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Revelator

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Revelator
Revelator, Sony Masterworks, 2011
Susan Tedeschi Vocals, Guitar
Derek Trucks Guitar
Oteil Burbridge Bass, Guitar (Shelter)
Kofi Burbridge Hohner Clavinet, Hammond B3 Organ, Wurlitzer, Grand Piano, Fender Rhodes, Flute, Bass (Shelter)
Tyler Greenwell & J.J. Johnson Drums, Percussion
Mike Mattison & Mark Rivers Harmony Vocals
Kebbi Williams Saxophone
Maurice Brown Trumpet
Saunders Sermons Trombone
Gäste:
Olive Wood Vocals (Ball And Chain)
Alam Khan Sarode (These Walls)
Salar Nader Tabla (These Walls)
Eric Krasno Acoustic Guitar (These Walls)
David Ryan Harris Guitar & Vocals (Love Has Something Else To Say & Shelter), Harmony Vocals
Ryan Shaw Harmony Vocals
Produziert von: Jim Scott & Derek Trucks Länge: 61 Min 23 Sek Medium: CD
1. Come See About Me7. Ball And Chain
2. Don't Let Me Slide8. These Walls
3. Midnight In Harlem9. Learn How To Love
4. Bound For Glory10. Shrimp And Grits
5. Simple Things11. Love Has Something Else To Say
6. Until You Remember12. Shelter

Nach zehn Jahren Ehe, zwei Kindern und vielen gemeinsamen Konzerten haben Susan Tedeschi und Derek Trucks ihre eigenen Projekte auf Standby gesetzt und als TEDESCHI TRUCKS BAND ein Album eingespielt. Ende der Sachlichkeit.
Die Nachricht, dass mit "Revelator" ein Tedeschi/Trucks-Werk erscheint, brachte den Verfasser auf den Gedanken, dass der Begriff "Ehegattensplitting" neu definiert werden muss: Tedeschi übernimmt die langweiligen Songs, Trucks die fudeligen. Das ist böse, natürlich, aber was Derek Trucks in den vergangenen Jahren bei den ALLMAN BROTHERS und mit seiner eigenen Band veranstaltet hat, war, gelinde gesagt, nichts für schwache Nerven, und Gattin Susan, die Schöne mit der großen Stimme, hatte auf ihren CDs meist ein paar Schlaflieder zu viel. Entsprechend riesig war die Vorfreude auf "Revelator", der Tenor der CD-Besprechung war im Geiste nach zwei Minuten fertig: Hyperaktivität meets Tiefenentspannung.
Hoch lebe das Vorurteil, denn nur mit einer ordentlichen Portion Voreingenommenheit kann man positiv überrascht werden.

Die TEDESCHI TRUCKS BAND ist ein großes Orchester, das Coverbild zeigt 11 Leute. Solche Großunternehmen waren noch nie leicht zu führen, wirtschaftlich ist es normalerweise Selbstmord, aber der inzwischen 32jährige Trucks hat natürlich einen soliden Hintergrund und macht in seiner nüchternen Art nicht den Eindruck eines Hasardeurs. Frau Tedeschi kann man sich ohnehin gut bei der Gartenarbeit oder am Grill vorstellen, jedenfalls klingt ihre Stimme ganz und gar nicht nach High Society und Paris-Hilton-Getue. Was die nur an dem blässlichen Buben so toll findet? Es wird doch nicht sein freundliches, weltoffenes Wesen sein? Oder sein in den besten Momenten geniales Gitarrenspiel? Und was haben die beiden aus "Revelator" gemacht, um dem nörgelnden Kritiker den Spaß so gründlich zu verderben?

Tedeschi Trucks Band

In erster Linie ist "Revelator" ein wunderschönes Album ohne jede künstliche Aufgeregtheiten geworden. Derek spielt für seine Verhältnisse wenig, das aber punktgenau und ganz in der Tradition seiner großen Vorbilder - die Herren Duane und Dickey sind allgegenwärtig. Susan intoniert überwältigend wie immer, lässt sich nur ganz selten zu einem Schuss Blues-Pathos zu viel hinreißen und groovt ansonsten perfekt im Zusammenspiel mit der Band. Die Band selbst nutzt ihre Möglichkeiten aus, macht aber niemals den Eindruck eines außer Kontrolle geratenen Jam-Orchesters, sondern begleitet die Songs zweckdienlich, technisch auf allerhöchstem Niveau und vor allem unaufdringlich, manchmal wünscht man sich sogar einen richtigen Ausbruch eines Soloinstruments.
Bis hierhin ist "Revelator" eine Top-CD, die jeden Output der ALLMAN BROTHERS mit Trucks meilenweit in den Schatten stellt, auch produktionstechnisch. Das hilft aber alles nichts, wenn die Songs nicht passen. Und tatsächlich, drei, vier Nummern sind dann auch wirklich fad (jedoch keineswegs misslungen). Aber es gibt 12 Werke auf "Revelator", und damit ist das 2/3-Klassenziel ganz locker erreicht. Ganz egal, ob Derek brilliert, Susan bezaubernd ihr ganzes Stimmvolumen ausspielt, Oteil Burbridge unerhörte Basslinien aus den Tiefen seiner vier Saiten lockt oder Bruder Kofi die Orgel singen lässt, der überwiegende Teil des Albums ist einfach großartig geraten. Nicht unwesentlich daran beteiligt sind die geschmackvoll gesetzten Percussion-Tupfer. Das alles ist schön. Wirklich sehr schön. Und gekonnt. Und mit viel mehr Seele, als man erwarten konnte.

Nach "Revelator" muss der Skeptiker Abbitte leisten und zugeben, dass der erwachsen gewordene Trucks jetzt in der Liga der ganz Großen mitspielt. Da passt so gut wie alles zusammen, es nervt nichts, dafür bluesrockt, groovt, jamt und soult es aus allen Poren der Platte, die es übrigens stilecht auch auf Vinyl gibt. In dieser Form dürfen uns Susan und Derek noch oft beglücken.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.06.2011


 
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