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| Slow Train, Blue Groove, 2007 |
| Hans Theessink |
Vocals, Guitars, Banjo, Mandolin, Mandoguitar, Harmonica |
| Harry Stampfer |
Drums, Percussion |
| Erich Buchebner |
Electric & Double Bass |
| Roland Guggenbichler |
Organ, Piano, Pump Organ, Wurlitzer Piano |
| Dumisani "Ramadu" Moyo, Zibusiso "Blessings" Nkomo, Vusumuzi "Vusa" Ndlovu |
Backing Vocals |
| Produziert von: Hans Theessink |
Länge: 51 Min 54 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Slow Train | 7. Love You Baby |
| 2. Katrina | 8. Old Man Trouble |
| 3. God Created The World | 9. Leaving At Daybreak |
| 4. Thula Mama - Oh Mother Don't You Weep | 10. May The Road |
| 5. Cry Cry Cry | 11. Run On For A Long Time |
| 6. Let Go | 12. When Luther Played The Blues |
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Als bekennender Fan von Paul Simons "Graceland" und Manfred Manns "Somewhere In Africa" wird man Hans Theessinks "Slow Train" lieben. Als Blues-Purist dürfte man in Wallung kommen. Was macht denn der Theessink da schon wieder? Wieso spielt der nicht endlich mal den Hoochie Coochie, My Woman Left Me Blues? Kein Whiskey weit und breit, kein Raddampfer auf dem Mississippi in Sicht, das riecht nach Verrat an den zwölf blauen Takten.
Der holländische Österreicher plagt sich schon einige Jahre mit dem Vorwurf, kein echter Blueser (mehr) zu sein herum, diesmal dürften ihm die akademischen Bewahrer des Baumwollpflückerschlagers endgültig an den Kragen wollen. "Slow Train" ist eine so gründliche Abkehr von allen jahrzehntelang gehörten Blues-Klischees, dass man die CD nur noch als eines bezeichnen kann: Blues. Und schon haben wir die gelehrten Pfeifenraucher im Rollkragen verwirrt, hähähä.
Ein wirklich ernstes Problem wird Theessink mit "Slow Train" allerdings bekommen. Er wird auf dem Weltmarkt nicht gegen Ry Cooders erst neulich veröffentlichten Geniestreich "My Name Is Buddy" bestehen können, dazu ist er einfach nicht bekannt genug - außerdem gelingt ein solches musikalisches Kaleidoskop wie das Cooders nur alle Schaltjahrzehnte einmal. Muss sich unser Mann also mit dem zweiten Platz zufrieden geben.
In kleiner, vorwiegend akustisch agierender Besetzung zelebriert Theessink ein kleines Stündchen mit betörenden Melodien und beseelten Gesängen. Abseits jeder Aufgeregtheit und Selbstdarstellung kommen die zwölf Eigenkompositionen so entspannend wie entspannt daher, auch ein musikalischer Laie kann dem Geschehen mühelos und ohne Nervenzusammenbruch folgen. Dem Fachmann wird natürlich die eine oder andere Nähe zu lange bekannten Klassikern auffallen, aber "Slow Train" bleibt dennoch so eigenständig wie irgend möglich.
Das Infoblatt spricht wiederholt von "Weltmusik". Mag man nachvollziehen können, der real existierenden Weltmusik-Wahrheit entspricht es nicht. Hier wird nicht heuchlerisch aus dem Fenster des Eine-Welt-Laden nach Afrika geschielt, trotzdem selbstverständlich mit den drei Sängern aus Zimbabwe der afrikanische Einfluss beträchtlich ist. Es wird auch nicht in elegischen Ton- und Wortmonstren der sterbende Regenwald und der gemeuchelte Elefant bedauert, dafür aber ernstzunehmend in sich gegangen oder in Love You Baby einfach einer Frau ein Denkmal gesetzt. Ein Katrina-Song mitsamt Bush-Bashing musste dann aber doch sein. Sei verziehen, außerdem klingt es zu schön. Dass er in Thula Mama - Oh Mother Don't You Weep über Apartheid und Simbabwes Diktator Robert Mugabe singt, geht ebenfalls ungestraft durch. Irgendjemand muss es tun.
Hans Theessink ist kein Neuerer, dafür ein kreativer Arbeiter im Dienste der Volksmusik. Wer ihn schon einmal live gesehen hat, kennt die Attitüde dieses Mannes, der zugunsten des guten Geschmacks problemlos auf ein weiteres Gitarrensolo verzichten kann und dennoch jeden Zuhörer von seinem Können überzeugt. Ähnlich zurückhaltend ist "Slow Train" arrangiert, es kommt lediglich der enorm warme "Studioklang" hinzu. Die Anführungszeichen deshalb, weil die CD nicht in einem eigentlichen Studio entstanden ist, sondern in einem großen Wohnhaus in der Steiermark aufgenommen wurde, was sicherlich auch zum naturbelassenen Endprodukt beigetragen hat.
Absolut erwähnenswert ist die Band, die Theessinks Ideen feinfühlig umsetzt und niemals auf Abwege gerät. An erster Stelle natürlich die bewegenden Stimmen der Herren Moyo, Nkomo und Ndlovu. Doch auch diese Könner unterlassen jedes peinliche "Fasst euch alle an den Händen" Heileweltgetue, singen einfach ergreifend gut ihre Parts zwischen Soul, Gospel und Blues.
Dass man nicht unbedingt einen Jim Keltner am Schlagzeug braucht, beweist hier ein gewisser Harry Stampfer (sonst bei Wolfgang Ambros), der seinem Namen nicht die geringste Ehre macht. Sensationelles Percussionspiel, extrem swingende Trommelarbeit.
Roland Guggenbichler (der Professor Gugg aus Kurt Ostbahns KOMBO), aufmerksamen Beobachtern der österreichischen Szene sicher bekannt, lässt seine Orgeln und Pianos prägnant im Hintergrund schwirren und der Bassist Eric Buchebner, ebenfalls bei Kurt Ostbahn tätig gewesen, gibt dem ganzen den groovenden Untergrund.
Was in der heutigen Bluesszene leider viel zu selten passiert, schafft der selbstbeschränkte Virtuose Theessink in jedem einzelnen Lied mühelos: Der Zuhörer fängt an mitzuspielen, denkt sich immer wieder einen neuen Weg für den möglichen Fortgang des gerade laufenden Songs, sucht sich aus dem Booklet den Text und singt mit. Hier wird nichts zugekleistert oder gar tot gespielt, "Slow Train" gibt der Musik und dem Kunden Luft zum Atmen und Wachsen. Das sollten sich alle frei umherlaufenden Gitarrenhelden dieser Welt für ihr nächstes Wunderwerk aufs Notenblatt schreiben.
Hans Theessink und seiner Band ist eine kleine Reise durch die Welt des Blues gelungen, bei der die Nachbarn Gospel, Folk, Soul und der Kollege Roots auf ein Gläschen Wein besucht wurden. Egal ob im südlichen Afrika, Louisiana oder der Steiermark, jede Menge Sonne hat das Tröpfchen abbekommen. Ich persönlich habe mich bei dieser Besprechung an einer Flasche 2005er aus dem Piemont degoutiert. Wohlsein.
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