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Bachman & Turner

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Bachman & Turner
Bachman & Turner, Cadiz Music, 2010
Randy Bachman Vocals & Lead Guitar
C.F. Turner Vocals & Bass
Mick Dalla Vee Background Vocals & Guitars
Brent Knudson Background Vocals & Guitars
Marc Lafrance Background Vocals & Drums
Denise McCann Bachman Background Vocals
Todd Sorensen Extra Drums
Produziert von: Randy Bachman Länge: 59 Min 25 Sek Medium: CD
1. Rollin' Along8. Can't Go Back To Memphis
2. That's What It Is9. Rock And Roll Is The Only Way Out
3. Moonlight Rider10. Neutral Zone
4. Find Some Love11. Traffic Jam
5. Slave To The Rhythm12. Repo Man
6. Waiting Game13. Slave To The Rhythm (UK Radio Mix)
7. I've Seen The Light

So so, Randy Bachman und Fred Turner sind wieder zusammen. Als BACHMAN & TURNER. Das ist ja mal nett. Gefühlte 279 Magazine werden in den nächsten Wochen den Kalauer "Wo ist der Overdrive" bringen. Wir hingegen kennen diesen Herrn O. gar nicht und Fred Turner bezeichnet ihn gerne als "Overaged".
Aber ernst. Hat wirklich irgendjemand auf eine Reunion der so lange entzweiten Kreativköpfe der Seventies-Erfolgsband BACHMAN-TURNER OVERDRIVE gewartet? Die Homepage mag es uns auf jeden Fall glauben machen (von wegen "After many years of fan demand" etc. blabla). Um das mal klarzustellen: Nein, kein Mensch hat auf diese Reunion gewartet. Wir besitzen schließlich die essentiellen Platten von 1973 bis 1977, die Sammler auch die in den obskursten Besetzungen erschienen Live-CDs. BTO gehört in die Oldie-Ecke. Basta.

Aber warum plärrt einen dann dieser Charles Frederick Turner, immerhin gestandene 67 Jahre alt, dann plötzlich an wie vor 3 ½ Jahrzehnten? Warum stampft Rollin' Along wie direkt von "Not Fragile" entsprungen? Hallo, das ist nicht altersgerecht!
"Bachman & Turner" ist ein Album, das die beiden Veteranen ganz genau so 1975 oder 1977 hätten einspielen können, da besteht kein Zweifel. Sogar der Aufbau, sprich die Platzierung der Songs, entspricht größtenteils den von BTO bekannten Vorgaben: straighte Simpel-Rocker wechseln sich ab mit "Anspruchskompositionen". Und das ganz ohne sonstige alte Bandmitglieder, schon gar nicht mit Randys Brüdern Robin und Tim Bachman, die alle drei untereinander komplett zerstritten sind. Robin, der ehemalige Schlagzeuger, lässt keine Gelegenheit aus, Randy als zweifelhaften Charakter zu bezeichnen und hält Tim für einen musikalischen Dilettanten, der wiederum seit 2009 ein massives Problem wegen einem nicht näher bezeichneten sexuellen Übergriff auf eine Minderjährige hat und sich deswegen wohl vor Gericht verantworten muss. Nette Familienbande…
Randy Bachman und Fred Turner waren sich über Jahre auch nicht grün, Turner hat sich vor einigen Jahren aus dem Musikgeschäft verabschiedet, zeigt sich jetzt aber "grateful to have this chance" und dankt Bachman ganz sakrisch. Vielleicht wird man nie erfahren, warum ausgerechnet jetzt "Bachman & Turner" entstanden ist, naheliegend wäre natürlich eine gewisse finanzielle Motivation, aber mit Plattenverkäufen ist heutzutage nicht mehr viel zu verdienen, eher schon mit der angekündigten "Welttournee". Beim Sweden Rock Festival 2010 gab es einen amtlichen Auftritt in der Besetzung, die auch das Album einspielte. Es handelt sich um Bachmans langjährige Live-Band, die allerdings bisher nicht auf CD zu hören war. Die Songs sind übrigens bis zu acht Jahre alt, die beiden Helden hatten wohl noch einiges auf Halde.

Was können die zwei Veteranen also noch anbieten? In erster Linie natürlich klassischen Bachman-Turner-Rock mit den gewohnten Hooks und, überraschender, tatsächlich nicht weniger Power als in der Steinzeit. Fred Turner brüllt entgegen seinem doch sichtlich ergrauten Äußeren haargenau wie damals, Randy Bachman spielt nach wie vor eine mehr als gute, nämlich eine messerscharfe Gitarre und das Hit-Potenzial, das man früher bei BTO oftmals abfällig als Pop-Appeal bezeichnete, ist immer noch da. Ein Mitklatsch-Kracher wie Rock And Roll Is The Only Way Out wäre 1977 in die Charts geschossen, heute kann man sich nur mehr darüber freuen, denn die Hitparaden sind weit entfernt und so gut wie niemand mehr macht solche Musik. Das ist Musik für Leute, die Black Betty von RAM JAM und American Woman von THE GUESS WHO lieben und wissen, dass beileibe nicht nur Halbidioten vordergründig simplen Rock & Roll hören. Bachman und Turner bringen im Jahr 2010 das Tanzbein des mitgealterten Fan zum schwingen. Gibt es dagegen einen Einwand?
Bachman singt noch ein wenig brüchiger als früher, das muss man zum Beispiel beim ansonsten dicken Rocker Repo Man einräumen, Turner macht das in seinen Beiträgen allerdings mehr als wett. Ebenso sind Bachmans Ausflüge ins anspruchsvolle Fach nicht immer ganz leicht verdaulich (Traffic Jam), aber das war schon immer so. Offenbar braucht er eben das eine oder andere Gegengewicht zu den ein- und leichtgängigen Vollgasgeschichten wie Slave To The Rhythm. Der Mann hat schließlich auch schon Jazz-Platten gemacht.
Sehr gut funktionieren auf "Bachman & Turner" die bluesrockigen Nummern wie Waiting Game, die Band verfällt nämlich nie in einen zahnlosen Opa-Blues, wie es zuletzt beispielsweise bei POINT BLANK leider der Fall war. Und immer wenn es ab geht, geht es gehörig ab. Inhaltlich kann man an dieser CD nichts bemäkeln, es ist ein tolles Classic-Rock-Album geworden.

Es wäre sogar ein überragendes Classic-Rock-Album geworden, wenn die Produktion beziehungsweise der Endmix nicht so verhunzt wäre. "To get the authentic sounds … I used a bunch of vintage 50s and 60s Les Paul Gibson…" und so weiter, schreibt Bachman im Booklet. Nix dagegen einzuwenden, im Gegenteil, aber deswegen muss das Ergebnis wirklich nicht wie ein besseres Demo klingen. Es fehlen die Transparenz, der letzte Punch und die Tiefe im Bass. Manches klingt einfach nur blechern, da muss man dann am heimischen Equalizer gehörig pegeln um nicht zu erschrecken. Unverständlich eigentlich, denn sowohl Bachman als Produzent als auch Christian Stonehouse als Engineer haben mehr als genug Erfahrung und Kompetenz für einen solchen Job. Dieses Manko macht "Bachman & Turner" vom "Tipp für alle" zum "Tipp für Fans". Schade, denn es ist fraglich, ob man noch jemals eine so scharfe Song-Sammlung von den beiden hören wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.09.2010


 
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