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The Bakerton Group

El Rojo

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El Rojo
El Rojo, Weathermaker Music, 2009
Tim Sult Guitar
Neil Fallon Guitar
Dan Maines Bass
Jean-Paul Gaster Drums
Gäste:
Per Wiberg Keyboards
Raven Alto Saxophone
Produziert von: J. Robbins Länge: 47 Min 16 Sek Medium: CD
1. Time Horizon6. M.(f).H.S.
2. Chancellor7. The Gigantomakhia
3. Peruvian Airspace8. Work'em
4. Bien Clásico9. Last Orbit
5. Life On Lars10. Bill Proger's Galaxy

Wir haben in acht Jahren Home of Rock niemals über die Band CLUTCH gesprochen, nichtsdestotrotz ist die mittlerweile beinahe zwanzigjährige Karriere dieser Band nicht spurlos an unseren Plattenschränken vorbeigegangen. Was irgendwann mit höllisch dröhnendem Stoner Rock begann, wurde über die Jahre - und spätestens mit dem formidablen Album "From Beale Street To Oblivion" 2007 - zum wohl "funkiesten" Stoner-Act überhaupt. Alleine Sänger Neil Fallon hat mehr Groove in der Stimme als so gut wie alle anderen Geröllheimer zusammen, und die Hinzunahme von Keyboards brachte CLUTCH endgültig in eine neue Dimension, die mit herkömmlichen Stonertum nur noch wenig gemein hat. Insofern erscheint das Projekt THE BAKERTON GROUP ziemlich verwegen, weil auch auf dem zweiten Album des CLUTCH-Ablegers kein Gesang zu finden ist, Fallon begnügt sich mit der Gitarre. Wer aber nun behauptet, "El Rojo" wäre nur ein CLUTCH-Klon ohne Stimme, der liegt eindeutig falsch.

Vermutlich begründet sich die Existenz der BAKERTON GROUP schlicht in der enormen Kreativität der Herren Fallon, Sult, Maines und Gaster, die längst über die Grenzen der Stammband hinausgewachsen ist. Die meisten Kompositionen wären auf einer normalen CLUTCH-Scheibe einfach nicht glaubwürdig und dem Fan schwer vermittelbar. Das bedeutet nicht, dass "El Rojo" komplett anders wäre als beispielsweise "From Beale Street To Oblivion", schließlich ist es die gleiche Band, aber der Namenswechsel deutet an, dass hier keine Resteverwertung stattfindet und vor allem eine enorme Lust am Experimentieren vorherrscht. Tatsächlich werden andere Wege beschritten, es wird noch mehr gejammt und mit Ideen gespielt als im "Hauptberuf". Erkennbar war dies bereits auf dem vor gut einem Jahr erschienen Debut, "El Rojo" geht noch zwei Schritte weiter.

Ein kurzer und fingerflinker Gitarren-Opener mit Orgel, ein psychedelisch dräuender Angstmacher, ebenfalls mit Orgel, und ein beeindruckender Funk mit gewaltiger Percussion und natürlich Orgel machen den Anfang. Wie gut Tim Sult als Gitarrist und Tastenmann Per Wiberg von den SPIRITUAL BEGGARS sind, weiß man nun, doch mit Bien Clásico zeigen sich die wahren Abgründe der BAKERTON GROUP. Das ist Free-Form-Rock mit Jazz- und Latin-Einflüssen, die man normalerweise als Rocker nicht akzeptieren könnte. Aber hier und beim folgenden Life On Lars (wie genial ist das?) wird man vom Tribal-Groove überrascht und hat keine Fluchtmöglichkeit. Nicht erst beim Schlagzeugsolo fällt auf, dass Jean Paul Gaster ein formidabler Drummer ist, er hat wie alle anderen beteiligten Musiker hier einfach mehr Raum zur Entfaltung als bei CLUTCH - und alle nutzen diesen Raum. Nenn es Prog, nenn es Jam, nenn es Fusion, es ist bockstarke Rockmusik, die einfach gut kommt. Auch ohne Gesang.

Sieben Minuten Work'em sind nicht leicht und durchaus abgefahren, aber sie gehören zu diesem betörendem Werk genau wie das sphärisch rockende Bill Proger's Galaxy. "El Rojo" ist Musik auf höchstem Niveau, ohne Selbstbeschränkung, dafür mit massenhaft Spaß und Lust am Spiel. Es wird schwer, diesen Level zu halten, möglicherweise erleben wir soeben den künstlerischen Höhepunkt einer Band, egal ob man sie nun CLUTCH oder THE BAKERTON GROUP nennt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.04.2009

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