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| Future Awaits, ProgRock Records, 2008 |
| Felix Duque |
Vocals |
| Eric Baule |
Guitars |
| Pedro Misle |
Bass |
| Eduardo Benatar |
Drums |
| Rafael Paz |
Keyboards |
| Gast: |
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| Kalle Wallner |
Guitar (Voice Of The Storm - Part I) |
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Länge: 60 Min 04 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Time Pieces | 5. El Diablo Suelto |
| 2. Future Awaits | 6. Coming Down Again |
| 3. 11 | 7. Voice Of The Storm - Part 1 |
| 4. Autumn | 8. Voice Of The Storm - Part 2 |
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Von Caracas (Venezuela) ins spanische Barcelona mit "Future Awaits" im Koffer, als Namenskürzel RC2 auf dem Gepäckträger und den Gitarristen daheim gelassen (oder vielmehr wollte der wohl nicht so unbedingt übern großen Teich) - was für ein Trip. Und ob sich die Hoffnungen der Südamerikaner in der "alten Welt" erfüllen muss sich trotz ihres Unterkommens bei einem renommierten Plattenlabel wie ProgRock Records (welches aber wiederum in Kalifornien residiert) erst mal noch dauerhaft zeigen.
Seltsam, welche Gedankenspielchen sich oft spontan beim Hören mancher Begriffe im Kopf abspielen. RC2 klingt für mich spontan nach R2-D2, dem freundlichen Droiden aus Star Wars - warum auch immer. Vielleicht auch wegen des Begriffsspielchens "Future Awaits" - zu deutsch Zukunftserwartungen, auch wenn diese im Falle der Venezolaner sicher mehr terrestrischer Natur sind, denn auf die Eroberung des Weltraumes ausgerichtet.
Die Erklärung ist natürlich (oder leider) viel profaner: In ihrem früheren südamerikanischen Musikerleben waren sie unter dem Formationsnamen RADIO CLIP unterwegs und veröffentlichten in heimatlichen Gefilden sogar vier Alben im Eigenverlag. Ihr offizielles Debüt "RC2" kam dann 2003, anschließend der Umzug nach Europa, inklusive des neuen Bandkürzels, das wohl so eine Art Neuanfang markieren sollte. Mit Abkürzungen ist das ja immer so eine Sache - nicht jeder kann oder will sie nachvollziehen, siehe auch der "Name" RPWL, der seinerzeit wohl eher aus Pragmatismus oder einer Laune heraus entstand und heute in der Szene ein voll etablierter Markenname ist.
Vom Debütalbum kenne ich leider nur einzelne Stücke, aber was ich auf dem Nachfolger vermisse sind Prog Metal-Frickelfaktor-Granaten vom Kaliber eines Joroprog, in dem heimatliche Klänge gekonnt mit typischen Progmetal-Trademarks à la DREAM THEATER kombiniert werden. Hier singt Felix Duque auch noch in seiner Muttersprache, womit er sich offensichtlich weitaus sicherer fühlt und der Gesang sehr viel passender wirkt.
Mit Time Pieces, dem längsten Stück des Albums, beginnt das Quartett recht viel versprechend. Der Song hat alles was "DER klassische Progsong", (nein, eigentlich ist es fast schon mehr ein Epos, wenngleich auch dann wiederum mindestens fünf Minuten zu kurz) braucht: vertrackte Gitarren- und Keyboardparts (vor allem das Intro), fetzige Passagen geben sich die Hand mit melodischem Pomp und verspielteren Ruhepassagen, feine Gitarrensoli- und dezent perlende Läufe überziehen filigran die Rhythmusfraktion. In diesem Stück wirkt auch der etwas gewöhnungsbedürftige und eben (leider) nicht mehr native Gesang von Felix Duque durchaus harmonisch.
Der Titelsong Future Awaits transportiert die bewährten Trademarks weiter, büsst jedoch über die Länge etwas an Überzeugungskraft ein. 11 ist geprägt von einem gigantischen Frickelfaktor, der mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist. Ebenso Geschmackssache dürfte Coming Down Again sein, in dem TripHop-Elemente a la MASSIVE ATTACK verbraten werden.
El Diablo Suelto, mit rund vier Minuten Laufzeit der kürzeste Song des Scheibchens, ist eine freie aber sehr schöne, ins klassische Progbett implizierte Interpretation wichtigsten venezolanischen Liedguts, komponiert 1888 von Heraclio Fernández und Pflicht für jeden lateinamerikanischen Gitarristen, der etwas auf sich hält. Derartiges kenne ich, allerdings in weitaus komplexeren Interpretationen bislang eher von "Göttern der klassischen Gitarre" wie dem venezolanischen Gitarrengott Aldo Lagrutta, der auch gerne als "Paganini der Gitarre" betitelt wird. Diese lateinamerikanischen Wurzeln finden sich ansatzweise auch im Doppelpack Voice Of The Storm Part I und Part II wieder, das stilistisch den Kreis zur Einleitung wieder schließt. Weitschweifende Gitarrenlandschaften ergänzen das abwechslungsreiche Bild schillernder Keyboardmeere. Was aus der beiliegenden Info leider nicht hervorgeht ist die Tatsache, dass das letzte Solo auf Part I von Kalle Wallner (RPWL, BLIND EGO) beigesteuert wurde, womit wir wiederum bei Kürzeln angelangt sind.
Den Begriff Neo Prog verwende ich eigentlich nicht unbedingt gerne, deuten das doch zu viele Musikfans als Abwertung, doch ist es im Falle RC2 eine gute Kombination aus Retro- und Neo Prog, der eben hier gerade nicht so klingt wie die graue Masse des Genres, sondern sich angenehm hervortut. Ingesamt ein gutes Album, das sich allerdings als Ganzes betrachtet noch nicht als herausragende Insel mit großem Wiedererkennungswert im endlosen Ozean gut gemachter Progalben erweist. Sollte der Albumtitel also gleichzeitig als Programm bzw. Zielvorgabe gemeint sein, wären die Herren gut beraten diese noch ein klein wenig höher zu schrauben, denn da wäre durchaus noch mehr drin, auch wenn die Basis schon recht solide gelegt wurde und ihnen für ein Südamerika-Konzert auch den DREAM THEATER-Support bescherte.
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