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Editorial:
Informationspflicht |
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Sein wir doch mal ehrlich - die Repräsentanten der althergebrachten Religionen, heißen sie nun Mixa oder Kässmann, sind sie koptisch-orthodox und wollen nicht mit einer weiblichen Religionsvertreterin reden (weshalb Kässmann sich dann die Kante gab, um ihrer Kirche die Pein ihrer eigenen Demontierung zu ersparen!) oder bombig islamisch - laden ja nun wirklich nicht mehr dazu ein, sich den von ihnen gemanagten Läden anzuschließen. War auch früher schon immer Groucho Marxsches Gedankengut ein Quell von sicherlich angebrachtem Organisationspessimismus ('Dem Club, der mich aufnimmt, will ich sowieso nicht beitreten') und hätte jedem Beitrittswilligen vor der Tat zur Reflexion anleiten können, ist nun eine noch größere Skepsis diesen Heilsbringern gegenüber angesagt, denn man kann wohl nicht hoffen, dass das alles 'Ausreißer' waren, wie sich zumehmend zeigt. Nun ist der Mensch nicht gern alleine, und meint, irgendeinem Club angehören zu müssen. Angst mag da eine sicherlich oft uneingestandene Motivation sein - wie ein schmaler Balken, der auf dem Boden liegend von jedem beschritten wird, aber sobald er in einem Meter Höhe hängt und sich die vermeintliche Gefahr des Runterfallens einstellt, nur mit Hilfe von Stützen rechts und links begangen wird. Im realen Leben dienen die Regeln der Gruppe als diese Stützen. "Gut, Du gehörst zu uns, aber dann darfst Du kein (Substantiv)(Verb) - etwa 'Dickbauch sein'!" Das ist ja auch in Ordnung so, denn jeder soll ja nach seiner Facon selig werden. Was mir dann allerdings gegen den Strich geht, ist zum einen die SPIEGELisierung aller Informationen und Nachrichten - (Name) hat (Substantiv)(Verb), die besonders (Adjektiv) sind, aber dabei nicht (Substantiv) beachtet. , also etwa: "Ein Müller in Neustad hat eckige Brötchen gebacken, die sich wesentlich besser schmieren lassen als runde; allerdings steigt damit die Verletzungsgefahr, mahnen Experten." Das kommt dann unter der Burka 'kritische Berichterstattung' und damit 'Stütze bei der Orientierung in der modernen Gesellschaft' daher, und ist doch oft nur eine schlecht verhüllte Besserwisserei und Zeilenschinderei. Brauche ich nicht, danke. Aber noch weniger brauche ich die Expertenrunden und Gesundheitsapostel. Hier wird dem Leser/Zuschauer, der dem Lockruf des 'ewigen, richtigen, erfüllten, selbstbestimmten und folglich GLÜCKLICHEN Leben' folgt, vorgegaukelt, eben das sei erreichbar, oder doch zumindest fast. Alles klar? Wir heben den Balken ("Sich jeden Tag die Kante zu geben ist - das ist wohl auch dem größten Dummi klar - nicht so gesund") auf zwei Meter Höhe ("Alkohol ist ein Zellgift dass bei regelmäßiger Einnahme zur Lebensverkürzung führt!") und schon braucht man die 'Ja, wie viel darf ich denn trinken, wann bin ich denn aus dem Club der Ich-habe-es-im-Griffler in den Alkoholiker Club übergetreten?'-Stütze beim täglichen Lebenswandel. Mach Sport! Iß kein Fett! Trink mindestens eine Badewanne voll Wasser jeden Tag! Dusch Dich täglich, wasch Dir täglich die Haare mit diesem Shampoo.... Das ist dann oft alles 'medizinisch' überprüft oder - noch blöder - etwa 'von Zahnarztfrauen' empfohlen, oder von 'Managern getestet'. Und all die ganzen Tests können dann doch oft weder die Wirkungen bestätigen oder aber die Nebenwirkungen nicht rechtzeitig aufdecken. Aber dann kommt's erst noch - die Gegenseite rüstet auf: ach, das gehört zum Leben dazu, man muss auch genießen können, denn das zeigt, dass Du zur Gesellschaft der Arrivierten im Burberry Mäntelchen und mit Kenntnis des Abgangs von Chateau Pap dü Nöf gehörst - Du hast es geschafft! Und das alles im Fernsehen - täglich, Prime Time. Will ich nicht, brauch' ich nicht, macht mich nicht glücklich. Denn, ihr selbsternannten Experten und Apostel, befragt man zwei von euch zu einer Sache, kommt garantiert was Gegenteiliges heraus. So wie beim Crosscheck im Home of Rock - nur das wir gar nicht den Anspruch erheben, Heil bringen zu wollen. Und was ich auch nicht brauche ist, über das Privatleben - oder was vermeintliche Experten dazu zählen oder zu wissen glauben - unformiert zu werden. Aber lieber dieses seichte Geblubber als noch eine Expertenrunde. Nun könnte man sich dem ja einfach entziehen, aber damit haben die Big Boys ja gerechnet - der einfache Trick heißt Informationspflicht. Als moderner, aufgeklärter Bürger musst Du Dich täglich über Deine Umwelt informieren - dann bist Du ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Wie - Dich interessiert Politik nicht? Lasst uns das Lamento 'das dritte Reich passierte, weil sich die Menschen nicht informierten und dem Heilsbringer widerspruchlos hinterher liefen' starten, den Knüppel 'Staatsbürgerpflicht' rausholen, und gib ihm. Wirst Du Dich wohl informieren - es ist Deine Pflicht, die Gebrauchsanleitung des Lebens zu lesen (die Du von uns bekommst) und anzuwenden. Früher gab es Sünde und Ablass, heute Informationsverweigerung und SPIEGEL-Abo. Ich kündige meins, und versuche, mehr auf mich selbst zu hören. Wir brauchen wohl wieder mehr gesunden Menschenverstand, aber der Begriff ist ja auch negativ belegt - nicht einfach, das Leben. Und so endlich - am Ende sterben alle, nur der eine vielleicht etwas gesünder als der andere. Dietrich Gastrock, Artikelliste, 13.05.2010
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