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Unleash Your Demon

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Unleash Your Demon
Unleash Your Demon, Rockville Music/Point Music, 2007
Billy Itch Vocals
L.X. Gaitanides Guitar
Martin Motnik Bass
F. Sudden Drums
Produziert von: Billy Itch Länge: 46 Min 23 Sek Medium: CD
1. Dominator6. Naked Song
2. Trigger7. Whore
3. R.I.P. (Rest In Pieces)8. I Believe (Some Heads Oughta Roll)
4. Springtime Indeed!9. Hail You (Rock-N-Roll)
5. Pleasure10. Word Of Mouth

Die ganz große Nummer waren THE ROXX natürlich nie, aber in der in den mittleren Achtzigern prosperierenden Münchner Poser-Szene hatten sie einen festen Platz. So fest, dass sie von den Türstehern der ungefähr vier wichtigsten Rock-Clubs mit Namen begrüßt wurden…
Über den musikalischen Wert der Band gab es immer zwei Meinungen. Der gemeine Jeansjackenrocker empfand sie eher aufgesetzt und unfreiwillig lustig bis peinlich, die Stretchhosenkundschaft vom Schwabinger Freitagabendlaufsteg fand THE ROXX extrem cool und tanzbar. Schwierig wurde es erst, als die Band ihren Sound änderte und plötzlich versuchte ambitioniert zu klingen. Der Spagat gelang nicht und irgendwann in den Grunge-verseuchten Neunzigern verliefen sich die Spuren von THE ROXX. Aber weil sie alle irgendwann wieder zurückkommen, sind nun auch die Männer um den schon damals äußerst extrovertierten Sänger Billy Itch wieder aufgetaucht. Und siehe da, anno 2007 funktioniert einiges besser als 15 Jahre zuvor. Man wird eben älter, überlegter und entdeckt den einen oder anderen "brandneuen" Trend. Im Fall von "Unleash Your Demon" heißt der Trend, und das ist kein Zynismus!, JUDAS PRIEST.

Setzen wir an dieser Stelle voraus, dass JUDAS PRIEST ihr letztes Pülverchen im Jahr 1990 mit "Painkiller" verschossen haben, setzen wir weiterhin voraus, dass die kreative Glanzzeit der Engländer nur vier Jahre dauerte, von "Sin After Sin" 1977 bis "British Steel" 1980 nämlich, titulieren wir beispielsweise "Turbo" als angestrengten und wider Erwarten gelungenen Versuch den Karren nicht in den Dreck zu fahren, und bezeichnen schließlich "Painkiller" als letztes Aufgebot gegen die immer brachialer gewordene Konkurrenz. Diese (sicher diskutable) These ergibt in Summe, dass JUDAS PRIEST ihr Potential nie ganz ausgeschöpft haben - heute ist es zu spät, PRIEST sind nur noch ihre eigene Retro-Show. Und genau an diesem Punkt der unvollendeten Hohepriester hat unser Sangesfreund Billy Itch den Hebel für das Comeback von THE ROXX angesetzt.
Fraglos liegt B.Itch stimmlich ohnehin ganz nah an Meister Halford, aber das tun viele Metal-Sänger. Die Kunst ist, nicht einfach irgendein Plagiat abzuliefern sondern auf den Markenzeichen der Vorbilder aufzubauen und eigene Werke zu schaffen. THE ROXX treten mit nur einer Gitarre an, folglich fallen die Zwei-Gitarren-Schlachten von Downing und Tipton hier aus. Bleibt neben der Stimme eigentlich nur die Möglichkeit, so wundervoll melodische Metal-Hymnen zu schreiben, wie sie PRIEST im Dutzend anbieten konnten.
Ein ganzes Dutzend Kolossalwerke gibt es umständehalber auf "Unleash Your Demon" nicht zu bestaunen, aber Südkurvenschlager wie Dominator und R.I.P. (Rest In Pieces) passen ohne orthopädische Einlagen direkt in die großen Fußabdrücke der Vergangenheit. Gepaart mit dem passenden Sirenengesang ("Dooomiiinaaatooor") fühlt man sich schlagartig etliche Jahre zurückversetzt.
Trigger funktioniert mit dem mächtigen Bass, dem Bekenntnis zum Rock & Roll und den kleinen technischen Spielereien ebenfalls, allerdings könnte man Zeilen wie "Hip-Hop Nigger…" auch in den falschen Hals bekommen. Aber man sollte die politische Korrektheit beileibe nicht übertreiben, immerhin sprechen wir von Heavyrock und nicht vom Kirchentag.
THE ROXX rocken angemessen hart, glücklicherweise nicht im Überschallbereich - keine Doublebass! - und übertreiben den Pathos in keinem Moment der CD. Bei R.I.P. gibt es hübsch integrierte Töne einer Sitar (oder ähnlichem) und mit Springtime Indeed! hat die Band endgültig gewonnen. Richtig durchkomponierte Songs mit Härtegrad 8 plus perfekte Melodie waren und bleiben in diesem Metier Matchpunkte.
Leicht überraschend erscheint eine Nummer wie Naked Song, die an Alex Harvey erinnert, aber ein gewisser Hang zum morbiden Siebziger-Sound solcher Kandidaten zieht sich ohnehin durch die gesamte Scheibe. Die auffällig schöne Gitarre ebenfalls.
Bei vielen anderen Bands wäre I Believe (Some Heads Oughta Roll) ein Höhepunkt, auf "Unleash Your Demon" geht ein solcher Song wegen Ereignislosigkeit beinahe unter. Dann doch lieber noch eine Ode wie Hail You (Rock-N-Roll) mit verschärftem Gitarreneinsatz und, natürlich, höchstem Mitsingfaktor.

Wirklich zugetraut hätte man THE ROXX diese hohe Qualität nicht, umso erfreulicher ist es, dass man mal wieder eine Band (neu) entdeckt, die Heavy Rock ohne dumpfe Plattheiten macht. Allen Respekt dafür.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.02.2008

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