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Rock'n'Roll mit Karl Moik

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Rockmusik und Fernsehen - zwei Welten prallen aufeinander. Verfolgt man die Geschichte mit ihren Anfängen bei den Öffentlich-Rechtlichen und später den Privaten, ist das Maß an Peinlichkeiten schier unerschöpflich. Was ist nicht schon alles darüber geredet und geschrieben worden? Und gab es auch hier & da einen oder mehrere Lichtblicke, die allgemeine Situation für den Anhänger der Home of Rock relevanten Töne blieb und bleibt bis heute unbefriedigend.

Was hat es nicht schon alles gegeben. Das eine oder andere blieb in der Erinnerung haften, über vieles hat sich der Mantel der Vergessenheit gelegt. Und das ist auch besser so, man wäre sonst vielleicht noch nachtragend und verweigert die Zahlungen an die GEZ. Oder verringert sie mit dem Hinweis auf die Freunde u.a. der Volksmusik, welche auffallend bevorzugt werden. Doch halt... wir blasen ja nicht ins gleiche Horn, sind tolerant und gönnen ihnen ihr Vergnügen (?). Irgendwann werden sie sich eventuell doch zeigen, die Spätfolgen. Trotz 25 Jahre Heavy Metal schlachte ich meine Hauskatzen immer noch nicht, doch was wird aus "Don't Kill Bambi"? Irgendwie sind wir doch alle gleich, gesoffen wird überall. Nur, wie verbinde ich Sex, Drugs & Rock'n'Roll mit Karl Moik? Komisch, ein Lemmy passt da überzeugender ins Bild. Nur leider wird der eben viel zu selten ins Bild gesetzt... doch, halt... neulich zu nachtschlafender Zeit bei VIVA. Aber da wird jetzt aufgeräumt, MTV hat die Machtzentrale übernommen. Aber mitten inne Nacht, dat geht doch nach wie vor. Die Rockers sind alle arbeitsscheues trinkfestes Gesindel, kleiden sich unanständig, erfreuen sich am puren Lärm und haben am nächsten Morgen genug Zeit um auszuschlafen. Obwohl, wovon bezahlen die eigentlich bloß die schweineteuren Konzerte, CDs, DVDs oder Lederjacken?

Ich versuche mich zu erinnern. Beat Club, Musikladen, Disco 71, 72 bis abgesetzt. Die Anfänge waren nicht immer die allerschlechtesten. Der Rockpalast kam auffe Bildfläche und das damalige westliche Deutschland hatte richtig was zu bieten und teilte dieses auch noch mit vielen anderen Ländern. Ganze Nächte, aber auch viele kleine Specials und Konzertmitschnitte. Doch irgendwann reichten die Einschaltquoten wohl doch nicht mehr, die Redakteure verschwanden entweder auf'm Altenteil oder in der Versenkung. Ende der Siebziger kasperte bereits ein gewisser Thomas G. auf dem Bildschirm und präsentierte uns freitags am Nachmittag Konsorten wie DR. FEELGOOD. Lee Brilleaux ist seit zehn Jahren tot, der Präsentator führt durch Mitklatschshows a la "50 Jahre Rock". Lang lebe Rockmusik, und wenn auch es nur die softere Variante ist. Seltsam, der Herr G. ist auch da anzutreffen. Ist Peter Rüchel wirklich so un-fotogen?

Ronny's Popshow, Plattenküche, Formel 1... wer will da meckern?
Hey, man kann doch nicht alles mögen. Reichen maximal zehn Prozent nicht? Dann kauft Euch doch Videos! Die schießen in den Achtzigern wie Pilze aus dem Boden und kosten anfangs reichlich Asche. Für das was wir (ja, war noch einer daran beteiligt - der schämt sich jetzt vielleicht...) seinerzeit für JUDAS PRIESTs "Live In Memphis" über die Ladentheke haben wandern lassen, hätte man getrost seine Angebetete fürstlich ausführen können. Aber nee, wat ham wa gemacht? Video innen Schacht und Kiste Bier unterm Tisch. Endlich den Grund für späte Ehe und Kinderlosigkeit herausgefunden...

Die Achtziger bescherten unsereiner im Dezember 1983 eine in Metalkreisen legendäre Veranstaltung. Im Rahmen der ursprünglich samstags um 19.30 Uhr ausgestrahlten RockPop Sendungen (u.a. mit VAN HALEN, KROKUS, ULTRAVOX) veranstaltete das ZDF über zwei Tage lang ein unvergessenes Event. RockPop "Heavy Metal" mit IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, Ozzy Osbourne, SCORPIONS, DEF LEPPARD und einigen anderen Acts der damaligen Szene. Im Jahr zuvor gab es STATUS QUO, ZZ TOP, HEART, JETHRO TULL und SAXON. An einem Tag!! Auch Acts wie FOREIGNER oder U2 (die einen sagenhaften Gig hinlegten) schauten vorbei.
Leider versandete das alles wieder, und die Samstage verkamen immer mehr zu Volksmusikantentümelei oder verkrampften Playbackshows dargeboten von Leuten, die ebenso den Blauen Bock hätten präsentieren können. Obwohl, Heinz Schenk und Reno Nonsense (schreibt der sich jetzt so?) sind schon beinahe kultig. Jau, Heinz Schenk proudly presents Motörhead, das wär's!!

Die ersten Schritte der Privaten bescherten dem Hard'n'Heavy der späten Achtziger dann sogar einige unerwartete Bonbons. War das jetzt eigentlich Tele 5, wo uns eine Sabrina Claassen gemeinsam mit einem nicht ganz schlanken bebrillten Typen Videoclips präsentierte? Und verflucht noch eins, war das RTL, bei dem ein Typ ohne Waschbrettbauch namens Götz Kühnemund das eine oder andere Interview führte bzw. Video ansagen durfte? Vergessen, allzu lange hat's auch nicht gedauert, und dann war Schluss mit lustig bzw. heftig.

Wir schreiben 1990/91. Boah ey, die Amis ham MTV und wir nicht. Die gucken Headbanger's Ball und wir nicht. Stundenlang die neuesten Videos, alte Schinken und metallische News aus aller Welt. Geil, und Vanessa Warwick kommt auch besser (... rüber) als Carolin Reiber.
Eines Tages ist man auch endlich verkabelt und hat e-n-d-l-i-c-h einen Musiksender. Rund um die Uhr. Allerdings... so ganz rund läuft's für den Rockmusik interessierten/geprägten/beeinflussten was-weiß-ich-auch-immer-wen dann doch nicht. Klaro gibt es Headbanger's Ball, wenn auch etwas spät am sonntäglichen Abend zur Geisterstunde.
Aber wie war das noch? Die können ja eh auspennen! Und wenn nicht? Egal, mit denen kann man's eh machen. Sind geduldig, nehmen vieles auf sich und sind obendrein ein dankbares Publikum. Kaufen die ältesten Schinken, braucht man nicht mal ein Video. Darum werden auch die Charts rauf und runter gedudelt, und wenn die Erbrechensgrenze naht, kommt schnell was rockiges, bevor das Laufvolk bedient wird.
Nun ja, abends wurde es zuweilen besser, "alternative Sounds" hieß das Zauberwort. Gut, da wurde das Nicht-Top-50/100-Individuum besser bedient, doch so manche Frage blieb offen. Bluesrock? Wat 'n dat?

Irgendwann in den Neunzigern startet VIVA, neue Hoffnung keimt. Die Vorsätze des Dieter Gorny mögen die Besten gewesen sein, doch letztendlich muss so ein Sender eines tun, nämlich Kohle einspielen. Und die spielt man halt mit den Charts ein. OK, ein Album wie "Back In Black" verkauft sich jedes Jahr zigfach, aber es ist eben kein Chartfutter. Es vertickert sich von selbst, also warum Clips? Und überhaupt, so ein Clip wie You Shook Me All Night Long mit ner vollbusigen Blondine (was auch sonst?), wer will das sehen?
[W-I-R! Her damit, Du schreibender Schuft! Vielleicht kriegst Du dafür im Gegenzug "Whole Lotta Rosie" von uns... Red.]
Nur, schaue ich heute in die Kiste, was muss ich erblicken? In ca. jedem zweiten Video Silikonmöpse, die um irgendwelche Goldkettchen tragende, dicke Autos fahrende Knilche herumwedeln. Joh man, that's cool. Ist es das wirklich?
Da fuchteln Typen mit ihren Händen in der Luft herum und ich weiß nicht so recht warum. Vielleicht weil ich die Sprache nicht verstehe. Obwohl, mein Englisch ist so schlecht auch wiederum nicht, es reicht für den sogenannten Hausgebrauch. Nur, vielleicht bin ich zu alt... oder, ich kapiere die Texte nicht, weil ich kein Bewohner der Bronx bin. Oder nicht aus L.A. stamme. Es gibt so viele gute Musik schwarzer Musiker, ihr Einfluss auf den Rock ist unermesslich. Was sehen wir? Früher um brennende Mülltonnen breakende Dancer, heute häufig dicke Autos und Yachten mit Leuten, deren Welt ich nicht verstehe. Ich bin kein Rassist, ich bin kein Nationalist, ich freue mich über gute Musik aus aller Welt. Aber langsam stimme ich für Quotenregelung. Löblich, dass deutscher Rap/Hip Hop bei MTV und Konsorten erwähnt wird. Man muss anerkennen, er ist besonders textlich oft hervorragend präsentiert.

Der Medienkonzern Viacom, zu dem MTV gehört, übernahm Mitte des Jahres 2004 97,82 Prozent der Viva Media AG (Quelle: TV Today). Die Folge ist, Viacom gehören vier Sender in Deutschland: MTV, MTV 2, Viva, Viva Plus. Chefin des Ganzen ist eine Schweizerin namens Catherine Mühlemann, 38 Jahre alt und Mutter eines zehnmonatigen Kindes. Lt. Presseberichten entscheidet diese Frau fortan, was wir sehen dürfen.

Fakt ist, der Musikindustrie geht es schlecht. Ob selbstverschuldet oder nicht gäbe genügend Stoff für ein großes Editorial. Die Verkäufe sinken und sinken, und vier Musikkanäle rechnen sich nicht. Wen wundert's? Beim Zappen stelle ich bisweilen fest, dass auf mehreren Sendern der gleiche Clip läuft. Nun gut, bei Hunderten von Beschäftigten (wofür eigentlich?) kann schon mal die Übersicht verloren gehen. Zu viele Köche verderben den Brei... und überhaupt, wenn ich kochen will schaue ich Tim Mälzer oder Alfred Biolek. Köstlich, köstlich.
Nun wird also "gesundgeschrumpft". Entlassungen im großen Stil sind unvermeidbar. Und Umstrukturierungen vorhersehbar.

Viva soll weiblicher werden. Angepeilt ist eine Zielgruppe von Mädchen und jungen Frauen von 10 bis 29. Musikshows, Eigenproduktionen und Chartsendungen mit deutschen Popgrößen und internationalen Stars sollen wieder Gewinne einspielen. MTV peilt 16 bis 25-jährige Jungs an, die Jackass etwas abgewinnen können, Ozzy Osbourne lustig finden (Headbanger aller Länder, sofern es Euch gibt, findet Ihr das wirklich auch?) und laute Gitarren, starke Posen und viel Bier bei Acts a la SUM 41 oder Papa Roach mögen (Headbanger, seid tolerant. Man kann's hören...).
Nun ja, tolerante Musikliebhaber die bei Charlotte Roches "Fast Forward" auf ihre Kosten kamen, gucken demnächst sprichwörtlich in die Röhre. Ende 2004 ist Schluss, trotz Grimmepreis-Dekorierung. Vielleicht zu eigenwillig und einzigartig, und das ist nicht unbedingt eine Eigenschaft, welche junge dynamische Manager(innen) zu schätzen wissen. Unser täglicher Broterwerb bringt Erfahrungen mit sich, die das stets aufs Neue bestätigen.

Wir wollen (?) berieselt werden. Darum talkt Sarah Kuttner zukünftig statt fünf- nur noch zweimal wöchentlich. Besonders Viva hat in den Jahren seiner Existenz so manchen Star hervorgebracht, die/der durch die harte Schule "Dauerpräsenz" ging und sich noch wirklich etablieren musste. Gefallen ist zwar Geschmackssache, Fakt bleibt jedoch, dass es nicht ganz einfach ist, jeden Tag einem Millionenpublikum Neues zu servieren.
Dass auf Persönlichkeiten anscheinend weniger Wert gelegt wird, bestätigen die geplanten Umstrukturierungen. Eine graue austauschbare Masse, die Gewinne einspielen soll erwartet uns, sofern man noch nicht völlig den Glauben aufgibt.

Egal ob die Chefin aus der Schweiz, Taka-Tuka-Land oder diesem unserem Lande stammt, egal ob's Frau oder Mann ist, Fakt scheint zu sein, dass sich letztendlich wieder einmal in Sachen Rockmusik nur geringfügig etwas ändern wird und Leute ab spätestens Jahrgang 1970 kaum berücksichtigt werden. Geben die wirklich so wenig Geld aus? Seltsam, an den Kassen diverser Verkaufsetablissements sehe ich Gesichter, die schon einige Spuren aufweisen. Oder altert man heute schneller, trotz diverser Hilfsmittel?

Man hat mich gelehrt, immer an das Gute im Menschen zu glauben. Oder ich solle mich mal überraschen lassen. Sprüche die einen durchs Leben begleiten, wie seit Ewigkeiten eine Richtung der Musik, die Millionen von Menschen jeden Tag auf ein Neues begeistert. Mit und ohne privaten Musikkanälen, mit und ohne öffentlich-rechtliche Anstalten. Es kann, vom derzeitigen Standpunkt aus gesehen, nur besser werden.
Wünschen wir Frau Mühlemann viel Glück bei ihrer Aufgabe, die Musikkanäle aufzupeppen. Und wenn neben Millionengewinnen ein wenig mehr auch die Randgruppe der Home of Rock kompitablen Seher-/Hörerschaft erreicht wird, sei ihr unser aller Dank gewiss.

An dieser Stelle ein weiterer Dank an TV Today, welche in diesem Artikel mehrfach zitiert wurde und als Quelle und Inspiration diente.

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 16.12.2004

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