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| Dirty 'n' Young, Rude Records/Remedy Records, 2010 |
| Tim Dammann |
Vocals |
| Sebastian Kranke |
Lead Guitar |
| Tommy Lindemann |
Rhythm Guitar |
| Wolfgang Pohl |
Bass, Backing Vocals |
| John Kölln |
Drums |
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Länge: 47 Min 34 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Booze, Blood, Blackout | 7. Rock 'n' Roll Rebel |
| 2. Demon In The Glass | 8. Hellhouse |
| 3. I Sold My Soul | 9. Walking Talking Sexmachine |
| 4. Devil's Bitch | 10. I Don't Care |
| 5. Doin' Well, Raisin' Hell | 11. Unlocked 'n' Loaded |
| 6. Dirty 'n' Young | |
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Diese jungen Hamburger greifen so derbe in sämtliche herumstehende Klischeetöpfe, dass man beinahe ins Grübeln kommt. HARDBONE heißt die Band, "Dirty 'n' Young" die CD, Booze, Blood, Blackout oder Rock'n'Roll Rebel die Songs, auf dem Cover hocken fünf mehr oder weniger bemüht finster blickende Vögel mit Bierflaschen in einem uralten Schlampenschlepper und prompt steht die zugehörige - hähäh, ne, keine Blondine - rothaarige Bordsteinschwalbe mit ihrem knackigen Hinterteil genau im Bild. Also echt, das hatten wir alles schon so oft, dass es nicht mehr zieht, und vor allem wollten die meisten dieser Bands eh nur von ihrem mangelhaften Können ablenken.
Wenn dann noch im Infotext steht: "Dieses Album wird in der Hard Rock Szene mit gewohnt bierschwangerem, Riff basiertem Rock'n'Roll der alten Schule für Wirbel sorgen", geht der Kenner auf die Knie. Nicht vor HARDBONE, sondern vor seinen CD-Schränken, denn sowohl die Kapellen mit O als auch die mit R lagern zufällig in Bodennähe - man hat ja inzwischen ungefähr einen halben Regalmeter auf zwozwanzig Höhe für jeweils zwei oder drei Buchstaben rumstehen (M, N und O hinter der wuchernden Zimmerpalme, P, Q und R sind vom Bon-Scott-Poster halb verdeckt). Im Grunde sollte man aufhören Musik zu sammeln und endlich die Bücher aus dem anderen Zimmer lesen. Aber vorher könnte man noch mal ROSE TATTOO und OHRENFEINDT hören. Die einen aus Nostalgie, die anderen um sich auf die anstehende Tour einzustimmen, beide weil sie diesen oben angekündigten Rock & Roll perfekt können. Aber HARDBONE? Muss man die hören? Später vielleicht, nach einem Feierabendbier. Oder zwei. Walking Talking Sexmachine klingt ja nun echt nicht nach dringendem Hörbedarf - hat aber eine astreine Angus-Leadgitarre, wie man später erfährt. Don't you bother me with your boring stories!
Später am Abend.
Das "Making of" Video bei MySpce ist wirklich witzig und charmant, die Jungs haben die korrekten T-Shirts an (trinken allerdings blassgelbe Plörre aus Weizengläsern) und rocken ganz gut in den kleinen Einspielungen. Also ran an die CD.
Man braucht sich keine Hoffnungen machen, dass auf "Dirty 'n' Young" auch nur ein halber neuer Ton zu finden wäre, aber nach gut 45 Minuten muss man sagen, dass der frühabendliche tiefe Griff ins Plattenregal nicht zu hoch gegriffen war, denn diese Bubis haben offensichtlich gut aufgepasst bei Papas früheren Lärmexzessen. Das klingt doch sehr echt und ehrlich und vor allem richtig amtlich.
Etwas anderes als Vollgas kommt nicht von HARDBONE, das ist soweit auch okay, wir sind ja nicht zum Schunkeln hier, aber der Einstieg Booze, Blood, Blackout ist nicht der Überheuler. Da fehlt es vielleicht noch an ein wenig Ohrwurmerfahrung der Songwriter. Aber dieses Demon In The Glass, ja, das kann schon deutlich mehr. Abfahrt! Vor allem klingt der Schreivogel Tim Dammann etwas, nun ja, entspannter, will heißen: Brüllen ist gut, aber übertreiben muss auch nicht sein. Gebt ihm Rhythm, gebt im Melodie, dann ist der Kleine fast schon ein Großer. Mit Blendi hat der sich jedenfalls nie die Milchzähne geputzt.
Schön an "Dirty 'n' Young" ist, dass es zwar klassischer Schweine-Rock'n'Roll ist, aber immer der Linie der wirklich großen Vorbilder treu bleibt. Einflüsse irgendwelcher skandinavischer Dauertrinker kann man kaum erkennen, dafür umso mehr Kopf-runter-und-durch-Power à la ROSE TATTOO. Da kann Herr Tim dann schon mal richtig glänzen, wie im kräftigst gerifften I Sold My Soul. Der Vergleich mit einer gewissen LP von 1978 fällt nicht unbedingt zu Ungunsten der Hamburger aus.
Nochmal: Eine junge Band kann mit ihrer ersten CD in aller Regel nicht durchgehend allerhöchstes Niveau gehen. Es wäre vermessen dies zu verlangen, außerdem sind die meisten Wunderkinder mit einem Weltklasse-Debüt in der Vergangenheit viel zu schnell wieder in der Versenkung verschwunden oder gar verreckt (THE FOUR HORSEMEN), insofern soll man sich bei HARDBONE einfach über solche Druck-Rocker mit Boogieschub wie Doin' Well, Raisin' Hell freuen und die zwei, drei, vielleicht vier durchschnittlichen Nummern als Jugendsünde abtun. Als Entschädigung erhält man immerhin ca. 7 ½ richtige Knackwürste mit ordentlich scharfem Senf.
Um noch mal auf das erwähnte "Making of" Video zurückzukommen: Dumpfbacken sind die fünf Jungspunde nicht. Die können durchaus artikuliert sprechen und haben Spaß in den Backen. Dass auch kluge Jungs anständigen Proll-Krach mit unanständigen Texten machen können stimmt zuversichtlich. Irgendwie ist I Don't Care also programmatisch. Recht so!
Annähernd 35 Jahre nach der Erfindung von ROSE TATTOO ist "Dirty 'n' Young" weit weg von Innovation und Zeitgeist, aber es ist Rock & Roll der immerwährenden Sorte - sehr laut, sehr dreckig, sehr unterhaltsam, sehr geil.
Wenn HARDBONE bei der Stange bleibt, haben wir acht Jahre nach OHRENFEINDT und sieben Jahre nach KICKHUNTER eine neue Oberligakapelle aus Hamburg gefunden.
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