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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Good clean fun...
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| München, Bongo-Bar, 27.11.2002 |
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Auf dem Weg in den Kunstpark Ost haben wir noch philosophiert, ob nun 20 oder doch 23 Leute kommen würden.
Doch oh Wunder. Irgendwas zwischen 80 und 100 zahlende Menschen gehen an einem Mittwochabend in die Bongo-Bar und wollen Bluesrock von Aynsley Lister hören. Darunter viele Frauen zwischen 18 und 50 (und ein Sitz-Gast, der die vor ihm stehenden vergnügungswilligen Besucher verscheuchen will - haha, Rock & Roll im Jahr 2002 in München...).
Das spricht Bände. Neben Eric Sardinas ist Aynsley offensichtlich die Bluesrock-Boygroup derzeit. Da stören scheinbar auch horrende 23 Euro Eintritt nicht.
Aynsley Lister ist 23 Jahre alt. Er sieht gut aus - richtig schwiegermutterkompatibel - spielt eine ganz hervorragende Gitarre, und hat soeben eine großartige neue CD veröffentlicht. Und die präsentiert er in den kommenden 90 Minuten ausgiebig.
Unspektakulärer als Aynsley und seine Band kann man ein Konzert nicht bestreiten. Ein Trio in Straßenklamotten, keinerlei Firlefanz (der Spaziergang durchs Publikum läuft eher unter Bewegungstherapie und den Gag mit der Bierflasche als Bootleneck bringt Sardinas irgendwie "schäumender"), einfach drei brave Buben die rocken. Das aber wie die Feuerwehr.
Verdammt mutig, einen Gig mit einem Knaller wie Balls Of Steel zu eröffnen. DER Lister-Boogie mit Southern-Lick schlechthin. Der "erfahrene" Konzertgänger hat Angst, dass der Protagonist sein Pulver gleich in den ersten 3 Minuten verschießt. Tut er aber nicht, denn die Songs des aktuellen Albums "All Or Nothing" geben guten Stoff für 45 Minuten. Songs wie Rainy Day (Boogiemonster #2), Say Goodbye (mit Bryan Adams-Weichspülerdosis wäre das ein garantierter Tophit, so ist es ein phantastischer Rocker) oder Nothin' At All oder Hero oder oder oder garantieren Kurzweil.
Im Bericht vom letztjährigen Appenzeller Open Air Festival hat Martin gemeint "Wenn er rockt, wenn er wirklich rockt, dann hat er ganz große Klasse! Aber wehe er fängt an zu bluesen! Dann wird er einfach furchtbar langweilig."
Ja Martin, so ist das. Aber in der ersten Dreiviertelstunde des Konzerts bluest er nicht. Im Gegenteil. Mit seinen neuen Songs bewegt er sich immer mehr vom Blues weg. Und gottlob in die positive Richtung. Harter Rock, natürlich traditionell und bluesbasiert, aber trotzdem zeitgemäß, um nicht zu sagen "modern".
5, 6 Nummern lang malträtiert er die schwarze Gibson, wechselt dann zur Fender, greift den Glasfinger, und rockt weiter munter drauflos. Macht Spaß!
Daniel Daus schrieb in seinem Konzertbericht vom Dezember letzten Jahres: "Gefallen haben mir persönlich die fröhliche Art und positive Energie, die er zu all seinem Können versprühte und dadurch für eine angenehme Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Minute des Konzertes sorgte."
Exakt dies tut Aynsley auch im November 2002. Ein richtiger Charmingboy. Frisch, fröhlich, unverbraucht (angesichts seiner vielen Konzerte wünschen wir ihm den Erhalt seiner Energie) rockt er sich durch sein, noch relativ kleines, Repertoire. Allerdings wird es mit zunehmender Dauer des Konzerts auch etwas langatmiger. Immer wieder schleichen sich Hendrix-/Stevie Ray Vaughan-Fender-Orgien ein. Für meinen Geschmack nimmt Aynsley dabei etwas zu oft den Dampf aus den Songs. Er beweist zwar seine instrumentale Klasse, aber der Stimmung ist das nicht immer zuträglich. Das ist der Punkt, der ihn noch von "alten" Guitarheros wie beispielsweise Rob Tognoni, Steve Schuffert oder Michael Katon unterscheidet. Wenn die ein Solo ablassen (was bekanntlich nicht selten vorkommt), dann rauscht der Boogietrain trotzdem weiter.
Ein weiteres Manko ist der grottenschlechte Drumsound. Zwar erzählt uns der Soundmann, dass es technische Probleme gab, aber allein daran lag es nicht. Das Drumset klang einfach wie alte Persiltrommeln. Ist halt schlecht bei einem Trio, wenn beim Gitarrensolo kein Druck mehr von hinten kommt. Ein zweiter Gitarrist, ein Piano, eventuell eine Harp oder ein Sax würde da für Abhilfe sorgen.
Nach 80 Minuten ist Schluss und als Zugabe gibt es eine ellenlange Version von Crosstown Traffic. Nochmal Virtuosität pur. Ohne Fehl und Tadel.
Aynsley Listers Musik ist ganz sicher die Zukunft des Bluesrock. Wenn er sich nicht verbiegen lässt - was ich für eher unwahrscheinlich halte - wird er bald den Thron einiger abgetakelter Altrocker ansägen. Und das ist gut so.
Vergleicht man ihn mit so manchem Künstler in früheren Tagen, ist Aynsley sicherlich mindestens 2 Entwicklungsschritte weiter. Als Beispiel könnte man TASTE anführen. Ich möchte nicht die gelangweilten Gesichter sehen, wenn ein junger Rory Gallagher heute das Programm von 1968 abspulen würde. Und ich will auch keinen Aynsley Lister sehen, der stur in den veralteten Bluesschemata verharren würde.
Die Tür in den Olymp ist nur angelehnt. Hoffentlich klopft Aynsley nicht nur an, sondern tritt sie mit einem ordentlichen Kick richtig ein.
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