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Alanis Morissette

Supp.: Virginia Jetzt

Bonn, Museumsmeile Open-Air, 01.07.2004

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Bonn, Museumsmeile Open-Air, 01.07.2004

Also, auf die Enttäuschung wollte ich erstmal ein paar Tage vergehen lassen: Vielleicht sieht's aus der Entfernung doch nicht soooooo schlecht aus. Was war passiert? Im Juli 2003 sah ich endlich zum 1. Mal Alanis Morissette im Kölner Tanzbrunnen (leider hatte ich für das Promokonzert im Kölner 'Gloria' im Februar 2002 keine Karte bekommen, die gab's nur für besonders Auserwählte von der Plattenfirma und vom Fan-Club). Hin und weg war ich, ein tolles Konzert, super, ohne Abstriche.
Ich war einigermaßen überrascht, dass sie nun schon wieder auf Tournee geht. Die 4 neuen unveröffentlichten in 2003 gespielten Songs deuteten jedoch schon darauf hin, dass sie wieder etliche neue Songs geschrieben hat und den Fans präsentieren will. Eine neue CD "So-called chaos" (mit Vorab-Single-Auskopplung Everything im April) wurde Mitte Mai veröffentlicht.

Die Museumsmeile in Bonn ist der Vorplatz zwischen der Bundeskunsthalle und dem Kunstmuseum, ist mit einem Riesenschirm vor Wind und Regen geschützt und somit eine ideale Open-Air-Bühne (mal abgesehen von der elendigen Parkplatzsituation). Wenn dann noch die Sonne scheint, hat man zwar nicht viel von der Lightshow, dafür aber eine prima Atmosphäre. So auch am 1.7., die äußeren Bedingungen waren ideal. Es waren einige tausend Fans da, ausverkauft jedoch nicht.
Was auf der Setlist stehen würde, war bis ein paar Tage vor Bonn unbekannt, da die Tournee gerade begonnen hatte (USA folgt nach Europa). Setlist von Alvoeiro und Nizza, also ein paar Tage vorher, war dann zum Glück bekannt.
Zu ihren kurzen Haaren sag ich nix (sieht scheisse aus; Red.), schaut euch den Videoclip zu Everything an. Eins vorab: Es war das schlechteste, lausigste Konzert, was ich seit Jahren gesehen und gehört habe. Mit insgesamt knapp 85 Minuten viel zu kurz (für 45 Eu, das sind immerhin 90 D-Mark, kann man mehr verlangen: manche Künstler - Springsteen, YES - fangen da gerade mal an, sich warm zu spielen). Grottenschlechter Sound, launige Alanis (betrat erst um 20 vor 9 die Bühne, obwohl sie wußte, dass um 22 Uhr wg. Lärmschutz Schluß mit Lustig sein muß).
Die Vorgruppe: 4 fies aussehende, deutsche Jungs (Virginia Jetzt) spielten 30 Minuten und dann begannen die Roadies, in Ruhe alles weg- und aufzubauen, alle 357 Gitarren in Ruhe zu stimmen, Handtücher und Wasserflaschen zu lagern. Erst um 20.20 Uhr wurde die geheimnisvolle Setlist druckfrisch aus Alanis' Garderobe gebracht: alle Roadies starrten darauf, als hätten sie sowas noch nie gesehen (ich hätte gewarnt sein müssen...).

Mal ganz ruhig und von vorne: Was bekamen wir geboten? Natürlich die üblichen Verdächtigen (und das waren zum Teil die, die auch 2003 gespielt wurden, aber leider nicht alle: So unsexy und You learn, vor ein paar Tagen noch im Programm, waren rausgekegelt), insgesamt 4 Songs der neuen CD und eine Handvoll älterer Songs, die aber nicht unbedingt so bekannt sind.
Im Detail: Wo die Band in 2003 mit einem langen Gitarren-Intro und All I really want noch sehr laut, heavy und krachend ins Programm eingestiegen ist, so versuchte die Band mit Eight easy steps ("So-called chaos") ähnlich zu beginnen. Aufgrund des unverschämt miesen Sounds war davon leider nichts, absolut nichts mitzukriegen. Danach ohne Stop, aber sehr holprig, All I really want.
Joining U war überraschend neu im Programm: Nicht schlecht, eins der wenigen Highlights. Dann You are still mad und Perfect - die Band kam einfach nicht in Fahrt.
Als 6. Stück mal was Bewährtes: Head over feet; dann aber wieder was weniger Erfreuliches: The couch.
You oughta know wurde heimlich in die Mitte des Programms gesetzt: Eigentlich eins meiner Lieblingslieder, aber an dem Abend schlecht und uninspiriert.

Man liest immer wieder, dass eingefleischte Alanis-Fans den Song Front row als Live-Kracher favorisieren: Ich persönlich mag dieses Lied nicht so sehr. Sei's drum, Alanis hatte ihn auf der Setlist. Hands clean folgte, anschließend Not all me ("So-called..."). Hand in my pocket, der Mitgröler, und Excuses ("So-called...") ließen allmählich ahnen (na, die Hälfte des Konzertes war ja auch schon mehr als rum, aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht!), zu was die Band an einem guten Abend ohne Zickerei fähig wäre.
Uninvited war an dem Abend mein Favorit. Solch einen spektakulären Kracher wie Still vom "Dogma"-Soundtrack in 2003 habe ich aber leider nicht entdecken können.
Aber, schwups: Schon war der reguläre Set nach 67 Minuten vorbei und Alanis so schnell von der Bühne, das sah man kaum.
Die 2 Zugabenblöcke begannen mit Everything ("So-called...") und mündeten in Ironic und Thank you. Exakt mit diesen 2 Songs verabschiedete sie uns auch 2003.

Sight and Sound: Da der 1.7. nun mal fast der längste Tag im Jahr ist und Alanis erst um 20.40 Uhr begann, war von der Lightshow nicht viel zu sehen (ist bei ihr aber eh Nebensache).
Der Mixer hat einen solch miesen Sound gemischt, wie ich es seit Jahren nicht mehr gehört habe. Lediglich die Vocals und der Bass waren prima zu hören, wohin die anderen Instrumente hingemischt wurden (Toilette des Museums?), ist mir nicht klar. Über das Bühnen-P.A. jedenfalls nicht. So war bis auf leise Stellen weder von den 2 Gitarren noch von der Orgel irgendwas zu hören. Der Synthesizer war bei Front row und Thank you ordentlich, ansonsten tote Hose. Das Schlagzeug schepperte wie doll. Und nicht, dass ihr meint, ich hätte 60 Minuten von der Bühne entfernt beim Toilettenwagen hinter den Bäumen gestanden: ca. 15 Meter von der Bühne weg und schön mittig, also eigentlich ideal.
Zum Setaufbau: Gut, man kann es auch positiv sehen, dass sie sich nicht an einen einmal niedergeschriebenen Set klammert. Sie tauscht im Moment (Vergleiche Stuttgart und Berlin) wohl immer 2 Stücke aus und plaziert ein wenig um. Aber meines Erachtens war der Bonner Abend eine Achterbahnfahrt ohne Konzept. Die letzten 6 der insgesamt 17 Songs waren wie aus einem Guß, keine Frage. Aber die Highlights der beiden ersten Drittel wurden immer wieder von musikalischen Fehlgriffen bzw. Fehlinterpretationen oder unnötigen Auslassungen (wo war 21 things? So unsexy? You learn?) abgelöst. Und das vorletzte Album "Under rug swept" (ja, ich mag es sehr) wurde fast total ausgespart.
Die ultimative Lobhudelei auf www.alanis.de kann man nicht ernst nehmen. Dort wird unreflektiert alles positiv geschrieben, was Alanis ausbrütet. Nun, haken wir's ab und hoffen, dass die nächste Tour besser wird.

Nicht dabei gewesen? Was Schönes zu Hause hören? SWF3 hat das o.g. 'Gloria'-Konzert mitgeschnitten und 55 Minuten gesendet. Wer nicht mühsam 1995/1996 die MCDs aus aller Herren Länder zur "Jagged little pill" gesammelt hat, der kann mit der "The Singles Box" einen tollen Zusammenschnitt bekommen.

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 06.07.2004

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