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Guitar Pete

Mean Streets

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Mean Streets
Mean Streets, Grooveyard Records, 2008
Guitar Pete Brasino Guitar & Vocals
Mitch Haft Bass
Anthony Bernardo Drums
Gast:
Allan Korenstein Keyboard (Shattered Paradise)
Produziert von: Guitar Pete Brasino Länge: 55 Min 25 Sek Medium: CD
1. Fire And Rain6. One Sunny Day
2. Lipstick & Gasoline7. Rock Bottom
3. Found Guilty8. A Long Day Down
4. One Foot In The Grave9. Lucky Me
5. Slugger's Row10. Shattered Paradise

Auf dem Cover sieht man einen amerikanischen Straßenkreuzer mit breiten Reifen, eine Gitarre lehnt am vorderen Kotflügel. Auf der Rückseite steht ein Mann im Flammenkranz und spielt auf einer Gitarre. Er hat einen Stetson auf und eine Fransenjacke an. Hey, das wird doch nicht eine CD mit Southern-Bluesrock sein, die man mir hier einfach anvertraut hat?
Ich schiebe die CD in den Player und traue erst mal meinen Ohren nicht. Pete Brasino ist ein Shouter der tieferen Gangart. Er singt, wie ich rülpse. Sein Zusammenspiel mit Bass und Schlagzeug läuft so lange er spielt, wenn er aufhört - zum Beispiel um ein Solo anzulegen - entsteht ein Loch.

Pete Brasino lernte erst auf der Oberschule Gitarre spielen. Als Linkshänder fand er keinen Lehrer, also lernte er auf einer Rechtshänder-Gitarre, indem er die Akkorde falsch rum spielte. Manche Musiker wollten sich totlachen, über die Art wie er spielte, aber immerhin kann er jede Gitarre bedienen, die er findet. Bald war er der beste Gitarrist der Schule, was ihm den Ehrennamen Guitar-Pete einbrachte. Er trägt ihn bis heute.
Seine erste elektrische Gitarre war eine ziemlich zerschrammte Aria Pro II. Er kaufte sie vom Pfandleiher für 75 Dollar. Pete meine: "Sie schreit!" Pete wurde Vollzeit-Musiker. Mehrere Jahre lebte er zwischen New York und Memphis/ Tennessee, immer auf der Straße. Er lebte in seinem Auto und spielte Jam Sessions mit Musikern, die er traf. So verbreitete er seinen Namen "Guitar Pete". Schließlich zog er zurück nach New York, wo er eine Metal Band mit dem Namen GUITAR PETE'S AXE ATTAC gründete. Die Band veröffentlichte drei CDs.
Inzwischen hat er mehrere CDs herausgegeben, war Sessiongitarrist für TEARS FOR FEARS ebenso wie für David Bowie und Michael Monroe, hat an Don't Dog Me für RAGING SLAB mitgeschrieben und hat live mit Ritchie Blackmore und Brian Setzer gespielt. Reichlich Reputation also.

"Mean Streets" ist offenbar schon seine zweite Platte nach "Burnin' Bridges". Pete tritt dabei mit seinen Komplizen Mitch Haft und Anthony Bern den Hörern mächtig in den Arsch. Die Rhythmusgruppe schafft eine heftig rockende Basis, auf der sich Pete Brasino verbreitet. Dabei verübt er nicht nur seinem Namen entsprechend Attentate mit dem Sixshooter, auch seine Stimme ist ein Angriff auf die Ohrwascheln. Vor allem das so harmlos beginnende One Foot In The Grave, bei dem das Schlagzeug wie ein Wecker lostickt, birst plötzlich in ein wildes Gitarrengekreische, bei dem kein Auge trocken bleibt. Wie erholsam ist dagegen Slugger's Row, in dem sogar eine Bluesharp eingesetzt wird (von wem?).
One Sunny Day wird leider nicht halb so sonnig wie gedacht, weil schwere Groove-Wolken der bluesigen Art aus Richtung Player heranziehen und den Himmel bedecken. Bei Rock Bottom mischen sich sogar noch heftige Wah Wah-Blitze darunter. Klasse Wetter.
Die CD wird sowohl den Freunden der knüppelharten Blues-Fraktion als auch den Southern Rock-Fans vorzüglich munden. Lediglich das letzte Stück, Shattered Paradise, das besonders anfangs stilistisch vollkommen von der harten Route abweicht, bietet einen ausschließlich instrumentalen Blues mit sehr viel Feeling, was so gar nicht zu dem bisherigen harten Sound passen will. Allerdings ist das ja gerade oft auch etwas besonderes für die Freunde der harten Rhythmen.
Wer die CD noch länger hört, der bekommt sogar noch eine verborgene Jam-Session mit. Türen klappern, hochhackige Stiefeltritte klopfen auf den Parkettboden, ein Amp brummt als das Kabel eingeschoben wird und ab geht die wilde Jagd. Nach einigen Minuten bricht das wilde Gefiedel ab, der Amp brummt, weil das Kabel aus der Gitarre fährt, die Stiefel entfernen sich, die Tür klappt und die Session ist vorbei. Das hat man durchaus auch schon schlechter gehört, als bei Guitar Pete.

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 05.11.2008

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