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Dan Baird & Friends

The Heart Of The Georgia Satellites

Habach, Village, 17.07.2002

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Adelina Schmidtlein & Wolfgang Gürster

Habach, Village, 17.07.2002

Es war ein nasser Tag. Sintflut auf der Autobahn, Wasser im tiefen Tal von Habach, in dem das Village zwischen Bach und Wald still liegt, Wasser in meinen Schuhen, weil ich prompt in eine tiefe Pfütze stolpere.
Hat schon mal jemand eine schwarze Fender gesehen, von der das Wasser tropft? Ich schon. Das lag allerdings nicht am Regen, sondern an Ken McMahans Spiel. Von der Gitarre lief ungelogen das Wasser in dicken Tropfen herunter. Ergo: Wir waren nicht bei einem Steh-Blues-Konzert.

Das Village war proppenvoll, es wurde heiß und heißer drinnen und von 10 bis viertel nach 12 war Showtime. SHOWTIME! Wo Dan Baird & Friends draufsteht ist Rock & Roll-Spaß pur drin. Das war vor 2 Monaten mit den YAYHOOS so und mit der legitimen Georgia Satellites Nachfolgeband ist es genau so.

Die Band hat keine Setlist und spielt beinahe jeden Tag andere Songs. Speziell bei den Coverversionen ist man richtig flexibel - gestern Smoke On The Water, im Village zur Abwechslung Get It On von T. Rex - was unseren Fotografen Wolfgang besonders freute - oder es gibt die Mississippi Queen. Ansonsten rockt und "boogied" man sich durch ein an Wahnsinn grenzendes Best Of-Programm der Baird- und Satellites Scheiben, wobei "Buffalo Nickel" etwas unterrepräsentiert war.
Ganz egal welche Songs man herauspickt, es geht immer ab wie Schmidts Dackel. I Love You Period, Look At What You Started, I Dunno, Woke Up Jake, Myth Of Love und und und.

Mein Liebling Dixie Beauxderaunt kam überraschend früh, und bei Keep Your Hands To Yourself meine ich, eine gewisse Gelangweiltheit der Jungs bemerkt zu haben. Das ist halt der Song, den sie immer bringen müssen und Dan ist ein Freund der Abwechslung.

Zwei mal kündigte Dan die "Cocktail Time" an und es wurden "Schleicher" wie Daydream Believer gespielt. Witzig.
Zwischen den Songs nimmt man sich ausgiebig Zeit zum rumalbern. Vor allem Basser Keith Christopher ist immer wieder Zielscheibe: "We call him Alvin or Doodles, you can call him Mr. Keith Christopher". Mit Alvin ist jener von den Chipmunks gemeint. Wer sich erinnert, das sind die absurden Figuren mit Stimmen wie Micky Mouse auf Helium. Keith kann das recht gut imitieren.

Die Band: Mauro Magellan am - hauseigenen - Drumset ist der Hammer. Straighter geht es nicht. Der verpasst den Songs einen derartigen Punch, dass man sich fragt, wer ihn auf den alten Platten damals eingebremst hat. Produzentenverbrechen?
Keith Christopher ist das Bassfundament. Gradeaus, unauffällig und wenn er nicht da wäre, könnte man die Songs vergessen. So viel Rock & Roll in 4 Saiten.
Über Dan Baird kann man nur eines sagen: Der perfekte Entertainer und Rock & Roll Schweinepriester. Er ist nicht Paco De Lucía an der Gitarre und er ist nicht Pavarotti beim Gesang. Aber er gibt Gas gibt Gas gibt Gas und bringt das Feeling einfach rüber.
Ken McMahan. Ein Bär von Kerl. Und er reißt einen Auftritt ab, der so ziemlich jeden Gitarristen reichlich einschüchtern dürfte. Er hat im kleinen Finger mehr Southern-Feeling, als mancher Axtschwinger sich auch nur erträumen kann. Vorzugsweise quält er die Gibson, ab und an die schwarze Strat (und von der tropft wie gesagt der Schweiß in Bächen) und er hat eine ganz besondere Eigenart: Er guckt manchmal gaaaanz böse. Eigentlich einmal pro Song. Und dann sollte man in Deckung gehen. Weil gleich nach dem bösen Blick eine gemeingefährliche Boogieattacke kommt. Diese kleinen dreckigen versteckten hinterhältigen Licks, Soli und Riffs, die nur die echten Shuffle-Kings so hinkriegen. Pures Gift. Löst Gesichtslähmung aus und man steht nur noch grinsend herum.

Wenn Dan und Ken diesen bandscheibengefährdenden (gell Epi - der kann nämlich nicht zum Konzert, weil er zu lang im Ausfallschritt gerockt hat) Boogierhythmus zu beinahe jedem Song anstimmen, dann geht mit mir der Gaul einfach durch. Wie, in drei Teufels Namen, kann man nur 140 Minuten lang den immer gleichen Chuck-Berry-2-Akkorde-Gedächtnis-Abgehrock'n'Boogie in so vielen verschiedenen Varianten bringen? Ich schwitze wie ein Schwein und frage mich, ob es außer uns Leutchen im Village noch andere solche Spinner gibt. Gibt es, die Tour läuft gut. Aber so direkt in die Fresse wie hier, kriegt man Dan & Friends wohl nie mehr zu sehen.
Kurz vor Beginn hörte ich zufällig ein Gespräch von zwei Jungs: "Der zweite Gitarrist schaut aus wie ein Sechziger-Fan". Falsch! Erstens grölen Fußballfans nur tumb durch die Gegend und zweitens ist Ken ein Meister an der Gitarre. Die Löwen hingegen...

Die Band schert sich einen Feuchten um falsche Töne, macht doch nix, spätestens im nächsten Takt ist man schon wieder im Gleichschritt. Wenn man sich gegenseitig über die winzige Bühne schubst, kann es schon mal passieren, dass ein Finger ausrutscht. Na und? Und wenn Ken aus Versehen sein Kabel aus der Gitarre fetzt, tanzt er halt zur Überbrückung einen Twist.
Aber! Immer wenn es drauf ankommt, dann sind die Jungs so was von tight und exakt, dass sich einem die Haare sträuben. Manchmal richtig beängstigend, mit welcher Präzision die grade notwendigen Southern-, Boogie-, was auch immer-Riffs und Soli kommen.

Apropos Haare sträuben. Die stellen sich mir bei der richtigen Musik gerne auf. Geht aber nur schwer, wenn man patschenass ist. Die Version von Battleship Chains hat es trotzdem geschafft. Ein physikalisches Wunder.
Damit dürfte über die Magie dieses Gigs alles gesagt sein.

Noch ein Wörtchen zu Ken McMahan. Im Oktober erscheint seine nächste CD. Wieder beim französischen Dixiefrog Label. Watch out!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.07.2002

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