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Luna Turista

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Luna Turista
Luna Turista, Floating World Records, 2009
'The Legendary' Rich Gilbert Guitars, Pedal Steel, Keyboards
Eileen Rose Vocals, Guitar, Keyboards
Nate '86' Stalfa Drums
Gast:
Joshua Hedley Fiddle, Vocals
Länge: 48 Min 07 Sek Medium: CD
1. Simple Touch Of The Hand6. Luckenbach Texas
2. Sad Ride Home7. Strange
3. Trouble From Tomorrow8. Why Am I Awake?
4. Silver Ladle9. The One You Wanted
5. Acid Train10. All These Pretty Things

Die sizilianisch-irisch-englische Songwriterin aus Boston ist mit ihrem fünften Album nicht etwa, wie der Titel vermuten lässt, auf dem Mond gelandet, sondern geradewegs in der Country- und Musikhauptstadt Nordamerikas, in Nashville. Dort hat es sie inzwischen hin verschlagen, doch Mrs. Rose schafft es, sich kräftig gegen allzu seichte amerikanische Klänge zur Wehr zu setzen - als zweiten Entstehungsort ihres neuen Albums hat sie Berlin gewählt. Und das sicher nicht von ungefähr: Schließlich hat sie den entscheidenden Sprung ihrer Karriere in Europa gemacht und weiß, was sie ihren Fans dort schuldig ist. Die späten Neunziger in London und eindrucksvolle Konzerte Anfang des neuen Jahrtausends in Deutschland waren ihrer Rückkehr nach Amerika (Massachusetts und Detroit) vorausgegangen. Heute hat sie vor allem bei uns zulande und bei unseren europäischen Nachbarn jenseits der Alpen treue Fans. Wen wundert's, dass die Songs von Eileen Rose dann mehr wie eine Americana-Interrail-Tour klingen als wie aus dem Land der Hamburger und Highways. Im Laufe des Oktobers konnte man sich auch hierzulande ein Bild von dem machen, was Eileen Rose und ihre Band THE HOLY WRECK ausmacht.

Mit 'The Legendary' Rich Gilbert an Gitarre und Pedal Steel, Drummer Nate '86' Stalfa und Gastmusiker Joshua Hedley an Fiddle und Vocals wird zwar eine Country-Folk-Richtung vorgeben, aber Eileen Rose sorgt schon durch ihren eigenen Einsatz an Gitarre, Keyboards und Lead-Vocals dafür, dass der Dampfer sich schnell aus dem sicheren Hafen der Trucker-Klänge entfernt und dort an Fahrt gewinnt, wo kreatives Songwriting den Wellen der Kommerzialisierung trotzt. Eine dylanesk-folkig eingesetzte Mundharmonika und Banjoklänge setzen noch ein Tüpfelchen hausgemachte Nostalgie auf die ewigen Hakenschläge ihrer Hooklines.
Zeigt sich der Opener des Albums Simple Truth Of The Hand noch plagiatverdächtig ("Hey, Baby, wo hast Du die Voicings her?"), ist Sad Ride Home geprägt von spannungsvoll-emotionaler Sparsamkeit, die sich im rechten Moment wie a little bit of Janis J. oder Rachel M. entlädt. Trouble From Tomorrow im Bum-chaka-bum-Cash-Style verzeihen wir ihr gerne, weil uns im nächsten Track Third Time's A Charm eine einsam-klagende Ballade mit äußerst effektvoller Steelguitar erwartet und sich in Silver Ladle vollends zur puren Melancholie steigert. Schnell einen Bourbon Whisky eingeschenkt und Bühne frei für ein Duett mit Joshua Hedley... oh Schreck! - die Geige kommt jetzt doch ein bisschen zu Nashville-like rüber für europäische Ohren! Alles ein bisschen Strange - immerhin der kommende Track nimmt dann wieder richtig Fahrt auf in Folk-Rock-Gefilde (erinnert mich zwar von den Lines irgendwie an Like A Rolling Stone - aber was soll's, immerhin hat sie bei einem guten Vorbild geklaut). Why I Am Awake? dagegen wandelt so traumwandlerisch zwischen Kentucky-Bluegrass und Old-School-Country-Boys, dass Dolly Parton ihre helle Freude dran haben müsste, hm, echt Geschmackssache.
Paukenschlag gefällig? The One You Wanted baut die dringend nötige Spannung wieder auf und All These Pretty Things versöhnt zum Abschluss mit Americana pur. Das "Heilige Wrack" ist dort zurück, wo es begonnen hat.

Spätestens nach einem zurückgelehnten Hören an der heimischen Stereo-Anlage weiß ich nun endlich, warum die CD so lange bei mir im Auto rotierte: Eileen Rose gibt einem musikalische und emotionale Wechselbäder, die scheinbar keinen roten Faden haben und auch bei dem bei mir sonst so verpönten Zufallsgenerator im CD-Player immer noch eine Chance haben, auch auf langen Fahrten nicht zur Nebensache zu verkümmern. Zeigt sich mal wieder, dass man gute Songs nicht kaputtkriegt, auch wenn man sie in der falschen Reihenfolge und zum falschen Zeitpunkt abspielt.

Volker Gruch, (Artikelliste), 04.12.2009

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