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Diced

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Diced
Diced, Eigenvertrieb, 2007
Dirk Licht Vocals, Guitar
Teo Todorov Guitar, Vocals
Andy Sauer Bass, Vocals
Ralf Niebert Drums, Vocals
Produziert von: Lane Länge: 37 Min 17 Sek Medium: CD
1. Nighttalk5. All For Life
2. Faith6. Heaven
3. When Love Comes Around7. Turn Me On
4. Spirit In The Night8. Nighttalk (Piano Version)

Nu ja, wenn also aus Bad Hersfeld solche Bands kommen, braucht man die inzwischen sterbenslangweiligen Originale endgültig nicht mehr. Mädels, kippt die neue von BON JOVI und die nicht mehr ganz so neue von DEF LEPPARD in die Tonne und schnappt euch LANE. Die sind frischer, jünger sowieso, haben lange Haare und jetzt ihre erste CD fertig.
"Diced" ist klassischer Melodic Rock, wie wir ihn in ähnlicher Perfektion in den letzten Jahren beinahe nur noch von deutschen Bands serviert bekommen. Die Engländer und Amis übertreiben immer so in ihren Produktionen, oder sie sind einfach kreativ am Ende und verwursten nur noch Gammelfleisch.

Krachenden Heavyrock darf man sich von LANE nicht erwarten. Das Konzept geht durchgehend in Richtung Radiokompatibilität, womit natürlich Enthusiasten wie unsere Freunde von Radio Melodic gemeint sind, die Dünnbrettbohrer der Formatradios werden bis zum Sanktnimmerleinstag lieber Britneys letzten Pups spielen. Aber das ist ein anderes Thema.
Konzept und Zielgruppe ist klar, bleibt nur die Frage der Qualität. Fast unmöglich in diesem Genre ist, dass man die feststehenden Klischees umschifft. Tun LANE nicht krampfhaft und deswegen kommen so ganz und gar noch nie verwendete Songtitel wie Heaven (natürlich mit der Textzeile "you are my heaven"), When Love Comes Around oder Turn Me On zustande. Ein wenig darf man dabei schon grinsen und sich dazu kurzberockte Friseurinnen (Friseuse darf man ja nicht mehr sagen) vorstellen. Läuft "Dice" jedoch mal einen Nachmittag rauf und runter, wird aus dem zynischen Grinsen ein behagliches Lächeln. Die Jungs haben eine schicke Scheibe abgeliefert.

Die beiden Gründer und offensichtliche Hauptfiguren der Band sind Sänger Dirk Licht und Gitarrist Teo Todorov. Ersterer hat eine feine Stimme, schön angeraut, leicht anzüglich (für die Ladys: geil) und im Rahmen des Notwendigen flexibel. Todorov spielt dazu eine angenehm zurückhaltende Gitarre, die in den erfreulich wenigen Soli echte Klasse zeigt. Alle vier Bandmitglieder kümmern sich um die üppigen Chöre (höre All For Life; lecker), der Bassist und der Schlagzeuger überzeugen dazu mit gestandenem Handwerk an ihren Instrumenten.
Das größte Plus der Band ist schließlich das Songwriting. Da hat jemand ein gehöriges Eimerchen Melodieverständnis mit auf den Weg bekommen. Die Kompositionen gehen tatsächlich wie Öl runter und verursachen kein Sodbrennen, was wahrlich selten ist bei dieser Musik. Es gibt zu denken, wenn selbst einem Viertaktspezialisten eine Ballade wie When Love Comes Around ausnehmend gut gefällt. Leicht spanisch angehauchte Gitarre, opulente Vocals, hervorragende Produktion. Wo sind die Feuerzeuge?
Ähnlich ergeht es einem bei Spirit In The Night. Altvordere wie JOURNEY würden für einen solchen Song auch nicht ausgelacht werden.

Ein Kritikpunkt sei dennoch erlaubt. Insgesamt überwiegen bei den acht (eigentlich nur sieben, Nighttalk gibt's doppelt) Songs die balladesken Einflüsse. Ein wenig mehr Pfeffer, vielleicht ein, zwei richtige Knackwürste würden ohne weiteres noch eine zusätzliche Kundengruppe erschließen. Die der Bier trinkenden Freunde besagter Friseurinnen nämlich. Trotzdem sollten LANE mit dieser CD durchstarten, das Potential haben sie und "Diced" ist ein tadelloses mit-der-Sonnenbrille-auf-dem-Highway-im-Cabrio-Debut geworden.

P.S.: Ungeklärt ist, wer Keyboards und Piano spielt. Das ist nämlich a.) nicht übel und b.) bei der "Piano Version" von Nighttalk gar nicht so uninteressant.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.08.2007

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