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Vor und nach dem Konzert in Erfurt hatte ich Gelegenheit, in einer lockeren Runde mit den Musikern zu plaudern, wobei mir meist der sympathische Keyboarder der Band, Adrian Askew, Rede und Antwort stand. Alex Conti hielt sich dagegen sehr bedeckt und ließ sich nach dem Auftritt wegen Unpässlichkeit entschuldigen.
Home of Rock:: Wer hat die Songs für das neue Album "The Blast Of Silence" geschrieben und seid Ihr allgemein mit dem Feedback darauf zufrieden?
Adrian Askew:: Es hat ziemlich alle Songs Alex geschrieben, zusammen mit dem alten Kollegen Detlef Petersen bzw. ein Song hat Mike mit einem anderen Kollegen, Michael Rossbach, geschrieben.
Wir sind ansonsten sehr zufrieden mit der neuen Platte, wobei diese ja
erst seit einem Monat unterwegs ist. Alex hatte nur etwas Probleme mit dem ganzen Drumherum. Aber jetzt glauben wir, geht es erst richtig los.
HoR: Weshalb kam es nicht zu einer Reunion mit dem alten Line-Up?
A.A.: Das musst du Alex fragen, er ist der Kopf. Egal, die alten Kollegen wollten nicht, oder können nicht, durch andere Verpflichtungen in ihren jeweiligen Jobs.
Michael "Bexi" Becker: Die sind froh, dass sie noch Arbeit haben, dass ist ja auch ganz wichtig in der heutigen Zeit.
HoR: Es gab nicht irgendwie Streit oder andere Vorfälle?
A.A.: Nein. Ich weiß es nicht, ob ich es richtig formulieren kann, aber es war geplant, mit Alex und Detlef Petersen LAKE noch einmal auf die Beine zu bringen. Dann haben die alle alten Mitglieder gefragt, und ich glaube, keiner hat in dem Moment zugesagt. Darauf hat es Alex, er ist ungeduldig, eben dann mit anderen Leuten verwirklicht, zusammen mit Petersen, quasi eine new birth of LAKE. Das ganze ist jetzt drei Jahre her.
HoR: Könntet Ihr Euch vorstellen, im Zuge der fortgeschrittenen technischen Möglichkeiten, das alte Material noch einmal neu aufzubereiten?
A.A.: Wir könnten es uns vorstellen, aber ich glaube es macht keinen Sinn. Wir schauen nur nach vorne, nicht nach hinten. Wir spielen ein paar alte LAKE Stücke - nicht direkt original - aber ohne etwas gänzlich auszuschließen, ist es nicht geplant. Momentan promoten wir unsere neue Platte, weil wir in der Tat keine LAKE-Revival-Band sind, sondern LAKE neugeboren. Wir versuchen nur in die Zukunft zu blicken, da wo die Band damals aufgehört hat, da fangen wir neu an und machen weiter.
HoR: Hängt die nahe Zukunft von LAKE vom Erfolg, sprich Verkaufszahlen der aktuellen Platte ab?
A.A.: Ich weiß nicht, ob in der heutigen Zeit große Plattenverkäufe möglich sind, wie bei Madonna oder Michael Jackson, soviel verkauft man heute zusammen nicht mehr. Wir hoffen nur, durch gewisse Radiopräsenz, dass die neuen LAKE deutschland- und europaweit ein wenig neu präsentiert werden. Ich glaube eher, dass es nur eine Public Relation Sache ist, dass die Leute über dieses Medium erfahren was wir machen.
HoR: Es ist einfach eine ganz andere Zeit, wobei ich ja sagen muss, sehr viel junge Leute die ich kenne orientieren sich wieder sehr an alter Rockmusik.
A.A.: Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass unsere Platte auch einen gewissen 70er-, 80er-Jahre Stil hat, weil die Weiterentwicklung von LAKE handwerklich live gespielte Musik ist, gewissermaßen gerader Mainstream. Insofern sind wir nicht weit weg von dem damaligen Stil. Aber alte Dinge noch mal aufzuwärmen finde ich nicht gut. Wenn man kreativ ist, sieht man immer nach vorne, man malt einfach nicht immer das gleiche Bild.
HoR: Ist es überhaupt möglich, den kontinuierlichen Fortbestand der aktuellen Besetzung beizubehalten, auch wegen eventuell anderen Verpflichtungen?
A.A.: Komischerweise sind wir der Meinung, dass diese Band ein einmaliges menschliches und musikalisches Feeling vereint. Ich glaube nicht, dass einer aussteigt, streikt oder gefeuert wird, es sind alle fast erwachsen. (Gelächter)
Man kann nie etwas ausschließen, aber wir meinen, dass wir über alles diskutieren können, einzige Ausnahme wäre, dass wir vielleicht keinen Spaß mehr dabei hätten. Im Grunde genommen haben wir nebenher wenig andere Engagements, nur Alex und Bexi spielen bei der HAMBURG BLUES BAND, der Rest spielt nur mit LAKE. Mike hat in England noch eine Solokarriere.
Mike Starrs: Yeah, ich bin da ein Cowboy und mache Country Musik. Ich habe vorher gemeinsame Sache mit dem Gitarristen Ray Fenwick (ex-SPENCER DAVIS GROUP, Ian Gillan u.a.) gemacht, der aber im Moment ein bisschen mit Steve Howe von YES zusammenarbeitet.
HoR: Fühlt Ihr euch geschmeichelt, dass nach so langer Zeit immer noch ein reges Interesse an LAKE besteht?
A.A.: Nein. Ich betone noch einmal meine Aussage von vorhin, wir sind nicht LAKE von damals, wir sind die LAKE, als wenn LAKE aufgehört haben, nicht nur zwei Jahre, sondern zwanzig Jahre später machen wir weiter wie LAKE. Denn die letzten LAKE waren auch nicht die Original-LAKE.
Bexi: Wir haben im Grunde ganz früh damit begonnen, in ständig wechselnden Besetzungen zu spielen, die eigentliche Besetzung mit Alex hatte 1980 aufgehört. LAKE haben aber fast bis James Tod in heftig wechselnden Besetzungen weitergemacht, also auch grauenhafte Besetzungen. Ich habe es selber auch mal gesehen, es war einfach unter aller Kanone. Es war unser Sänger James, der es auch immer unter den Namen LAKE weitergeführt hat, und die haben auch noch regelmäßig Platten gemacht.
A.A.: Ich habe zum Beispiel auf "Paradise Island" (1979) Keyboards gespielt. Deswegen, die echten LAKE waren nur die ersten drei Alben bis 1980, danach ist es, glaube ich, bis 1988 weitergegangen, wobei der Hauptschwerpunkt nur James, unser Freund war. Und Alex wollte mit Detlef 2001, 2002 versuchen es noch einmal zu bringen. Detlef wollte erst, konzentrierte sich aber dann mit mir zusammen doch mehr auf das Komponieren von Filmmusik. Deswegen hat LAKE im Sinne von Detlef mit dieser neuen Formation weitergemacht.
Ich war auch nicht der erste Keyboarder, wir haben miteinander angefangen. Wir hatten erst einen anderen sehr guten Keyboarder aus Hamburg, aber Alex kam nicht mit ihm klar.
Bexi: Der erste Sänger war übrigens Ian Cussick (schottischer Singer/Songwriter, jetzt Wahl-Hamburger), aber es hat nicht funktioniert, dann kam Mike.
A.A.: Insofern versuchen wir den Spirit von LAKE weiterzuführen, denn solche Art von Musik finden wir gut.
Bexi: Genau, nicht ganz so übliche Harmonien, aufwendige Chorgesänge, Soli die auch mal bisschen ins jazzige gehen. Das waren die LAKE damals und wir stehen irgendwie alle darauf, und das versuchen wir jetzt weiterzuführen.
A.A.: Es war nicht der absolute Glanzabend heute, aber trotzdem haben wir Spaß gehabt.
Bexi: Zur Erklärung: Die PA war nicht die Beste, aber unsere Bärbel (Life On Stage) hat hier tierisch gezaubert, weil wir alle fünf singen. Davon unabhängig haben wir uns heute echt nicht singen hören. Das heißt, es war heute deutlich unterdimensioniert.
A.A.: Bärbel ist unser sechstes Member von LAKE.
HoR: Wie schätzt Ihr die derzeitige deutsche Rockszene ein, bzw. welche Künstler und Bands haben für Euch das Potential?
Bexi: Ich finde das ganz klasse, dass es seit ungefähr zwei Jahren in Deutschland wieder richtig geile Gitarrenbands gibt. Da meine ich die jungen Bands, JULI, SILBERRMOND, WIR SIND HELDEN und so weiter, und dann gibt es abgefahrene Gitarrenrockbands wie die BEATSTEAKS aus Berlin. Das kommt auf einmal alles wieder aus unserem Land, und das von jungen Leuten, das finde ich super.
Ich fahre viel mit der Bahn zwischen Bremen und Hamburg, in Scheesel, da wo immer dieses große Festival ist, passierte es, dass der Zug voll war mit langhaarigen Achtzehnjährigen mit Gitarren auf dem Rücken, so wie wir damals irgendwie. Es ist schon wieder ein Interesse für Gitarre und so vorhanden. Ich finde diese Entwicklung irgendwie klasse.
Weißt du, die jungen Leute kommen ja deshalb auf solche Ideen, weil sie die alten Sachen hören. Der Gitarrist von SILBERMOND und dessen Bruder, die hören LED ZEPPELIN, darauf stehen die.
A.A.: Die beste deutsche Kapelle die ich kenne sind TEXAS BOOGIE CONNECTION.
(Gelächter)
HoR: Gibt es die wirklich?
Bexi: Ja, es ist eine Hobbykapelle. Wir spielen einmal im Jahr, eigene Stücke und Covers, aber wir haben auch keinerlei Ambitionen.
HoR: Ist es vielleicht geplant, eine neue LAKE-Live-CD aufzunehmen?
A.A.: Wir machen bestimmt eine, dieses Jahr sicherlich nicht, weil wir erst die Studioplatte gemacht haben. Ich gehe einmal davon aus, dass wir Ende des Jahres oder im Frühjahr alles live aufnehmen. Und zwar alte LAKE-Stücke in unserer Fassung und ein paar von der neuen Platte, ob es etwas bringt, weiß ich allerdings nicht.
Wir haben die neue Platte komplett live im Studio eingespielt, nur ohne Publikum, denn wir versuchen dieses Live-Feeling etwas einzufangen.
Bexi: Jaja, wir haben die Tapes in etwa zwei Tagen eingespielt.
A.A.: Wie bei "Dark Side Of The Moon" muss man nicht 6 Monate daran sitzen, um es so perfekt abzuliefern.
Bexi: Also, wir haben für die Platte insgesamt zwei Wochen Studiozeit benötigt. Die meiste Zeit haben die Chöre gebraucht, weil es doch eben noch echte Handarbeit ist.
HoR: Habt Ihr das alles auch selbst finanziert?
A.A.: Ja. Alex hat extra ein Label gegründet und wir verkaufen es halt bei Konzerten oder übers Internet.
HoR: Was haltet Ihr von den Musikfans und der Atmosphäre hier im Osten?
Mickie Stickdorn: Ihr habt ja großen Nachholbedarf. Ich habe z.B. mit Roland Kaiser (Ja, Der) beim Elbuferfest in Dresden, vor 5.000 Leuten gespielt, das gleiche in Halle oder Suhl. Meistens waren es große Hallen, wenn da nach der Show das Licht angeht, bekommt man nicht soviel von der Bevölkerung mit, deshalb mag ich das hier gern.
Deswegen bin ich hier an die Bar herausgegangen, um mich mit den Leuten zu unterhalten. Die großen Hallen sind so voller Lügen, es ist zum Kotzen.
A.A.: Die Musikfans im Osten sind okay, wir haben hier nur zweimal gespielt. LAKE ist im Osten nicht so bekannt, deswegen kommen nicht so viele "alte" Fans wie im Westen. LAKE waren mehr oder weniger eine norddeutsche Band.
HoR: Wie sieht die nahe Zukunft bei LAKE aus?
A.A.: Wir führen Gespräche mit Vertriebsfirmen und Promotionfirmen, damit unsere CD in die Läden kommt und natürlich auch im Radio promotet wird. Denn mit ein wenig Airplay lernen mehr Rockfans unsere Band kennen, speziell Leute die uns noch nicht aus den 70ern, 80ern kennen, auch im Osten. Wir spielen aber mehr im Westen auf einigen Festivals. Siehe unsere Homepage.
Mein Dank für die sehr angenehmen, kurzweiligen Stunden, geht an Adrian Askew, Michael "Bexi" Becker, Mickie Stickdorn, Mike Starrs und Alex Conti.
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