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| My Cassette Player, USFO/Universal Records, 2010 |
| Produziert von: Stefan Raab u. a. |
Länge: 42 Min 32 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Satellite | 8. Touch A New Day |
| 2. My Cassette Player | 9. Bee |
| 3. Not Following | 10. You Can't Stop Me |
| 4. I Like To Bang My Head | 11. Mr. Curiosity |
| 5. My Same | 12. I Just Want Your Kiss |
| 6. Caterpillar In The Rain | 13. Wonderful Dreaming |
| 7. Love Me | |
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An dieser Stelle sei an die prophetischen Worte "Wenn Lena Meyer-Landrut will, wird sie ein großer Star" erinnert. Geschrieben am 10. Februar 2010 anlässlich der Besprechung von Lee Fields' aktueller CD "My World", kurz nach dem ersten Fernsehauftritt der Achtzehnjährigen (wie wir inzwischen wissen, hat das Mädel zuvor schon Auftritte in dümmlichen RTL-Serien gehabt, aber da war Gesang nicht gefragt). Wie angekündigt hat Frau Meyer-Landrut anschließend Stefan Raabs Castingshow "Unser Star für Oslo" gewonnen und seither drei Songs ganz oben in sämtlichen Hitparaden platziert. Das wohl umsatzträchtigste Debut eines Newcomers seit vielen Jahren. Natürlich muss dann in Windeseile eine komplette CD nachgeschoben werden, in diesem Fall heißt der Schnellschuss "My Cassette Player" und wurde selbstverständlich maßgeblich von Stefan Raab konzipiert. Genau von jenem Stefan Raab, den man nicht zwangsläufig mögen muss, der aber unbestreitbar der Medienmensch, Musiker/Produzent und Trüffelsucher der letzten 15 Jahre ist. Keiner, außer Bohlen vielleicht, hat mehr Erfolg aus nichts oder bestenfalls einer kleinen doofen Idee gemacht, keiner hat so bemerkenswerte Künstler wie Max Mutzke oder Stefanie Heinzmann ins Rampenlicht gerückt, von Guildo Horn ganz geschwiegen. Aber ob er mit Lena Meyer-Landrut auch alles richtig macht?
Es war zu erwarten, dass die junge Frau aus Hannover polarisieren würde, das ist bei außergewöhnlichen Figuren normal. Es war auch klar, dass sich ablehnende Meinungen in erster Linie auf Meyer-Landruts relativ dünne Stimme beziehen würden, direkt gefolgt von der Kritik an ihrem "mädchenhaften" Erscheinungsbild. Dem sei entgegengehalten, dass man als Sängerin nicht zwangsläufig wie Tina Turner brüllen muss, um Eindruck zu schinden, manchmal reicht eine frische, unverbrauchte Stimme und ein ausgefallener Auftritt. In Raabs Castingshow war eine handvoll perfekterer Sänger/innen, die je nach Betrachtungsweise vielleicht sogar besser ausgesehen haben und teilweise eigene Songs vortrugen, aber am Ende gewann das hübsche Show- und Selbstdarstellungstalent Lena Meyer-Waldrut, wenn auch mit einem auf den ersten Blick eher unterdurchschnittlichen Song. Satellite, der Siegersong, hatte qualitativ nicht den Hauch einer Chance gegen das von der Liveband grandios gespielte Love Me, aber der Massengeschmack hat sich durchgesetzt. So geht Popmusik. An Satellite hat man sich inzwischen gewöhnt, das Liedchen dudelt tagtäglich mehrmals aus dem Radio, und wer Lenas Stimme mag, mag irgendwann auch den Song. Meyer-Landrut ist ja auch wirklich etwas Besonderes in der Welt der Konsens-Popklone, sie ist hübsch, mädchenhaft bis kindlich, ausgebufft, lasziv, witzig, intelligent, eigensinnig, mit einem unkonventionellen Bewegungsdrang ausgestattet, musikalisch unverbildet und dennoch wandlungs- und lernfähig, und sie sprechsingt ein bisher noch nie gehörtes Englisch, das meilenweit vom Gossenjargon anderer Hitparadenbesetzer entfernt ist. Keine Ahnung, was ein Sprachprofessor aus Oxford zu diesem Englisch sagen würde, für einen Sprachfetischisten klingt es einfach geil. Und trotzdem knallt "My Cassette Player" nicht.
Die Schuld dafür darf sich Stefan Raab höchstselbst ans Knie nageln, er hat dem Ausnahmetalent schlicht ein schludrig produziertes Album zusammengeschustert, das höchstens bei der Hälfte der Songs mit dem Charisma der Hauptdarstellerin mithalten kann. Erschwerend kommt die Instrumentierung aus der Konserve hinzu, die gute Nummern wie den Funk I Like To Bang My Head zu einem lauen Aufguss von Wadde hadde du denn da werden lassen. I Like To Bang My Head möchte man in einer dampfenden Version von den HEAVYTONES hören, nicht mit Atari-Drums und das auch noch völlig zu Tode komprimiert, also gnadenlos auf Handyhörerqualität reduziert. Hinter dem Gepatsche des Computers geht Lenas wundervoll spielerische Rap-Einlage völlig unter. Sehr schade. Andere Songs, wie beispielsweise Not Following von Elena Jane Goulding (eine angesagte britische Sängerin/Songwriterin), sind einfach schwach, da kann kein Sänger der Welt etwas retten. Zugute halten muss man Raab sein Talent als Songwriter. Der Titelsong My Cassette Player oder die Ballade Caterpillar In The Rain sind todsichere Hits, bei Caterpillar… passt sogar die schnulzige Instrumentierung mit Geigen aus dem Computer. Ebenfalls passend ist die spartanische Begleitung inklusive Saxophonsolo und Jazzgitarre zu My Same von Adele (Wolfgang Dalheimer, der Chef der HEAVYTONES, hatte seine Finger bei der Produktion im Spiel), aber schon beim grundsätzlich großartigen Love Me (s. o.) zerstampft der Drumcomputer wieder jeden Anflug von Sensibilität. Was hat sich Raab nur bei dieser Instantbrühe gedacht? Lena Meyer-Landrut ist wirklich gut, man kann das in beinahe jeder Textzeile spüren, aber "My Cassette Player" ist in Teilen schrecklich lieb- und gefühllos, dabei möchte man sich eigentlich doch von der Leichtigkeit der jungen Frau verzaubern lassen und beschwingt durchs virtuelle Frühlingsblumenfeld tänzeln. Bei Bee, einer weiteren Fremdkomposition, funktioniert das auch, hier wird sogar eine richtige Band in den Credits genannt und produziert hat nicht Raab sondern Boots Ottestad, der als Premium-Producer u. a. schon für Robbie Williams gearbeitet hat. Auch die wundervolle Pianoballade Mr. Curiosity gefällt, doch auch dieser Wohlfühlmoment wird sofort wieder getötet, wenn I Just Want Your Kiss wie ein Prototyp aus dem Microsoft-Versuchslabor über des Hörers Ohr rumpelt. Man kann Lena nicht glauben, dass sie in diesem Moment von irgendjemandem geküsst werden will.
Der Versuch, aus "My Cassette Player" eine Art von Avantgarde-Duffy zu machen, ist misslungen. Es bleibt nur eine halbgare Sammlung von einzeln manchmal bezaubernden Singles, die hintereinander gehört leider wie ein Coitus interruptus wirken. Dem Album fehlen das Lachen und die Fröhlichkeit und vor allem die von Lena für Lena erfundene Authentizität, so unecht sie womöglich in Wirklichkeit auch sein mag. Das Mädel braucht jetzt ganz schnell eine gute Band, eine Tour (und bitte bloß keine Auftritte im ZDF-Fernsehgarten) und anschließend eine mit Herz eingespielte CD, gerne auch "My Cassette Player" noch mal. Stefan Raab sollte dann aber deutlich mehr Herzblut investieren, er kann das nämlich wie kaum ein anderer. Der süßen Lena ist derweil zu wünschen, dass sie nicht verheizt wird und so schnuckelig unangepasst bleibt, denn das Zeug zum ganz großen Star hat sie schließlich.
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