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Yawning Sons

Ceremony To The Sunset

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Ceremony To The Sunset
Ceremony To The Sunset, Lexicon Devil Records, 2009
Gary Arce Guitars, Lapsteel
Marlon King Guitars
Nick Hannon Bass
Stevie B. Drums
Blake Textures
Wendy Rae Fowler, Mario Lalli, Scott Reeder Vocals
Produziert von: Gary Arce Länge: 43 Min 29 Sek Medium: CD
1. Ghostship/Deadwater8. Meadows
2. Tomahawk Watercress6. Garden Sessions III
3. Wetlands7. Japanese Garden
4. Whales In Tar

Was passiert, wenn sich eine äußerst talentierte Truppe aus dem britischen Alterna-Prog-Experimental-Lager (und auch noch aus der "Traditionellen Grafschaft" Kent) mit einigen verdienten "Wüstenrockern" aus dem kalifornischen La Quinta zusammentun? Nun, das das kann schief gehen oder auch, wie im Falle der YAWNING SONS, ein fruchtbares kontinentalübergreifendes Kollektiv werden, von dem beide Seiten und somit auch die Zuhörer profitieren.

Wer hat hier jetzt eigentlich was genau getan? Da gibt es also einen "gewissen" Gary Arce, verdienter und bestens bekannter YAWNING MAN- und TEN EAST-Veteran und ein ausgezeichneter Gitarrist. Der sitzt nun also in La Quinta im Riverside County, das fast ausschließlich aus Wüste besteht. Palm Desert, der Geburtsort der legendären Stonerrocker KYUSS liegt "gleich nebenan" und genau diese Jungs gelten als Begründer des sogenannten Desert Rock, dem auch die "Gähnenden Männer" angehören. Mr. Arce ist ein kreativer Mann, immer auf der Suche nach Neuem und geriet dabei an die viel versprechenden britischen Alternarocker SONS OF ALPHA CENTAURI, die einen teilweise völlig anderen Musikstil bedien(t)en und zudem vermutlich noch ein paar Jährchen weniger auf ihren hübschen Rücken haben.
Herausgekommen ist eine interessante Mischung aus dem teils etwas gleichförmig dahinplätschernden Wüstensound und dem anregenden Einfluss britischen Postrocks, wobei es für meinen Geschmack ruhig etwas mehr vom erfrischenden und rockigen Gitarrenspiel der empirischen Inselbewohner hätte sein dürfen, denn unterm Strich dominiert natürlich schon mehr der Sound von Arces Stamm-Combo.

KYUSS - es ist heute ganz egal um welche Desert Rock-Band es geht, es scheint man kommt an den Urvätern des Wüstenrocks und der Generator-Partys in der Wüste vor Palm Desert nicht vorbei, da in der Regel wenigstens ein ehemaliger "Sohn" (ursprünglich nannte sich die Band ja SONS OF KYUSS) auf irgendeine Weise in irgendein Bandgeschehen dieses Genres involviert ist. Und das obwohl YAWNING MAN eigentlich als Vorbilder der KYUSS-Musiker gelten und es die schon länger gibt, was aber wohl öfter mal vergessen wird. But anyway - an denen kommt man ja auch nicht vorbei, sieht man sich mal genauer in der Szene um.
Im Falle der YAWNING MAN ist das der Ex-KYUSS-Fellgerber Alfredo Hernandez, den Gary Arce zwar beim vorliegenden Projekt außen vor ließ, dafür jedoch dessen ehemaligen Bandkollegen und Ex-OBSESSED-Basser Scott Reeder zu Guest-Vocals bei den Garden Sessions einlud (zugleich auch Arces Bandkollege bei TEN EAST). Ebenfalls aus der YM- und TE-Ecke kommt Gitarrist Mario Lalli (Desert Sessions), der hier die Vocals zu Meadows beisteuert. Interessante Geschichte übrigens, da ich Lalli bis jetzt "nur" als Gitarrist wahrgenommen und auch schon live gesehen habe. Die "female vocals" stammen ebenso von keiner gänzlich Unbekannten. Wendy Rae Fowler a.k.a. Wendy Ramone a.k.a Wendy Ray Moan, die ihre Stimmbänder bereits bei den QUEENS OF THE STONE AGE, der Mark Lanegan Band und den EAGLES OF DEATH METAL erklingen ließ (die auch alle durch verschiedene Querverbindungen vernetzt sind). Gary Arce selbst glänzt neben der Album-Produktion durchgehend mit Gitarre und Lapsteel-Guitar. Und nicht zu vergessen natürlich der Löwenanteil der SONS OF ALPHA CENATURI, die hier mit der kompletten Band aufmarschieren. Ist die Verwirrung bez. der Musikanten jetzt perfekt? Sehr gut! Dann reden wir vielleicht doch mal besser über deren aktuelles vorliegendes Gemeinschaftsprojekt das da heißt: "Ceremony To The Sunset".

Beim Palm Desert-Festival 2006 in München hatte ich YAWNING MAN aufgrund ihrer doch relativ gleichförmigen Musik noch als "nicht ganz unanstrengend" empfunden. Ist wohl hin und wieder auch tagesformabhängig. Sitzt man aber aus heiterem Himmel und unfreiwillig urplötzlich im letzten Wagen einer Gefühlsachterbahn und weiß noch nicht, ob einen der heranrasende Abgrund verschlingen wird, der Wagen vielleicht "nur" aus den Gleisen springt oder man doch Glück hat und mit verhältnismäßig harmlosen Blessuren an Leib und Seele am (vermeintlichen) Ziel ankommt, kann gerade diese scheinbare Eintönigkeit eine Art "beruhigender Schleudersitz" sein, der den Geist für ein Weilchen hypnotisiert und auf eine außergewöhnliche Reise durch das Universum oder vielmehr den Space Rock katapultiert. Marlon King (Gitarre), Nick Hannon am Bass, Stevie B. (Schlagzeug) und Blake als "master of the textures" vervollständigen die Reise-Crew.
Singende Gitarrenlines durchziehen das gesamte Album wie ein roter Faden. Hinreißend der chillige Gesang von Wendy Rae Fowler auf dem Opener (mit über acht Minuten der zugleich längste Song) Ghostship/Deadwater, der mit jeder Sekunde an Intensität gewinnt. Sehr schön ergänzen sich Marlon Kings ruhige britische Gitarren bei Tomahawk Watercress mit den entrückten "Desertlines" von Gary Arce. Nahezu airplaytauglich kommt Meadows mit einem recht angenehmen Gesang aus Boxen. Das ultrakurze Whales In Tar glänzt mit floydigen Gitarrenanleihen auf einer spacigen Soundbase. Wunderbar chillig und mit einer Art Scat-Gesang unterlegt sind die Garden Sessions III, karibische Trommelein und wieder eine "chiming guitar". Und zum Schluss geht's noch in den Japanese Garden. Der Höhepunkt aber ist das fast schon progressive und perfekt durcharrangierte Wetlands.

Obwohl allen Songs zwei Dinge zu Eigen sind, nämlich sehr sauber arrangierte, sich innerhalb des jeweiligen Songs beständig wiederholende Gitarrenlines und teil fast schon monotone Schlagzeugrhythmen, gestaltet sich der Weltraumtrip keineswegs eintönig und langweilig, sondern recht abwechslungsreich und mit dem Verklingen des letzten Tones fühlt man sich bei der plötzlichen Landung in der Realität doch erst einmal "recht geerdet". Da will man doch lieber gleich noch mal aufsteigen.

Maria 'Jamina' Ortner, (Artikelliste), 19.08.2009

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