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| Gevelsberg, Erlöserkirche, 27.03.2010 |
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Seit zehn Jahren wird in der kleinen westfälischen Stadt Gevelsberg das internationale Gitarrenfestival veranstaltet. Bisher hatte mich das nicht weiter interessiert, weil da irgendwie mir unbekannte Gitarristen auf ihren Konzertgitarren Musik spielen, die in meinen Ohren nicht rockt. Aber in diesem Jahr sollte alles anders sein.
Und das kommt so: das Ruhrgiet ist in 2010 bekanntermaßen Kulturhauptstadt. Und weil das Ruhrgebiet als solches nun mal keine Stadt ist, sondern eine Region, die aus mehrere Städten besteht, haben sich die Verantwortlichen gedacht, dass es dufte wäre, wenn man „Local Heroes“-Wochen einführt. Eine Woche lang, ist eine andere Stadt des Ruhrgebiets der Mittelpunkt des Geschehens. So weit so gut und jede Stadt setzt das mehr oder weniger attraktiv um. Die Gevelsberger ließen sich zum zehnten Gitarrenfestival und zum Start der Local Hero-Woche ein besonderes Programm einfallen.
Eigentlich war ich wegen des “Headliners“ gekommen. Naja, zumindest wegen seines Sidekicks an der Gitarre. Aber zu Beginn des Abends durfte man erst noch drei Ansprachen lauschen gehalten vom Bürgermeister der Stadt Gevelsberg, dem „Ruhr.2010“-Pressesprecher und vom künstlerischen Leiters des Gitarrenfestivals, dann wurden endlich die Gitarren ausgepackt. Aber bevor ich den „Stargast“ des 10. Gitarrenfestival zu Gesicht und Gehör bekommen durfte, startete das JOSCHO STEPHAN QUARTETT mit Gipsy Swing in den Abend. Nicht, dass mir das bis zu dem Augenblick irgendwas gesagt hätte, aber ich muss sagen, was der gute Mann an den 6 Saiten hinzaubert, da können sich die ganzen Satrianis, Petruccis, Moores und wie sie alle heißen wahrscheinlich noch eine Scheibe von abschneiden. Hatte ich bisher immer gedacht, dass John Petrucci von DREAM THEATER schnell auf den Saiten unterwegs wäre, wurde ich an diesem Abend eines Besseren belehrt. Aber nicht nur das Tempo war atemberaubend, die ganze künstlerische Darbietung zog mich und die Gäste in der rappelvollen Erlöserkirche in ihren Bann. Die vier Musiker zelebrierten regelrecht die Nachlassverwaltung des 1953 verstorbenen Django Reinhardt, dem Gründer des Gypsy Swing. Das war Musik auf Spitzenniveau und gar nicht so weit weg vom „Home Of Rock“. Entsprechend begeistert fielen die Reaktionen aus und das Quartett durfte mit reichlich Applaus den Abend als vollen Erfolg verbuchen.
Ein Blick in die prallgefüllten Bänke der Erlöserkirche zeigte mir, dass wahrscheinlich ein Großteil der Besucher gar nicht wusste, wer danach kommen sollte. Entsprechend zögerlich und verhalten fiel dann auch der Applaus aus, als Richard Bargel und Klaus „Major“ Heuser die Bühne betraten und mit einem „Tach“ den zweiten Teil des Abends eröffneten. Richard Bargel war mir bis zu diesem Abend völlig unbekannt (ich bin halt kein Blueser) und den “Major“ hatte ich 1999 an der Loreley bei seinem letzten BAP-Konzert zuletzt gesehen. Entsprechend gespannt war ich auf das “Wiedersehen“. Und es war wie einen alten Bekannten nach Jahren wiederzutreffen. Der Hut, die Haare nach wie vor lang und immer noch dieses spitzbübische Grinsen im Gesicht. Und dann legten die beiden mit Bassmann und Schlagzeuger los, als würde man sich in einer dreckigen Spelunke befinden. Der Blues in allen seinen Varianten wurde zelebriert und von Richard Bargels verrauchtem Organ entsprechend veredelt. Elektrisierend der Moment, als er die Bühne verließ und bei Bad Bad Whiskey singend ohne Mikrofon durch den Mittelgang der Kirche schritt um das Publikum zum Klatschen und Bluesen zu animieren. Spätestens ab dem Moment begann das Eis zwischen den Akteuren und Zuschauern zu schmelzen. Aber sie taten sich den ganzen Abend lang schwer. Der Funke wollte einfach nicht zum lodernden Feuer werden, auch wenn mit In The Pines und dem Empire State Express gepunktet werden konnte. Vielleicht waren die Standards und Eigenkompositionen zu unbekannt die gespielt wurden. Wie auch immer, wenn das Organ von Richard Bargel verstummte und nur noch die Gitarren für sich sprachen, brillierte Klaus Heuser mit seinen Soli, machte er die Songs zu einem großen Ganzen. Nach mehr als zwei Stunden war der letzte Ton verklungen und ein dauergrinsender Redakteur des Home Of Rock hat trotzdem den Unterschied zwischen Mississippi-Delta-, Chicago- und Richard Bargel-Blues nicht verstanden. Ist aber auch nicht schlimm, es ist empfehlenswert, was die Band in ihrem Programm gespielt hat. Jeder, der sich auch nur ansatzweise für Blues interessiert, muss diese beiden Herren erlebt haben. Das war nicht nur gespielte Musik, das war gelebter Blues.
By the way: der künstlerische Leiter Prof. Hubert Käppel ist nebenbei noch der ehemalige Gitarrenlehrer von Klaus “Major“ Heuser, was insofern erstaunlich ist, denkt man doch als Laie, dass der Mann, der in den großen Hallen der Republik das Publikum zum Toben gebracht hat, das Gitarrenspiel im Schlaf beherrschen müsste. Tja, so denkt der Laie und der Fachmann wird darauf verweisen, dass in der Spieltechnik zwischen der Rock- und der klassischen Konzertgitarre ein großer Unterschied besteht. Wie der aussieht, das kann man in diesem Jahr auf der Tour mit Klaus Heuser und Hubert Käppel näher begutachten. Ein nächster Termin im Konzertkalender für dieses Jahr.
Musiker Joscho Stephan Quartett
Sebastian Reimann: Geige
Max Schaaf: Kontrabss
Günther Stephan: Gitarre
Joscho Stephan: Gitarre
Musiker Bargel & Heuser
Richard Bargel: Steel Guitar, Gitarre, Gesang
Sascha Dellbrouck: Bass
Klaus “Major” Heuser: Gitarren
Markus Riek: Schlagzeug
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