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Jo Colombo

Deltachrome

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Deltachrome
Deltachrome, Eigenvertrieb, 2009
Joe Colombo Electric & Acoustic Resonator Guitars
Franco Campanella Vocals
Gian-Andrea Costa Bass
Rocco Lombardi Drums, Backround Vocals (Tell Me)
Produziert von: Jo Colombo Länge: 39 Min 32 Sek Medium: CD
1. Deltachrome7. Be My Baby
2. Justify8. Upside Down Blues
3. Big River Blues9. Southern Lullaby
4. Tell Me10. Cold Night
5. It's Comin'11. The Farm Song
6. By My Side

Junge, das ist aber scharfer Bluesrock. Jo Colombo … hmm … noch nie gehört. Das kommt aber sowas von garantiert aus Texas. Houston, oder so, hmm … aufgenommen in der Schweiz? Na gut, aber dieser Sänger, bei dem Joe Cocker die Tränen der Rührung in die Augen treten, der heiß doch sicher Wild Jack… Franco Campanella? Hey, Frankie, how ya doin', oder wie? Na schön. Aber diese Rhythmus-Sektion, das sind nun garantiert zwei Tex… Italiener? Rrocco und Gian-Andrea? Was ist das hier - die romano-schwyzerische Verschwörung zur Übernahme der Blues-Weltherrschaft?

Gut also, in die Tone mit den Vorurteilen. Tatsächlich ist das hier die dritte CD dieses jungen Talents, und leider sind die ersten zwei - "Bottleneck And Snakehead" und "Natural Born Slider" - out of print. Wer den auf der Site zu hörenden Song Tequila Shot hört, weiß, warum die CD "... Slider" heißt. Dort steht auch die Bio von Joe (ja, das mit dem 'e' steht da so), dass er in ganz jungen Jahren schon Gitarre gespielt hat, die üblichen Verdächtigen zu seinen Vorbildern zählt, in den Staaten mit Terry Evans, Ry Cooders Sänger, aufgetreten ist - und wirklich und wahrhaftig Schwyzer ist.

Gut also, auch andere gute Musiker kommen aus dem Land in den Bergen, warum nicht auch ein Blueser? Nachdem Jo sich also mit einigen Fingerübungen bei den Tracks Deltachrome und Justify warm gespielt hat, folgt der Einsatz des Sängers Franco, und: Mann, hat der ein Stimme. So etwas von Intensität hört man selten - nur der junge Gregg Brooks der BROTHERS BROOKS hat mich ähnlich beeindruckt - und der hier, unser Franco, ist noch besser.
Die Rhythmus-Sektion übrigens verrichtet eine wahrlich flexible und gute Arbeit und hält nicht nur einfach den Takt - extrem unterhaltsam, Tempo- und Themenwechsel wie man sie sonst beim Blues eher selten hört. Hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen gibt es wohl auch musikalische Riesen...

Ein Showcase in Sachen "Jos Band zeigt's dem Blues" ist der Big River Blues, und Jo bezaubert an der Wah-wah und an der Slide - und an der Slide ist er ein ruppiger Meister. Nicht der zarten Spielweise zugeneigt - also kein Gregg oder Lowell - jagt und zirpt und 'tremolot' er sich durch vier Minuten allerfeinsten Bluesrock - aber der geheime Star ist Franco. Trotzdem - ein Wahnsinn. Zwar werden auch alt- und lieb gewonnene Bluesphrasen aufgewärmt, aber so mit Eigenem verwoben, dass es eine Freude ist. Tell Me ist ein Up-Tempo Blues, der wunderbar mit dem Takt spielt und die Rhythmus-Sektion gegen den Strom schwimmen lässt, bis Jo wieder seine Slide durch die Amps jagt. Auch It's Comin' variiert geschickt alte Bluesthemen und Eigenkreation, und die akustischen Töne auf der Resonator Gitarre hier und im wundervollen By My Side erinnern an SKYNYRDs guten alten Curtis Loew: "Ole Curtis was a black man with white curly hair, he used to own an old dobro, … used to play it over his knees, … play me a song, Jo!"
Ein weiteres Highlight ist die akustisch beginnende, sich langsam steigernde Ballade Southern Lullaby - sehr atmosphärisch und dicht. Etwas Country Picking beschließt das Oeuvre mit The Farm Song, hat doch die Cold Night sehr rockig und abwechslungsreich vorher noch die Gemüter gewärmt.

Tja, ihr Blueser und Musikliebhaber, da muss man wohl wieder mal einige Euros investieren. Prädikat 'Mussischhabn'.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 25.06.2010


 
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