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B.D. Gottfried

The Warden's Picnic

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The Warden's Picnic
The Warden's Picnic, Eigenverlag, 2011
George Chaggares Guitar
Aaron Gottfried Vocals
Bill Gottfried Vocals, Keyboards, Percussion
Jack Smith Bass
Gast:
Andrea Wingelaar Backing Vocals
Länge: 36 Min 36 Sek Medium: CD
1. The Warden's Picnic6. Taken It Back
2. Future For Sale7. Sideways
3. New Fifty Two8. A Beautiful Life
4. Madeleine9. Plasma
5. Contrafiction10. Waiting For Crazy

Puh, das ist schwere Kost! Wirklich nicht leicht zu konsumieren. Und auch nicht leicht, interessante Infos über diese Band im weltweiten Informationszentrum abzurufen. So versuche ich dann mal mit dem spärlichen Wissen etwas Brauchbares zu formulieren.

Irgendwie spielte Bill Gottfried mit 14 Jahren seinen ersten bezahlten Gig. Wie lange das zurückliegt, wird allerdings nicht näher erläutert. Wenn ich mir über das Bandfoto auf der HP ein Urteil erlauben darf, dann dürfte das Alter der Musiker so ungefähr im 40er Jahre Bereich liegen. Aber das tut grundsätzlich nichts zur Sache. Interessant ist, dass B.D. Gottfried bereits 2004 unter diesem Namen sein erstes Album "Disrythmia" auf den Markt rollte. Dem folgten 2005, 2006 und 2009 die Nachfolger, sodass mit "The Warden's Picnic" logischerweise Output Nummero 5 im CD-Player liegt. Von den ersten vieren haben wir hier im HoR nichts vernommen, genauso wenig von BDs Hauptband AUTONOMY, die nach seiner Aussage in mehr als 11 Ländern Airplay bekommen haben. Auf der Suche nach dieser Band findet man im Netz einige, aber bei keiner taucht sein Name auf. Von daher erschließt sich mir nicht, was für eine Art Musik der gute Mann mit seiner Hauptband spielt und ob seine Soloausflüge somit eine Abwendung dessen ist, was er eigentlich spielt oder ob es eine Manifestierung oder ein Ausbau dessen ist, was er eigentlich möchte, aber mit AUTONOMY so nicht erreichen kann … - malt's euch weiter aus, Varianten gibt's zur Genüge.

Unbekannt ist Mr. Gottfried scheinbar auch nicht, immerhin hat er mit Jim Evans, der mal bei Manfred Mann und John Mayall in Lohn und Brot stand irgend etwas aufgenommen, Pino Palladino (dem Bassisten, dem viele Künstler wie Elton John, Wolf Maahn, Pete Townsend, … trauen) auf "The Third Disturbance" (BDs drittem Oeuvre) die vier Saiten zupfen lassen und mit Greg Dechert, der auch mal bei URIAH HEEP im Aufgebot stand, und anderen die Bühnenbretter zum Beben gebracht. Da kommt eine Menge an Input zusammen.

Und dieser Input entlädt sich in geballter Form auf der neusten CD des Kanadiers. Das grundsätzliche Thema des Rundlings ist der Grundgedanke der Freiheit. Denkt man an verklärte Spielfilme der 50er/60er-Jahre zurück und hat vor seinem inneren Auge eine Familie, die ein Picknick absolviert, dann ist das meist schön und entspannt und alle sind fröhlich und glücklich und überhaupt scheint es keine Sorgen zu geben. Picknick war früher das Gefühl von Freiheit und ist heute, in Zeiten von zubetonierten Wiesenflächen und Ackergeländen die für ökologisch reinen Anbau benutzt werden, irgendwie aus der Mode gekommen. Und "Zack" haben wir zwei Attribute der neusten B.D. GOTTFRIED-CD: "Freiheit" und "aus der Mode gekommen". Heutzutage wünscht sich jeder Freiheit! Im Begleitschreiben zur CD heißt es, dass der Gefangene Freiheit aus den Mauern des Gefängnisses sucht und der Spirituelle die Freiheit aus seinen körperlich gesetzten Grenzen. Womit die thematische Erläuterung und Erklärung des CD-Titels abgehandelt wäre, denn ein Picknick für einen Gefängnisdirektor stelle ich mir vor wie einen Orgasmus bei einem Eunuchen. Passt irgendwie nicht, könnte aber vielleicht doch klappen???

Das zweite Attribut "aus der Mode gekommen" trifft dann den Kern der Musik. B.D. GOTTFRIED spielen eine Melange aus alten vergangenen Tagen, womit aber mehr so die 70er Jahre gemeint sind und neuen Sounds. Um das zu begreifen, muss man sich diese Scheibe einfach anhören. Aber Vorsicht: wie eingangs schon erwähnt, ist das keine leichte Kost. Eine einzige Schublade gibt es für diese Band nicht. Ist es Prog im Sinne der 70er? Ist es Alternative im Sinne der 00er? Ist es Rock im Sinne der 70er? Von allem etwas, dabei immer mit einer kleinen Prise Melancholie gewürzt, die aber nicht so verschärft ist, dass man sich vor Traurigkeit in seinem Bett verkrümeln möchte. Musik für den Herbstblues? Nein, dafür ist es nicht grau genug, für Frühlingsgefühle reicht es aber auch nicht richtig. Es ist schlicht und ergreifend Musik, die man sich erarbeiten muss. Musik, die sich entfalten muss. Dafür bedarf es weit mehr als nur ein bis drei flüchtige Hördurchgänge. Wer sich die Zeit nimmt, wird belohnt mit einer gut gefüllten halben Stunde fesselnder Musik. Als Einstieg eignet sich noch am besten das instrumentale Plasma>, zeugt es doch ganz gut von den künstlerischen Fähigkeiten des kanadischen Doppel-Zweiers.

Fazit: So wenig wie die Band und ihre Musik zu packen ist im Internet, so wenig eindeutig ist für mich die Hörerschaft, die man ansprechen möchte. Lohnenswert auf alle Fälle und ich wette darauf meinen Allerwertesten, dass es Hörer geben wird, die dieser Review zustimmen werden und andere die wissen möchte, was ich beim Verfassen dieser Zeilen an bewusstseinserweiternden Mittelchen zu mir genommen habe. Reinhören lohnt nicht, das Freiluftessen des Gefängnisdirektors muss in seiner Gänze genossen werden …

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 26.02.2011

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