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Manchmal ist der Schock so groß, dass man auf der Autobahn fast in die Leitplanken knallt. Wie kommt es dazu?
Im Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks gibt es das Programm mit der diabolischen Nummer 5. Es bietet einen erfrischenden Mix aus langatmigen politischen Analysen, drögem Wissenschaftsjournalismus und quälender Zuhörerbeteiligung. Interessanterweise rekrutieren sich die beteiligten Zuhörer vornehmlich aus näselnden Altphilologen, seit Jahrzehnten glücklich verheirateten Feministinnen und Menschen, die gerne ihre täglichen drei bis vier Telenovelas konsumieren, aber ansonsten locker auf das Fernsehen verzichten könnten. WDR 5 bietet sich also dem 1-Live und SWR 3 überdrüssigen Autofahrer geradezu an, sei es auf dem Weg zur Arbeit oder zum Autorennen.
Vor einigen Jahren bestanden die Musikbeiträge ausschließlich aus kurzen, aber prägnanten Jazz-Melodien, mal swingig, mal mainstreamig, aber immer instrumental. Heutzutage traut sich die rebellische Musikredaktion sogar manchmal an seichtere Titel der ROLLING STONES oder Speed-Stücke von Crosby, Stills, Nash & Young heran. Soweit so gut. Kürzlich aber sendeten diese Wahnsinnigen innerhalb von gerade mal gefühlten zwei Stunden sowohl Black Hole Sun als auch Smells Like Teen Spirit - beide vermurkst als seichte Smooth-Jazz-Nummern.
Vor Schreck habe ich beim ersten Aufeinandertreffen mit diesen Katastrophen das Lenkrad verrissen und wäre mit meinem Smart fast in die Bande gerauscht.
Wird denn vor nichts mehr Halt gemacht? Finden die das wirklich noch originell? Soll das lustig sein, oder gar erregend?
Lustig sind musikalische Verballhornungen von Truppen wie ELÄKELÄISET, die sich natürlich nicht scheuen, selbst unsterbliche Killer-Songs wie Breaking The Law oder Ace Of Spades als Polka zu interpretieren. Oder meinethalben auch HAYSEED DIXIE, denen Rock And Roll Ain't Noise Pollution und TNT im Gewand von reaktionärem Farmer-Scheiß aus der Mandoline dröhnt. Aber SOUNDGARDEN als leichte Jazz Unterhaltung?
Spannend und erregend war Anfang der 80er Jahre der Londoner Symphonic-Rock mit dem brachialen Cello-Intro von Whole Lotta Love. Aber NIRVANA verhunzt von leichtem Bläser-Ensemble?
Nein, diese Sachen sind weder lustig noch spannend noch erregend. Sie sind reine Zeitverschwendung. Überambitioniert und gruselig.
Wie geht es nun weiter? Werden wir bald gefoltert von einer Schwemme uralter Michael Jackson Songs, nachgespielt vom "Jazz-Quartett Radevormwald"? Es ist ungewiss, als was M.J. alles in die Geschichte eingehen wird (als erster wirklicher Transpigmenter, soviel ist mal sicher), aber selbst Songs wie Beat It oder Thriller haben es nicht verdient, so verunstaltet zu werden. Dann doch lieber kernige Interpretationen im hämmernden Industrial-Gewand oder gar als Black- oder Death-Metal Version (gut, das war jetzt etwas makaber).
Natürlich müssen die Genregrenzen durchlässig sein. Aber manche Sachen funktionieren eben nicht, egal wie stoisch intellektuelle aber ahnungslose Musikredaktionen diese Dinge immer wieder spielen.
Fast mag man an die Grenzen des guten Geschmacks appellieren.
Bleibt noch die Frage, warum die doch immer in den Virtuosenhimmel stilisierten und ach so tollen Jazzmusiker an solchen Stücke überhaupt herumfummeln. Ob Black Hole Sun auf der CD wirklich einen Kaufanreiz darstellt? Meinen die wirklich, jemand der noch alle Tassen im Schrank hat würde sich bei Amazon auf die Suche nach "dieser Jazz CD mit Soundgarden drauf" machen?
Eins haben sie allerdings erreicht: Nämlich, dass sich mache Leute den Feierabend um die Ohren schlagen, um sich über diesen Mist aufzuregen.
Vielleicht gibt es dort draußen wirklich jemand, der auf so ein Zeug steht. Und das ist ja das Tolle: Nichts für ungut! Jeder eben so, wie er mag.
Wünsche euch einen Hammer-Riff und inspirierte Musik.
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