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| A jeda is a Sepp, Gizeh Records, 2007 |
| Ludwig Wiedenmann aka "da Wiggal" |
Texte, Gesang, Getrommel |
| Axel Stoßberger |
Tasten, Mac, Gitarre, Querflöte, Getrommel |
| Johannes |
Piano |
| Deejoy Loisl |
Bass |
| Thea |
Geige |
| Michael & Oli |
Gitarre |
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Länge: 47 Min 34 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Sigsd' as | 7. Da Alois |
| 2. Da Sepp | 8. Da Fremde |
| 3. A jeda is a Sepp | 9. Da Hanswurscht |
| 4. Individuell | 10. Wasser und Wind |
| 5. Knab & Röslein | 11. Weidaleid |
| 6. Da Klempner | |
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Wenn eine CD mit den Worten "Ich sag nur: Gstanzl!" avisiert wird, weiß der Fachmann, dass es sich entweder um eine italienischsprachige Scheibe handelt oder um bayrisches Kulturgut. Sagt der Italiener nämlich "stanza", meint er die Strophe, sagt der Bayer "Gstanzl", meint er einen gereimten Vierzeiler, der sich gerne derb, ungehörig und obrigkeitsverachtend gibt. Man denkt spontan an den Roider Jackl, an Karl Valentin, an witzig-bösartige Couplets und an Polt'sche Wortspiele der genialen Art. Unklar war bisher der Begriff "Gstanzl Sound-System", aber da hilft unsere italienisch-münchnerische Freundin Nadia, die nicht nur Ahnung von Kunst und gutem Essen sondern auch eine fatale Neigung zu heftigen Klängen langhaariger Männer mit Gitarren hat. Wagen wir uns also an das nur partiell langhaarige Gstanzl Sound-System ZWOASTOA.
Zwei Steine? Den Namen kann man vergessen, die Band heißt ZWOASTOA und nix anderes. Die Ausschließlichkeit der Zielgruppe begründet sich im kompromisslos durchgezogenen Bayrisch, das den Zugang für "Ausländer" schwer macht, aber, siehe Claudia Koreck, einfach gut klingt. Nicht umsonst empfinden 80% aller deutschen Frauen Bayrisch als den erotischsten Dialekt. Tja, liebe Schwaben, wir können eben nicht nur nicht hochdeutsch, wir haben auch die coolsten Frauen auf unserer Seite.
ZWOASTOA sollten, entsprechenden Ehrgeiz vorausgesetzt, auch bald viele coole Menschen auf ihrer Seite haben, immerhin hat man eine solche Melange zeitgenössischer Popmusik in einer Regionalsprache bisher noch nicht gehört, auch wenn die Einflüsse durchaus nicht nur regional beschränkt sind, sondern von Reggae über Rap und Folk bis hin zu weltmusizierenden Menschen wie Hubert Achleitner aus Bad Goisern in Öberösterreich oder dessen Nachbarn ATTWENGER (deren Name wiederum einem Gstanzl entsprungen ist) reichen.
Natürlich sind auch heimische Geistesverwandte zu entdecken, wobei wenigstens Hans Söllner eher nur ideelles Vorbild ist. Wo der nämlich auch mit über 50 noch anstrengend vor sich hin poltert und nach wie vor über den Wortschatz eines bayrischen Bukowski nicht herausgekommen ist, schreibt Ludwig "Wiggal" Wiedenmann mit erstaunlicher Leichtigkeit ausgesprochen lesens- und hörenswerte Texte zwischen Nonsens, Wirklichkeitsbeschreibung und Unangepasstheit. Einer schaut den Leuten aufs Maul, der andere haut nur drauf, das ist der Unterschied.
Zweites bayrisches Vorbild ist offenbar Hans-Jürgen Buchner, besser bekannt mit seiner Gruppe HAINDLING, anders ist ein potentieller Hit wie Weidaleid nicht zu erklären. Warum sich der Bayerische Rundfunk dieses Lied nicht für eine der derzeit wieder populären Heimatserien gesichert hat, ist wohl nur mit Unkenntnis zu begründen. Außerdem macht ein Text wie "d'rum geht's weida Leit und bleibt's ned steh, die Welt head a ned einfach auf sich zum dreh'n" auch in ganz üblen Stunden Mut. Volltreffer.
Rap mit deutschen Texten beschränkt sich bis heute in den meisten Fällen auf Hibbeligkeit und Aggression, beim Wiggal breitet sich stets ein angenehmes Gefühl von sonnigen Nachmittagen auf einer Dachterrasse aus, ganz ohne prolliges Gehabe, selbst wenn in Da Sepp eine metallische Gitarre das Holz zersägt.
Auf der CD "A jeda is a Sepp" kommt zusammen, was einem Rocker eigentlich gar nicht gefallen sollte: Hip Hop, Electro, Ethno, Dancefloor, Rock und Reggae. Und, sapperlot, es gefällt sogar ausgesprochen gut, weil die Mischung stimmt und eher aufs Hirn denn auf die Faust zielt. Da verzeiht man auch das etwas seltsam anmutende Experiment mit Goethes "Heidenröslein", das als Knab und Röslein nicht wirklich schlüssig mit schwäbischen Knabenwaden in Verbindung gebracht wird, tanzbar ist das Ding dennoch.
Wesentlich besser funktionieren Zustandsbeschreibungen wie Da Alois, der ein beliebiger Stammtischbruder einer beliebigen (nicht nur bayrischen) Kleinstadt ist. Und wie es enden kann zeigt Da Fremde, dem man kurzerhand den Garaus macht, weil er verdächtig aussieht. Da wird eine Geschichte erzählt, die genau so passieren kann in unserer neokonservativen Gesellschaft der medialen Hysterie.
Die unaufdringliche und wirklich gut produzierte Darbietung dieses völligen Musik-Kreuzüber gibt den letzten Anstoß: ZWOASTOA sind eine dicke Hoffnung für die nächsten Jahre, auch wenn man sie auf Anhieb nicht verstehen sollte. Wer lesen und denken kann... ist eindeutig im Vorteil.
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