreche.
Dass die Mühle heute allerdings besonders klappern würde, das ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. DARREL ARNOLD AND THE DEAD BUFFALOES standen auf dem Tourneeplan.
Ca. 90 Minuten vor Konzertbeginn betrete ich die edlen Hallen. Vorweg soll noch ein Gespräch mit der Band stattfinden.
Ich platze mitten in einen Not-Soundcheck. Darrell begrüßt mich sofort und schildert die Probleme. Kurz vorher hatte sich eine Endstufe und seine geliebte Leslie Gitarre verabschiedet. Mit dem Klang der Ersatzgitarre ist er überhaupt nicht zufrieden.
Gitarrist Mayo, Saitenzauberer und Mixer in Personalunion, springt zwischen Bühne und Saal hin und her um den besten Sound auszutüfteln.
Keine Bange, es soll im gelingen.
Mit der üblichen leichten Mühlen-Verspätung beginnt die Show.
Basser Tom Jauer betritt als erster die Bühne und zeigt sogleich jedem, dass Sandie Shaw sein musikalisches Vorbild ist.
Nein, Scherz beiseite. Er tritt barfüßig auf. Man, hat der Junge keine Angst auf ein schlecht isoliertes Kabel zu treten. Dann müsste er den Rest das Abends
mit grauer Standmähne weiterspielen.
Doch jetzt genug der Blödelei.
Consolation vom ersten Studioalbum brettert zum Anheizen aus den Membranen.
Ich hatte eigentlich mit mäßig kultivierten Americana/Roots Rock gerechnet.
Doch Consolation rockt gewaltig los. Starke Gitarrenbretter und ein satter Rhythmusteppich von Bill an den Drums und Tom am Bass bringen die Mühle
zum Klappern.
DARRELLS Stime klingt stark. Man nehme die Sänger von HOOTIE AND THE BLOWFISH und SISTER HAZEL. Das Ergebnis ist Darrells Organ.
Auch in den nächsten Songs wird kräftig weitergerockt. Z.B. Case 1327 präsentieren die vier eine Spur rotziger als auf der neuen CD "Everyday Stories".
Ein toller Song, der den CRASH TEST DUMMIES leider nicht eingefallen ist.
Roots/Americana vom Feinsten.
Das folgende St. Louis erinnert ein wenig an GATHERING FIELD. Die mittelschnelle Ballade ist ein Ohrwurm ersten Ranges. Ein sicherer Fall für die Billboard Charts, gäbe es eine Rockgerechtigkeit in dieser Welt.
Doch die Band kann tempomäßig noch eine Schippe drauflegen.
Break Right Thru und Eat U Up folgen hintereinander und haben das Tempo einer Herde durchgehender Gäule.
Die Gitarren klingen ungemein fetzig und Bill Buffalo trommelt im Concorde-Rhythmus. In mir werden Gedanken an die legendären CRUZADOS wach.
Zum Luftholen bleibt keine Zeit. Nach einem vorzüglichen JASON AND THE SORCHERS Cover rocken Desire und Cold Wind Blows lässig weiter. Danach gibt es einen zehnminütigen Merchandising Break.
Die ersten 45 Minuten zeigen eine Band, die vor unbändiger Spielfreude strotzt. Und der abwechslungsreiche Mix aus Rootsrock/Americana/Country und Folk
kommt auch beim Publikum bestens an.
Der zweite Teil des Konzertes hält locker das Niveau der ersten Dreiviertelstunde.
Höhepunkte sind Songs der neuen CD wie Give What You Can, Jack And Jill, Fools Game.
Und wieder bekomme ich einen Haufen weiterer vorzüglicher OHRWÜRMER wie Sink Into Serenity, 50 Dollars Of Love oder Dark Streets Of America zu hören.
Die BUFFALOES spielen wie aus einem Guß. Und sie scherzen, während sie spielen.
So einen lockeren Haufen Musiker sieht man nicht alle Tage.
Das merken auch die Zuschauer, die jetzt endlich aus dem Häuschen sind.
Und wenn dann BR549s Country Rock-Heavy Metal-Punker 18 Wheels And A Crowbar über die Mühlenbewohner losgelassen wird, kennt die Freude keine Grenzen. Eine genial geile Interpretation. Da kann selbst das Original nicht mithalten.
Als Rausschmeißer gibt es am Ende noch eine weitere Americana Songperle vom ersten Album der Band. Western Skies macht natürlich Appetit auf mehr. Die Zugabe ist vorprogrammiert.
Das Mühlempublikum verlangte seinen Tribut von den BUFFALOES. Die Zugabe dauerte fast solange wie der 2. Set des Abends.
Das folkloristische Mexican und John HIATTs Perfectly Good Guitar sind einige der Zugabe-Highlights.
Doch das war dem ausgezeichneten Gitarristen Mayo noch immer nicht genug.
Seine arme Fender muß noch für ein witziges Gitarren-Schizo Solo herhalten. Ich staune, wie belastbar so ein Instrument ist.
(Und die Redaktion staunt über Kreationen wie "Gitarren-Schizo Solo")
Danach war ein Gitarrenwechsel für die nächste Zugabe logischerweise unvermeidbar.
DARRELL ARNOLD AND THE DEAD BUFFALOES haben fast 150 Minuten
ihre Spielfreude zelebriert. Und hatten am Ende das Publikum voll auf ihrer Seite.
Ein starkes Konzert voller Dynamik und jeder Menge Ohrwürmer.
MELLENCAMP, SPRINGSTEEN, PETTY und Co.! Raus aus der Lethargie und hört euch diese Band an. Die spielen Euch locker den Rang ab. Leider nur musikalisch und
nicht finanziell. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 31.08.2002
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