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Mat Sinner

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Mat Sinner
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Primal Fear
Primal Fear - 37 KB
Primal Fear
Primal Fear - 55 KB
Discographie:
1998 - Primal Fear
1999 - Jaws Of Death
2001 - Nuclear Fire
2002 - Horrorscope
2002 - Black Sun
Quelle: www.primalfear.com

Am 29. April erscheint mit "Black sun" das vierte Album von PRIMAL FEAR. Die Band hat wirklich eine Bilderbuchkarriere hingelegt und sich innerhalb von vier Jahren nicht nur in die Spitzengruppe der deutschen Heavy Metal Acts gespielt, sondern sorgt auch international mächtig für Furore.
Gerne nahm ich die Gelegenheit zu einem Interview wahr und traf mich am 16. April 2002 mit Bassist MAT SINNER in Donzdorf bei Nuclear Blast.

Home of Rock: Hallo Mat. Zunächst muss ich mal ein Kompliment los werden. "Nuclear fire" war für mich schon so ziemlich das perfekte PRIMAL FEAR-Album und ich hatte meine Zweifel, ob mit "Black sun" überhaupt noch eine Steigerung möglich sei. Aber: Ihr habt es geschafft. Gratulation!
Der Unterschied, den ich sehe ist, dass ihr sowohl in Punkto Härte als auch Melodik noch mehr die Extreme auslotet und dadurch für noch mehr Abwechslung sorgt. Wie siehst du das?

Mat Sinner: Wir wollten auf jeden Fall nicht das selbe Album noch mal aufnehmen. Wir sind von vorneherein an das Songwriting und die Konzeption des Ganzen so herangegangen, dass wir uns nicht wiederholen wollten. Nicht dass wir jetzt "Nuclear fire Part II" aufnehmen, sondern, dass wir auch einfach mal Sachen machen, die wir vorher nicht gemacht haben.
Durch den Erfolg von "Nuclear fire" gab es für uns natürlich schon einen gewissen Erfolgsdruck, aber fünf Leute in der Band können ihre Ideen zu Hause auch festhalten, also demomäßig und so.
Die ganze Band ist schon eine Kreativquelle, wo wir dann auch aus dem Vollen schöpfen konnten. Wir hatten dann im Endeffekt zwanzig Songs als Demo aufgenommen und haben dann entschieden, welche zwölf auf die Platte kommen sollten. Da war schon genug Material vorhanden und außerdem ist das Album für uns nicht unter so einem Druck entstanden, dass es uns unwohl dabei war.
Wenn wir jetzt in einem kreativen Loch gewesen wären, dann hätten wir uns einfach mehr Zeit gelassen. Unsere Release-Abstände liegen so bei 15 bis 18 Monaten und da war für uns also noch genug Spielraum um gegebenenfalls etwas zu schieben.
Wir waren auch mit den Ideen, die zu Anfang aus den Leuten gekommen sind vollkommen zufrieden. Du kannst dich dann auch ein bisschen zurücklehnen, wenn du siehst: Es ist ja alles super. Es geht in die richtige Richtung. Es sind schon ein paar Knaller dabei. Das war eigentlich ganz, ganz positiv. Jeder hat sehr motiviert daran gearbeitet.
Die Band ist innerhalb der Konstellation sehr friedlich. Wir sind alles frie liche Gesellen, die nicht miteinander rumstreiten. Für mich ist das sehr, sehr angenehm so zu arbeiten und so ist die Platte entstanden. Man kann sagen es ist ein Mix aus Kreativität und Motivation, der aus der letzten Tour und der letzten Platte und des Erfolgs der letzten Platte hervorkam.

HoR: Also waren tatsächlich alle in der Band am Songwriting beteiligt und die Songwritingcredits für alle fünf sind nicht nur rechtlich begründet?

Mat: Unsere Grundlage ist so: Wenn wir an einer Platte arbeiten, fangen wir mit der Demophase an. Okay, wir hatten fünfundzwanzig Ideen und haben von zwanzig Demos gemacht. Von denen zwanzig entscheiden wir uns für zwölf, die auf die Platte sollen. Die acht, die da weggefallen sind, sind ja keine Gurken. Das sind ja auch gute Songs. Wenn jetzt einer innerhalb der Band die Grundideen von Songs hatte, die wegfallen, dann hat er sich ja trotzdem die Arbeit gemacht. Da ist es bei uns eigentlich die Idealform von Demokratie, wenn man so will. Also bei uns ist jeder an allem beteiligt und kriegt gleich viel. Deshalb ist wahrscheinlich auch die Chemie in der Band so gut, weil es ist keiner unter so einem Druck, dass er jetzt unbedingt muss. Jeder aber kann mitarbeiten und mitentscheiden an den Songs.
Wir haben dann die Demos in unserem Proberaum - ja haben wir auch, so ein kleines Recordingstudio - erstellt und jeder war daran beteiligt.

HoR: "Black sun" wird als Konzeptalbum beworben, aber irgendwie so ein klassisches Konzeptalbum alla "The wall" oder "Operation mindcrime" ist es dann doch nicht, weil die Songs wirklich jeder für sich alleine stehen können und einen Sinn ergeben. So dieser durchgängige rote Faden einer Story ist nicht vorhanden.

Mat: Nein. Es war auch so, dass wir uns am Anfang gefragt haben: Was machen wir dieses Mal anders? Man kann ja nicht nur hergehen und ein bisschen an der Musik rumfeilen, sondern man kann beim Cover ein bisschen was anders machen. Ich kann dem Cover eine andere Atmosphäre, einen anderen Touch geben, obwohl natürlich die Adler drauf sind. Das war der erste Schritt. Dann geht es weiter, hin zu einem anderen Fotografen. Ganz minimale Details. Ganz einfach mal einen anderen Fotografen nehmen... Dann kamen die Songtexte, wo wir uns diesmal gesagt haben: Was machen wir denn? Wir suchen uns ein Thema raus und versuchen in diese Richtung Texte zu schreiben und schauen mal was dabei rauskommt.
Der Output war ganz gut, so dass wir im Prinzip eine Story haben - Adler auf der Reise zur schwarzen Sonne - wobei diese eigentlich für ein Konzeptalbum typischen Instrumentalparts um irgendwie überzuleiten, und Collagen und so weiter und so fort, bei uns nicht auftauchen. Das hat zwei Gründe: a) Wollten wir nicht zu sehr in diese Richtung gehen, sondern wollten ein richtig korrektes Metalalbum abliefern und jetzt nicht wie du sagst PINK FLOYD "The wall" mit allem Schnickschnack drum herum.
Wir hatten auch einfach zu viele Songs um jetzt da Platz zu verschwenden, nur um irgendwelche Instrumentalpassagen da einzubauen um das Ganze dann noch zur Spitze zu treiben.
Aber sagen wir es mal so, von unserem Konzept über das Thema zu schreiben sind wir nicht abgekommen. Jeder Song ist quasi ein kleines Puzzlesteinchen auf dem Weg zu dem Planeten.

HoR: Ja, wenn man es so sieht, einzelne Mosaikteilchen, die ein Ganzes ergeben, dann ist das okay. Dann ist es auch wieder stimmig.

Mat: Also, ich meine die Story ist schon stimmig. Vor allem hat sie auch noch den Hintergrund, dass wir sagen, die schwarze Sonne, die wir suchen, als Sinnbild für die Möglichkeit im Universum weiterzuleben, hat im Prinzip die gleichen Probleme wie wir hier. Es wäre überhaupt keine Verbesserung, sondern ist eigentlich ein Spiegelbild und soll jeden zum Nachdenken anregen, was wir eigentlich in den letzten fünfzig Jahren mit unserer Erde veranstaltet haben. Das war ja nicht unbedingt im Sinne unserer nächsten Generation.

HoR: Also sind die Texte bei euch ein wichtiger Bestandteil.

Mat: Ja sicher! Wir geben uns da auch dementsprechend Mühe. Es ist auf jeden Fall so, dass wir gleich zu Beginn, wenn wir über die Ausrichtung einer Platte reden, auch die Texte mit einfließen lassen. Das wird bei uns in Zukunft auch noch mehr Zeit in Anspruch nehmen, weil wir gesehen haben, dass wir, abseits von jeder Besserwissermentalität, Politik und dem ganzen Drumherum, uns noch mehr pushen können, wenn wir noch mehr Wert auf die Texte legen.
So eine Story zu schreiben, glaube ich, ist jetzt nicht unbedingt das Einfachste, weil wir haben ja auch drei Leute, die an den Texten arbeiten. Es ist ja nicht nur einer, der die Texte verfasst und sich seine Story zusammenspinnt und der Rest meint: Was macht denn der da jetzt? Wenn wirklich drei Leute die Texte schreiben, dann ist die Umsetzung von einem großen Hauptthema nicht so einfach.

HoR: Bei Mind machine hast du dir mit Ralf den Gesang geteilt. Ist das ein Stilmittel, von dem du dir vorstellen kannst, es zukünftig verstärkt einzusetzen?

Mat: Erstens mal hat der Ralf angefangen Backingvocals bei SINNER zu singen, als wir auf die Idee kamen, mal was zusammen zu machen. Das war der Start der Sache und da haben wir gemerkt, dass es wunderbar funktioniert. Dann ging es weiter mit der ersten PRIMAL FEAR-Platte, wo wir auch festgestellt haben, dass es richtig gut funktioniert, wenn wir zwei miteinander singen. Dann kamen die ganzen Konzerte dazu und eigentlich war der Startschuss für diese Sache ja nicht unbedingt dass ich live jetzt viel singe, sondern der Tributetrack für Phil Lynott. Für diese offizielle Tributeplatte für Phil Lynott haben wir ja Out in the fields aufgenommen, wo ich den Part von Phil Lynott gesungen habe und Ralf den Part von Gary Moore.
Das Ganze hat halt super funktioniert und es ist sicher auch für die Fans attraktiv, wenn wir so was mal auf einer Platte machen. Das hören die gerne und warum sollen wir uns da an ein stures Schema halten.
Die Idee kam glücklicherweise nicht von mir, sondern vom Ralf, weil ein Sänger gibt bei so einer Sache ja immer ein Stückchen von seinem Kuchen ab. Wir haben uns zuerst überlegt, ob wir einen Gastsänger involvieren, oder ob wir das miteinander machen. Ich habe dann das Demo eingesungen, wobei das für meine Stimme schon ziemlich hoch war. Meine Stimme ist eigentlich etwas tiefer, bluesiger und das Ganze war schon harter Metal und (lacht) ich hab es dann aber gesungen und habe mich ganz wohlgefühlt dabei. Es war ja für mich auch eine Abwechslung im Studio und eine nette Aufgabe... na ja, das ist dabei rausgekommen und wir sind alle ziemlich happy damit, dass wir das so gemacht haben.

HoR: Es kann ja auch eine Band nur weiter bringen, wenn sie sich mehrere Optionen offen hält.

Mat: Genau! Ich denke auch, dass es einfach für die Fans eine nette Abwechslung ist. Wenn du zwölf oder dreizehn Songs auf dem Album hast, dann kann schon mal ein Song ein Duett sein und das schöne bei PRIMAL FEAR ist, dass man nicht unbedingt Leute von außerhalb holen muss um da eine zusätzliche Attraktivität zu schaffen.

HoR: Armageddon scheint mir textlich recht stark vom 11. September beeinflusst zu sein...

Mat: Der ist auch um die Ecke rum entstanden. Wir können auch nicht sagen, dass wir uns von diesem Termin, diesem Tag oder diesen ganzen Umständen, die da passiert sind, losreißen können. Wir sind schon politisch sehr interessierte Menschen. Das Ganze war ein Vorfall, der uns ganz schön betroffen gemacht hat und so haben wir diesen Anlass halt aufgenommen und in dieses Konzept integriert. Natürlich unter einer leicht veränderten Story, aber wir hatten ja schon einmal vor längerer Zeit so einen Song geschrieben. Church of blood auf der zweiten PRIMAL FEAR-Platte, der im Prinzip das gleiche Thema hatte.
Die Vorgänge, die bis dahin passiert sind waren ja schon Anlass genug so einen Song zu schreiben. Was nun passiert ist, ist leider sehr traurig und wir haben es, wie gesagt, in unser Konzept mit eingebettet.

HoR: Dazu habt ihr ja auch ein Video gemacht. Mal ehrlich, ist es nicht frustrierend, da eine Menge Zeit und Geld rein zu stecken und schon vorher zu wissen, dass dieses Video nie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und bestenfalls auf irgendeiner Nuclear Blast-Compilation Verwendung finden wird.

Mat: Falsch! Im Prinzip ist PRIMAL FEAR ja eine international operierende Kapelle. Wir machen ja so ein Video nicht nur für eine Compilation von Nuclear Blast.
a) war das Video sauteuer, b) finde ich das Video super und sagen wir es so, wir benutzen das Video genauso in Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Skandinavien, Holland und was es alles noch gibt. Die ganzen Ostblockländer, Japan, Korea, Südamerika, Amerika, Kanada...
PRIMAL FEAR wird überall gehört und das Video wird uns helfen in diversen Ländern auf dem Sektor TV unsere Platte zu promoten.
Wir waren auch zum Beispiel Ende März Anfang April auf Promotour in Europa und haben da diverse Fernsehsender besucht und es gibt auf jeden Fall einige Fernsehsender in Europa, die Spaß daran haben so ein Video zu senden.
Und Deutschland muss man sehen. Da hab ich trotz allem die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich denke, die Leute müssen sich da einfach von der Qualität des Videos überzeugen lassen. Natürlich gibt es immer hunderttausend Ausreden so etwas nicht zu zeigen, wenn es nicht gerade der Norm des momentan Gefragten entspricht. Ich kann mir trotzdem durchaus vorstellen, dass wir damit eine Chance haben.

HoR: Ich hoffe es. Das wäre schön.

Mat: Wir kämpfen darum, und du kannst uns glauben, dass wir lange genug im Geschäft sind, damit wir unser Geld nicht einfach zum Fenster rausschmeißen.

HoR: Jetzt nach vier Studioalben wäre doch der nächste konsequente Schritt ein Livealbum. Gibt es da schon irgendwelche Überlegungen?

Mat: Eine Liveplatte ist uns momentan bei den technischen Möglichkeiten einfach zu wenig. Wir wollen, wenn wir was machen, in Richtung DVD gehen und bei gutem Sound und gutem Bild den Leuten gerne zeigen, was in einem Zeitraum von drei, vier Jahren bei PRIMAL FEAR passiert ist. Das Ganze anreichern mit Videoclips, Backstageaufnahmen und so weiter und so weiter.
Wir haben da schon ein paar tolle Auftritte mitgefilmt, auch in einer guten Qualität und DVD ist dann für mich das beste Medium um da einen schönen Mix anzubieten. Wir haben Wacken 2001 gefilmt, das sieht toll aus, mit super Sound und das ist eine gute Basis für so eine DVD. Wir haben noch jede Menge anderer Auftritte und wollen natürlich auch auf der neuen Tour filmen. Dann mal schauen, ob wir so etwas im nächsten Frühjahr vor der nächsten Veröffentlichung realisieren.
Die nächste Veröffentlichung von PRIMAL FEAR, was CD angeht, wird mit Sicherheit wieder ein Studioalbum sein. Da schwirren jetzt schon wieder so viele Ideen rum, dass ich mir vorstellen kann, dass wir Ende des Jahres, wenn wir fertig sind mit unserer Livegeschichte, schon wieder genug tolle Ideen für die nächste Platte zusammengetragen haben.

HoR: PRIMAL FEAR gibt es jetzt gerade mal vier Jahre und ihr habt in der Zeit unwahrscheinlich viel erreicht. Habt ihr jemals damit gerechnet, dass das so abgehen könnte?

Mat: Wir haben ja PRIMAL FEAR eigentlich deswegen ins Leben gerufen, weil der Ralf aufhören wollte Musik zu machen. Tom und ich, Tom Naumann damals noch, haben uns gesagt, es kann ja nicht sein, dass der Typ jetzt aufhört zu singen, und das nur weil irgendwelche englische Typen meinen, sie wollen keinen deutschen Sänger haben.
Wir wollen jetzt die ganze Story nicht wieder aufrollen, aber letztendlich ist PRIMAL FEAR daraus entstanden, dass wir den Ralfi zurückbringen wollten zum Rock 'n' Roll. Dass das Ganze dann so ein Ausmaß annimmt hat sich keiner gedacht. Vor allem, wie viele Länder wir jetzt gesehen haben, wo wir uns am Anfang niemals vorstellen konnten, dass wir da mal spielen und Fans haben würden ... das ist natürlich schon eine tolle Sache.
Dass das jetzt für uns alle in einem Lebensabschnitt passiert, wo wir doch alle ruhiger und gesetzter geworden sind und nicht mehr so die zwanzigjährigen Halbverrückten sind, das hat seine Vor- und Nachteile.
Also man ist, glaube ich, nachdenklicher, aber man kann diese Dinge auch mehr genießen. Wenn mir das mit zwanzig passiert wäre, dann wäre ich wohl auch ein bisschen zu arg über das Ziel hinaus geschossen. Jetzt kann man aber sagen, ist doch eigentlich toll, dass das alles passiert ist, dass wir in Länder spielen, wo andere eine Haufen Geld bezahlen um in Urlaub zu gehen. Wir werden dafür bezahlt, in die Länder zu gehen und das ist eigentlich eine tolle Sache.
Für uns ist es wichtig, einfach jetzt zu sagen, wenn wir Auftritte machen, wenn wir auf Tourneen gehen, wenn wir Aktivitäten haben, daran S aben und dass wir die ganze Sache genießen können. Nicht dass wir uns gegenseitig einen Druck aufbauen. Man muss, man muss, man muss... gar nichts! Musik ist dann am besten, wenn sie einfach aus einem herausfließt und total natürlich daherkommt.

HoR: Ende Juni seid ihr ja dann bei einem Open Air in Moskau. Das dürfte dann, sagen wir mal so, ein nettes Erlebnis für euch werden.

Mat: Das ist auf jeden Fall für uns erst mal ein Start mit neuen Songs. Es ist natürlich eine tolle Sache den ersten Gig der "Black sun"-Tour in Moskau zu spielen.
Ein Land in dem wir a) noch nicht waren, b) für Fans, die schon lange darauf warten, dass wir dort ein Konzert geben, c) sehen wir viele Freunde dort, denn es spielen da auch viele andere Bands, die wir kennen. Das wird bestimmt eine nette Sache und außerdem ist es für uns als kulturell interessierte Menschen natürlich auch toll, sich mal Moskau anzuschauen und da mal einen Tag in der Innenstadt abzuhängen. Dads man sich mal einen Eindruck machen kann, wie sich die Stadt zeigt und wie die Leute drauf sind. Das ist schon auch eine wichtige Sache.

HoR: Meines Wissens spielt ihr in Deutschland dieses Jahr kein Open Air.
Wenn man sieht, wie sich das Bang your head-Festival gerade verzweifelt um hochkarätige Headliner bemüht... das wäre doch was für euch gewesen, oder?

Mat: An dem Wochenende spielen wir in Moskau...

HoR: Okay, damit ist die Frage eigentlich beantwortet.

Mat: ...und es ist halt immer so eine Frage, dass manche Leute einfach noch nicht kapiert haben, dass PRIMAL FEAR oder andere deutsche Bands auf einem Level sind, das diverse ausländische Bands noch nicht haben.
Da kommt irgendeine Band aus irgendwo her und die hat dann irgendwie einen Bonus gegenüber deutschen Bands, was ich einfach nicht kapieren kann. Ich will da jetzt auch nicht zu weit ausholen... ich meine, die Bang your head-Leute machen einen tollen Job, aber anscheinend mögen sie PRIMAL FEAR nicht so arg.

HoR: Im Herbst gibt es dann die, ich sag mal 'offizielle' "Black sun"-Tour. Da habe ich gehört, sollen RAGE mit von der Partie sein.

Mat: Ja.

HoR: Gibt das dann eine Double-Headliner-Tour?

Mat: Nein. Warum? RAGE ist eine tolle Band und wir haben die gleiche Konzertagentur. PRIMAL FEAR will natürlich mit der Platte und dem Erfolg der Vorgängertour eine Headliner-Tour machen.
Wenn RAGE da mit will, sind sie uns herzlich willkommen. Wir werden ihnen sämtliche Freiheiten geben, die sie brauchen, dass sie 'ne tolle Show machen können. Wir werden sie auch groß ankündigen auf den Plakaten. Da brauchen sie sich gar keine Sorgen machen, aber es ist unsere Tour.
Wir gehen nicht auf Tour und sagen wir wollen jetzt eine Co-Headliner-Tour mit irgend jemand machen. Wir wollen unsere eigene Tour machen, und wenn natürlich so eine gestandene Band wie RAGE jetzt mit uns auf Tour geht, dann freuen wir uns natürlich darauf. A) sind es tolle Musiker, b) machen sie nach unserer Meinung eine super Musik und da wird es auch keine Probleme geben. Die kriegen eine tolle Spielzeit, die können lange spielen, da gibt es überhaupt keine Diskussionen darüber. Da werden auch keine Spielchen getrieben.

HoR: ...und das ist ein attraktives Package und dürfte mit Sicherheit noch zusätzlich Leute ziehen.

Mat: Für Deutschland auf jeden Fall. In Deutschland ist das auf jeden Fall eine gute Sache, dass die dabei sind und wir werden sehen. Ich bin jedenfalls fest überzeugt, dass die Tour wieder ein Highlight unserer Karriere darstellen wird. Vor allem auch weil sie im September, Oktober ist und nicht wieder im Januar, Februar oder März.
Die letzte Tour war zwar von den Besucherzahlen und vom Erfolg her ein wahnsinniger Schritt in die richtige Richtung, aber es war saukalt. (lacht)
Egal wo wir hinkamen, im Nightliner haben die Leute nur gehustet und es ist wirklich was anderes im September zu touren, als im Februar. Das haben wir dieses Mal auch mit Absicht so gemacht, dass wir zuerst die Platte rausbringen, dann die Festivalzeit abwarten, die drei Monate und erst danach auf Tour zu gehen. Zwischen den Festivals rumzutouren bringt überhaupt nichts. Im September legen wir dann los, spielen in schönen Hallen und das wird bestimmt eine tolle Sache.

HoR: Habt ihr schon mal überlegt, den Adler in die Show zu integrieren?

Mat: Ach, hinter uns hängt er ja eigentlich immer, jetzt speziell den Adler irgendwie beweglich zu machen oder uns noch mehr auf den Adler zu konzentrieren, das wollen wir eigentlich nicht. Es soll doch immer noch eine Rock 'n' Roll-Show bleiben, die vom Umfang her und dem ganzen Drumherum unter Kontrolle ist.

HoR: Mir ist aufgefallen, dass ihr euch bei euren Konzerten immer sehr 'Fan-nah' gebt. Nach den Konzerten kommt ihr meist sehr schnell raus an den Merchandise-Stand, gebt euch da recht offen und umgänglich und sucht den persönlichen Kontakt zu den Fans. Ist euch dieser Kontakt und das direkte Feedback der Leute vor der Bühne wirklich wichtig?

Mat: Schon. Es sind die Fans, die zu unseren Konzerten kommen, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind. Es sind die Fans, die unsere Platten kaufen. Ohne die Fans gäbe es keinen Metal und kein PRIMAL FEAR und dann muss man, wenn man auf Tournee ist, auch mal was zurückgeben. Wir können, wenn wir auf Tournee sind nicht jeden Tag gleich agieren. Mal ist einer krank, mal ist einer nicht so gut drauf. Das ist normal und menschlich. Aber dieser Kontakt zu den Fans ist ein wichtiger Bestandteil des ganzen Konzepts von PRIMAL FEAR.

HoR: Das unterstreicht jetzt meinen Eindruck. Ich hatte aber nie den Eindruck, dass das aufgesetzt oder 'verzwungen' wäre, so nach dem Motto, das müssen wir jetzt machen.

Mat: Nee! Um Gottes Willen, das kannst du auch gar nicht. Wenn du das erzwingst, kommt es ja nicht ehrlich und so kotzt es dich auf die Dauer an. Wenn du mal vier Wochen auf Tournee bist und dich jeden Abend was ankotzt, dann macht es auf Dauer keinen Spaß mehr. Aber wie gesagt, wir wollen eigentlich eine Tournee genießen und nicht irgendwie eine Tournee machen und Dinge tun, die uns ankotzen.

HoR: Ihr werdet immer wieder mit JUDAS PRIEST verglichen, ein Vergleich, der mittlerweile gewaltig hinkt. Trotzdem: Nervt das nicht mit der Zeit?

Mat: Sagen wir es mal so: Wir können uns artikulieren. Wir können was dazu sagen. Wenn uns das nervt, dann müssen wir uns mit den Leuten halt dementsprechend so auseinander setzen, dass sie uns verstehen.
Es ist sicherlich nervig, wenn wir in Plattenkritiken von "Black sun" vier Mal das Wort JUDAS PRIEST lesen und einmal nur das Wort PRIMAL FEAR. Ich meine aber, wir haben damit angefangen und Ralf hat nun mal eine Stimme, die er nicht verändern will, die er meiner Meinung nach nicht verändern soll, die ist nun mal ähnlich mit Halfords Stimme.
Dass wir dann immer mit JUDAS PRIEST verglichen werden ist halt schön für Journalisten um uns in eine Schublade rein zu schmeißen, um uns zu kategorisieren, aber im Endeffekt sind die Vergleiche mit JUDAS PRIEST so was von alt und haben so einen Bart.
Jeder Metalfan in Europa, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, kennt PRIMAL FEAR mittlerweile und weiß, dass wir angefangen haben und mit JUDAS PRIEST verglichen wurden. Vor allem noch mehr als die Comeback-Platte von JUDAS PRIEST den JUDAS PRIEST-Fans nicht das gegeben hat, was sie eigentlich wollten. Dann kamen wir mit unserer ersten Platte und das war dann die Platte, die die JUDAS PRIEST-Fans eigentlich hören wollten.
Diese ganzen Vergleiche jetzt noch weiter zu spinnen, noch mehr nach "Demolition" von JUDAS PRIEST, hat überhaupt keine Basis mehr. Wir machen unsere Musik, und die ist heute einfach schwer vergleichbar mit dem was JUDAS PRIEST heute machen und ich glaube "Black sun" ist noch einen Schritt weiter entfernt von JUDAS PRIEST, wie sie früher waren.
ass es wegen Ralfs Stimme Parallelen gibt ist halt so und da werden wir auch nichts dagegen tun. Die Leute sollen mal ihr Gehirn anstrengen und aufhören mit diesem Blödsinn. Jetzt ist genug darüber geredet und ich glaube jetzt ist mal finito. Höchstens JUDAS PRIEST machen mal wieder eine Platte, die die Leute hören wollen.

HoR: Vielleicht heißt es ja dann: Jetzt klingen sie aber wie PRIMAL FEAR.

Mat: Ja, es fing ja an, dass wir die beste JUDAS PRIEST-Coverband sind, inzwischen wird aber allgemein mittlerweile behauptet, dass wir besser sind als sie. Das ist natürlich ein tolles Kompliment, wenn man als Coverband anfängt und dann irgendwann besser ist als das Original, aber auch durch solche Sachen muss man einfach durch.

HoR: Bevor wir langsam zum Schluss kommen: Wie ist denn der aktuelle Stand bei SINNER? Die liegen auf unbestimmte Zeit auf Eis? Es gibt da sicher noch viele Leute, die auch mal wieder gerne ein neues SINNER-Album hören würden.

Mat: Ja, klar! Die letzte Platte war ja auch in den deutschen Charts drin. Das war ja hier in Deutschland ein toller Erfolg. Für mich war eigentlich nur eins wichtig: Ich hab mit PRIMAL FEAR genug zu tun. Ich fühle mich da sehr wohl und es füllt mich auch völlig aus.
Der einzige Grund für mich, mal wieder eine SINNER-Platte zu machen, ist mal wieder mit dem Tom Naumann Songs zu schreiben, der leider bei beiden Bands eine Phase hatte, wo er einfach privat, beruflich und auch gesundheitlich Probleme hatte. Das ist aber alles aus der Welt geschaffen. Der Mann ist wieder dabei und kann und will auch selber wieder was tun.
Ich hatte Gespräche mit Tom, die waren sehr, sehr positiv und es kann durchaus sein, dass wir wieder was miteinander machen. Wie es aussieht wird es nächstes Jahr, sehr früh nächstes Jahr, ein neues SINNER-Album geben.

HoR: Tja, dann vielen Dank, Mat.

Besonderer Dank an Simona vom PRIMAL FEAR-Fanclub The Metal Commando , Jaap von Nuclear Blast und natürlich Mat, der sich viel Zeit für das Gespräch nahm.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 16.04.2002

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