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Opus Eponymous

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Opus Eponymous
Opus Eponymous, Rise Above Records, 2010
??? Guitar, Bass, Drums, Vocals, Keyboards, Chants
Länge: 35 Min 44 Sek Medium: CD
1. Deus Culpa6. Satan Prayer
2. Con Clavi Clon Dio7. Death Knell
3. Ritual8. Prime Mover
4. Elizabeth9. Genesis
5. Stand By Him

Wir hatten in den letzten Monaten auffällig viele christliche Bands im Home of Rock, da sollte man doch auch endlich mal wieder dem Gehörnten eine Chance geben. Und das tun wir in unvergleichlich objektiver Weise natürlich gerne.
GHOST heißt die Band mit den sechs Mitgliedern, die allesamt drei Fragezeichen anstatt ihres Namens bevorzugen. Oh, wie mysteriös, wie okkult, wie gruselig, wenn nicht sogar teuflisch. Nur originell ist es nicht.

Haben Sie schon mal von der Band COVEN gehört? Eine kalifornische Band, die sich schon 1967 dem musikalischen Satanismus hingab und den Song Black Sabbath sowie einen Bassisten namens Oz Osborne und die schöne Sängerin "Jinx" Dawson im Repertoire hatte. Ach, nicht? Nun ja, muss man nicht, aber die psychedelischen Elemente dieser Ur-Hippie-Satanisten haben die Schweden von GHOST ganz gut verarbeitet.
Von KING DIAMOND, MERCYFUL FATE und BLUE ÖYSTER CULT hat jeder schon mal gehört. Die beiden letztgenannten hinterlassen auf "Opus Eponymous" überdeutliche Spuren, unter anderem im Song Ritual, der beinahe schon eine Kopie von M.F. mit BÖC-Groove ist. Und Orgeln gibt es, und einen Sänger der richtig singen kann und offensichtlich PINK FLOYD mag, und zum Teil ganz wundervoll herausgearbeitete Gitarrenpassagen mit dem ASH-Flair ebenfalls, und eine Menge Melodie gibt es obendrein. Tja, und leider auch einen Haufen bescheuerter Songtitel und Texte auf dem Niveau 16jähriger Gymnasiasten bei ihrer ersten Schwarzen Messe auf dem Dorffriedhof nachts um halb 12.

"Opus Eponymous" ist als CD ein gut gespieltes und gut produziertes Werk. Die alberne Anonymitätsnummer geht als Promotiongag durch und der Mummenschanz mit Papstverkleidung und, haha, umgedrehten Kreuzen karikiert jeden Urbi et Orbi unseres Chefinquisitors Ratzinger bestens - allerdings ist der Vatikan weitaus unheimlicher als GHOST oder jede andere Band es je sein könnte (außer es handelt sich um schwerkriminelle Gewalttäter und Nazis, aber die kommen bekanntlich meist aus Norwegen).
Die grundsätzliche Kritik an GHOST ist simpel: "Die drei ???" sind in jeder einzelnen Hörspielkassettenfolge spannender und aufregender als dieser banale Satanistenkram, den man spätestens mit 17 auf eine Stufe mit jeder anderen Sekte gesetzt hat. Falls nicht, sollte man dringend Rat bei einem guten Psychologen suchen. Mir geht das Geheule von Satan und 666 und sonstigen teuflischen Umtrieben jedenfalls gehörig auf den Zeiger. Da waren die Texte von BLACK SABBATH doch deutlich subtiler. Und bösartiger. GHOST sollten weiterhin guten psychedelischen Black-Powerpop-Metal machen, gerne auch mit der Maskerade, die live ohne Zweifel gut kommt, aber eben bitte ohne diese todlangweiligen Teufelsbeschwörungen, die bis zum nächsten Weltuntergang (und darüber hinaus) nur Spinner toll finden werden. Diese Musik funktioniert auch bestens mit Texten über die in der Welt stattfindenden Sauereien, da muss man sich beileibe nicht zum Büttel lächerlicher Symbolismen machen.
Musik: Volltreffer
Drehbuch: Totalschaden

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.01.2011

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