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Joanne Shaw Taylor

White Sugar

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White Sugar
White Sugar, Ruf Records, 2009
Joanne Shaw Taylor Guitars & Vocals
David Smith Bass
Steve Potts Drums
Gäste:
Vicky & Heather Background Vocals (Who Do You Want Me To Be?)
Produziert von: Jim Gaines Medium: CD
1. Going Home6. White Sugar
2. Just Another Word7. Kiss The Ground Goodbye
3. Bones8. Heavy Heart
4. Who Do You Want Me To Be?9. Watch 'Em Burn
5. Time Has Come10. Blackest Day

Vor sieben Jahren erlebte Dave Stewart von den EURYTHMICS etwas, das er sich nie hätte träumen lassen: Ein Mädel aus England spielte den Blues auf der Gitarre so beseelt und leidenschaftlich, dass die Gänsehaut, die Dave kriegte, gar nicht wieder wegging. Nun, als Dave seine Gänsehaut kriegte, war Joanne Shaw Taylor - sie war es nämlich, die damals so leidenschaftlich die Gitarre traktierte - gerade 16 Jahre alt. Sie spielte ihre Telecaster so perfekt, dass Dave sie in ein Projekt holte und mit ihr auf Tournee ging.
Na ja, aus dem ersten Plattenvertrag wurde jedenfalls nichts, weil die Firma rechtzeitig pleite ging. "Zum Glück", sagt Joanne heute. "Ich wollte Zeit haben, um mein Handwerk richtig zu lernen, um sicherzustellen, dass mein erstes Album wirklich gut wird."
Natürlich steht auch Joanne wie alle Bluesmusiker auf die alten Hasen ihrer Zunft. Außer dem allgegenwärtigen Jimi H. ist es diesmal Albert Collins und - man höre und staune - Stevie Ray Vaughan [das ist ja echt mal exotisch; Red.]. Außerdem steht sie auf Power Trios: "Weil mich das als Gitarristin und Sängerin mehr fordert. Und weil es billiger ist." Und preisbewusst ist die Dame, sonst würde sie ja kaum auf so einer - na, sagen wir mal - günstigen Gitarre spielen.

Joanne Shaw Taylor Na gut, schieben wir den Silberling in den vorgesehenen Player. Was ich zu hören kriege gefällt mir anfangs nicht so, zu vorsichtig tastet sich die Dame an die Musik heran. Aber kaum ist eine halbe Minute vergangen, ändere ich meine Meinung vollkommen: Denn nun geht Going Home richtig ab. Der Drummer meldet sich zu Wort, der Basser fällt ein - und ab geht die Post.
Joanne Shaw Taylor hat wirklich eine sehr sanfte und leicht rauchige Stimme, die mir zwar nicht gerade die Gänsehaut den Rücken rauf und runter treibt, die aber durchaus recht angenehm zu hören ist.
Gespannt bin ich auf Song Nummer 3: Bones. Den einzigen, den Joanne nicht selbst geschrieben hat, er stammt von Hugh Coltmann. Und der Song geht gleich noch eine ganze Spur rockiger zur Sache, als ihre eigenen. Ein sehr gefälliges Solo, bei dem die Telecaster richtig ins Singen kommt vollendet Bones. So was gefällt und hat Schwung. Da geht dem Blueser die Seele auf.
Who Do You Want Me To Be ist dann das Stück mit dem Backgroundgesang. Der fällt mir allerdings weniger auf als die flott gespielte Sologitarre. Joanne kriegt es übrigens hin, das beim Übergang auf die Sologitarre kein Loch entsteht. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, doch vielen, selbst ausgebufften Spezialisten, passiert das immer wieder.
Time Has Come ist das erste Stück auf dem Silberling, das Joanne nicht verhalten anfängt sondern bei dem sie beherzt mit einem Solo zur Sache geht. Auch zwischendrin gibt es immer wieder längere Solopassagen. Das sind bisher die besten 5:51 Minuten auf dem ganzen Rundling.
Nun kommt das Titelstück White Sugar. Etwas funkig und abgebrochen erscheint mir die Musik hier. Aber Zucker gibt's ja auch in Stückchen, oder? Wenn das Solo dann abgeht, wird das Stück runder. Dass ausgerechnet das Titelstück nicht eine einzige gesungene Zeile aufweist, enttäuscht mich dann doch etwas.

Für die Aufnahmen der CD "White Sugar" flog Joanne nach Memphis zu Jim Gaines, der mit ihren Vorbildern Albert Collins und Stevie Ray Vaughan gearbeitet hat. Er war es auch, der die alten Hasen Steve Potts und Dave Smith ins Studio gebracht hat. Mit ihnen hat Joanne gebluest, funkig geshuffelt und soulige Balladen eingespielt. Das Kiss The Ground Goodbye kein hasenreiner Blues ist, spielt dabei keine Rolle. Der Song stammt wie Heavy Heart und Blackest Day schon aus Joannes Jugendtagen. Ob sie damals schon so tolle und brillante Soli gespielt hat?
Unterm Strich haben wir hier wieder eine der unheimlich vielen tollen Bluesfrauen. Die CD ist allerdings nicht für den Gabentisch: Offiziell erscheint sie erst im Januar. Das Warten darauf lohnt sich!

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 18.12.2008

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