|
|
| Who's The Boss In The Factory?, InsideOut Music, 2008 |
| Jonas Reingold |
Bass, Guitars, Keyboards |
| Göran Edman |
Vocals |
| Lalle Larsson |
Piano, Lead Keyboards |
| Krister Jonsson |
Guitars |
| Zoltan Csörsz |
Drums |
| Gäste: |
|
| Alex Reingold |
Vocals (Intro Send A Message From The Heart) |
| Andy Tillison |
Hammond Organ, Moog Synths |
| Tomas Bodin |
Keyboards |
| Theo Travis |
Saxophone |
| Lelo Nika |
Akkordeon |
|
Länge: 55 Min 43 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Send A Message From The Heart | 4. Two Blocks From The Edge |
| 2. Let In Hollywood | 5. Eternally Part I |
| 3. Who's The Boss In The Factory? | 6. Eternally Part II |
 |
Und wieder beehrt uns eine Band, die mir bis dato völlig unbekannt war, mit einer neuen Scheibe, auch wenn mir der kreative Bandkopf Jonas Reingold ein Begriff ist. Immerhin zupft der Mann auch bei den FLOKIS die vier Saiten.
Als ich das Cover zum ersten Mal sah, hätte ich nicht gedacht, dass mich diese Scheibe so beeindrucken und schnell begeistern würde. Denn immerhin hat der nicht gerade vertrauenserweckende, leicht bis mittelschwer korrupt dreinblickende Herr im mittleren Alster auf der Front genau den Blick drauf, den man als anziehend oder sympathisch bezeichnen möchte. Allerdings ist ein Hauch schlechter Laune auch nicht gerade verwunderlich, wenn er denn der Chef von diesem heruntergekommenen Laden sein sollte, der sich hinter ihm erblicken lässt. Diesem Mann würde ich nicht ohne weiteres meine Arbeitskraft oder mein Kapital übertragen, weil... ich hätte ein ungutes Gefühl. Und das Gebäude? Als Proberaum - okay. Als Übungsplatz für angehende Sprengmeister - auch okay. Als Versuchsfeld für Baggertests - bestens geeignet.
Die Frage, wer der Boss in dem Laden ist, würde ich freiwillig nicht beantworten wollen. Aber bevor ich mich weiter über das Cover auslasse und nicht mehr weiß, wie ich die Kurve bekommen soll, gehe ich dann doch lieber mal auf den Inhalt ein. Wie bekannt, kann hinter einer schäbigen Fassade manch ein Schatz stecken. Und so ist es hier!
Man merkt diesem Album an, dass Reingold bei den FLOWER KINGS und ehemals bei THE TANGENT den Bass bedient. Außerdem hat er in der Firma KARMAKANIC weitere Mitarbeiter, die ebenfalls zu den beiden genannten Arbeitgebern gehören. Ich mag beide Bands sehr gerne, alles im grünen Bereich.
Das Intro, in dem Alex Reingold - der Sohn von Jonas - trällert (so gut, wie Kinder das eben können), lässt noch nicht vermuten, was sich im Anschluss abspielen wird. Wenn wir jetzt auf einen Rundgang durch die Firma gehen, erblicken wir schnell viele bekannte Dinge, die an Neal Morse, THE FLOWR KINGS, THE TANGENT und weitere Bands aus diesem Genre erinnern. Send A Message From The Heart holt die alte Weisheit von Antoine de Saint-Exupéry wieder hervor, dass man eigentlich nur mit dem Herzen gut sehen kann. Denn das, so Reingold selbst, will er damit aussagen: Spreche besser mit dem Herzen als mit dem Verstand. Das macht er uns mit fast 20 Minuten absolut genialer Arbeit vor. So vielfältig wie das Herz spricht, so vielfältig ist das, was einen hier erwartet. Augen schließen und mit auf die Reise gehen.
Mit Let In Hollywood geht es in einer fast schon absurden Berg- und Talfahrt weiter. Das kürzeste vollwertige Stück auf dem Album, in dem Mr. Reingold beweist, dass man auch progressiv sein kann ohne zwanghaft in die Länge zu gehen.
Dann folgt das Titelstück. Was schwermütig anfängt und ein wenig wie PINK FLOYD zu "The Wall"-Zeiten klingt, verändert sich rasch in eine Symbiose aus RED HOT CHILI PEPPERS meet PINK FLOYD, um kurz danach wieder in eine andere Richtung weiterzurocken. Entspannt groovt man sich hier durch die Regale des Prog, Rock, Pop und fügt alles zu einem großartigen Werk zusammen. Aus leicht schrägen Harmonien wird dann doch zum Ende hin wieder ein harmonisches Ganzes. Traumhaft. Spätestens jetzt weiß der Hörer, dass in diesem Genre Jonas Reingold mit zu den Großen zählen darf, und dass er bei seinem Hauptarbeitgeber scheinbar zu kurz kommt.
Two Blocks From The Edge wird von Krister Jonssons genialem wie unspektakulärem Gitarrensolo eröffnet, bevor Göran Edman beginnt, sicher durch den Rest des 10-Minüters hindurchzuführen. Spätestens wenn dann Theo Travis mit seinem Saxophon dazukommt, sollte man diesem Album verfallen sein. Groovend und stampfend zieht man durch diesen Song und lässt auch die aus Floki-Songs bekannte Orgel nicht außen vor. Noch ein nettes kleines Bass-Zwischengeplänkel, ein weiteres effektives Gitarrensolo und fertig ist der nächste geniale Track auf diesem Album. So einen schreibt man nicht jeden Tag.
Ich weiß, ich werde enthusiastisch, aber ich bin noch nicht am Ende angekommen. Was als letztes Stück mit Eternally Pt. 1 + 2 betitelt wurde, ist ein würdiger Abschluss dieser Scheibe. Ein klassisches Klavier leitet in eine großartige Ballade über, die Gänsehaut erzeugt. Langsam, aber dafür umso gewaltiger nimmt das Stück Fahrt auf, um am Ende mit Bombast, Akkordeon (!) und Melodiebögen feinster Art zu enden. Zum Weinen schön!
Wer auf die mehrfach genannten Bands steht, sollte hier dringend mal ein Ohr riskieren. Auf der MySpace-Seite kann man in ältere Songs reinhören, die zeigen, dass man über die Jahre auf einem gleich bleibenden Level arbeitet. Chapeau, meine Herren, und gut, dass aus diesem anfänglichen Projekt inzwischen eine homogene Band geworden ist.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|