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| Seems So Civilized, Red Bug Records, 2006 |
| Carrie Clark |
Lead Vocals, Keyboards & Acoustic Guitar |
| Dayna Smith |
Bass & Backing Vocals |
| Greg Fulton |
Electric Guitar, Lap Steel, Acoustic Guitar, Four String Guitar, Banjo, Chimes, Mandolin & Backing Vocals |
| Gäste: |
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| Darryl Neudorf & Tracy Pillsworth |
Backing Vocals (Josephine) |
| Michelle Josef |
Drums & Percussion |
| Steve Klodt |
Accordion |
| Larry Bichler |
Drums & Percussion (I Saw You & Just For Tonight) |
| Produziert von: Darryl Neudorf |
Länge: 49 Min 39 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Long Black Coat | 7. Just For Tonight |
| 2. Adeline | 8. Lullaby |
| 3. Josephine | 9. Another Day |
| 4. I Saw You (Hovering) | 10. Let It Rain |
| 5. Have You Heard Them Talking | 11. Home Is... |
| 6. Saturday Sun | 12. Sweet Betty Blue |
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| Say Goodbye To Pretty, Eigenvertrieb, 2006 |
| Camille Bloom |
Lead & Backing Vocals, Acoustic Guitar |
| Paul Kimble |
Lead Guitar, Acoustic Guitar, Bass, Keyboards & Backing Vocals |
| April Satner |
Bass |
| Michael Cotta |
Percussion |
| Gäste: |
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| Dave Brewer |
Lead Guitar |
| Logan Billingsley |
Vocals (Green Woman) |
| Produziert von: Paul Kimble |
Länge: 45 Min 59 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Pretty | 8. Soon Your Past |
| 2. Goodbye | 9. Habit |
| 3. Stay | 10. I Love The Way |
| 4. I Won | 11. That Girl |
| 5. 20/20 | 12. This World |
| 6. I Found Love | Hidden Track: |
| 7. Haunting Me | 13. Green Woman (Native American Spiritual) |
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Man versucht uns ja so einiges an- bzw. abzugewöhnen. Rauchen zum Beispiel, sogar mit einigem Erfolg, man muss die Stinker nur kriminalisieren und auf die Straße schicken, damit sie dem öffentlichen Hohn preisgegeben sind, wenn sie im Herbstwind stehend ihrem qualvollen Tod entgegenhusten. Oder Alkohol. Bald wird auf jeder Bierflasche ein Warnhinweis stehen: "Trinken schadet Ihnen, sämtlichen ungeborenen Kindern und dem Regenwald!" Sogar essen darf man nicht mehr was man will, schnell wird man heutzutage als adipöser Kretin abgestempelt, wenn man zwischendurch eine Leberkäsesemmel vertilgt und der Body-Mass-Index jenseits von 25 angesiedelt ist. Musik auf physikalischen Tonträgern kaufen ist ebenfalls megaout, der Nerd von heute lädt herunter, am liebsten unter Umgehung jeglichen Urheberrechts und maximal komprimiert, damit das iPhone noch genügend Speicherplatz für die Bilder der letzten Sushi-Party hat.
Und dann gibt es in Rockerkreisen noch die Doktrin, dass Liedermacherinnen mit akustischen Gitarren in aller Regel talentfreie Klageweiber mit neurotisch-misanthropischen Zügen sind, die ihren dürftigen Lebensspaß vorzugsweise aus rituellen Kastrationen allzu männlicher Männer beziehen. Um ehrlich zu sein, so manches jaulende Ding in unerfreulichen Wallekleidern erfüllt bereitwillig dieses dumme Klischee und grenzt freiwillig 50% der Weltbevölkerung aus. Über diesen Kampfmaschinen (für oder gegen was auch immer) vergisst man leicht, dass es abseits der MTV-Girlies und Metal-Ladies in der Folk- und Americana-Szene seit Jahren einen lebendigen Underground gibt, der zu einem guten Teil aus Frauen besteht. Und zwar aus Frauen, die ihr Selbstbewusstsein nicht aus ihrem selbst gewählten Kreuzweg beziehen, sondern aus dem Wissen über ihr Können und der Liebe zur Musik. Exemplarisch sei Eleni Mandell genannt, die wohl bald mit einer zweiten CD ihres Bandprojekts THE GRABS (u. a. mit Nigel Harrison, ehemals BLONDIE) reüssieren wird. Ganz aktuell haben wir gleich zwei dieser sympathischen Vertreterinnen angenehmer Roots-Musik vorliegen und spannen sie in einem Artikel zusammen, denn Carrie Clark und Camille Bloom machen nicht nur artverwandte Musik, sie werden im Oktober auch auf eine gemeinsame Tournee durch Deutschland, Belgien und Holland gehen.
Über die beiden Frauen aus Seattle hat man hierzulande noch nicht besonders viel gelesen, mutmaßlich sind wir sogar die erste deutsche Publikation, die über Carrie und Camille berichtet. Der Kontakt kam übrigens über Markus Rill zustande, dem wir dafür herzlich danken.
Carrie Clark hat seit 1999 drei CDs veröffentlicht, zuletzt 2006 "Seems So Civilized" zusammen mit ihrer Band THE LONESOME LOVERS. Musik macht sie schon lange, war Mitglied einer Band namens LOOKING FOR SAILORS und sie singt bevorzugt über die tatsächlich passierenden Dinge des Lebens. Die sind nicht immer fröhlich, entsprechend klingen viele Nummern auf "Seems So Civilized" verhalten nachdenklich. Sie klingen aber auch nach Country, ziemlich verrauchten Clubs und einer Stimme, die ganz genau weiß was sie tut, selbst wenn es nur eine erotische Nacht wie in Just For Tonight ist. "I don't want no complications, no philosophical conversations, and I'll be yours, yes I am yours, just for tonight".
Carrie Clark kann singen und ihre Band ist auf den Punkt hellwach, wenn Josephine in der Tradition eines Vaudeville-Theaters ziemlich sexy unterhält oder I Saw You (Hovering) aus der Tiefe der Wüste kommt.
Die durchgehend geschmackvollen Arrangements und die genretypischen Instrumente von Lap Steel, Banjo, Mandoline bis Akkordeon gehen unter die Haut ohne anzuklagen oder in Schlichtheit zu verdorren, Carrie, die Band und Produzent Darryl Neudorf (u. a. Neko Case) haben einen annähernd perfekten Weg zwischen Wohlklang und Message gefunden. Das ist schön und trotzdem down to earth, unterhaltsam und manchmal auch ein wenig traurig, freundlich und nie selbstvergessen. Eben so selbstbestimmt wie auch Sweet Betty Blue ihr Leben meistert.
Auch Camille Bloom ist aus Seattle und hat eine Band (und offensichtlich einen Turnschuhtick), interessanterweise werden beide Bässe von Frauen bedient, doch sie geht auf "Say Goodbye To Pretty", ihrem ebenfalls dritten Album, einen leicht anderen Weg als die Kollegin. Weniger Country und Burlesque, mehr dezenter Rock und sogar leichte Tendenzen zum Funk, auf den ersten Blick also die etwas robustere Variante im Vergleich mit der verspielten Carrie Clark.
Camille hat eine ebenso eindrucksvolle Stimme, tendiert vielleicht etwas mehr in Richtung einer Tracy Chapman, ist aber zu intelligent um irgendwie nach Talkin' 'Bout A Revolution zu schielen. Leise Lieder wie I Won gehen ganz offensiv mit ihrer Melancholie um, andere, wie beispielsweise 20/20, finden den Weg zurück in eine frische Rock-Welt. I Found Love besticht mit rasanten Lyrics und einer ebenso flinken Akustikgitarre, Haunting Me ist ein Zwischending aus keltischen Tönen, fast schon indianischen Percussions und verblüffender Pop-Kompatibilität, Habit und That Girl lassen es krachen.
"Say Goodbye To Pretty" ist das genaue Gegenteil seines Namens, die CD ist nicht nur hübsch gestaltet und gespielt, sie überzeugt auch mit Vielseitigkeit und der Power einer Frau, die sich ihr Bier selbst holen kann, auch wenn Camille Bloom gemäß ihrem MySpace-Blog gar kein Bier mehr trinkt. Aber sie könnte.
Carrie Clark und Camille Bloom sind nicht nur exzellente Musikerinnen, sie sind ganz eindeutig auch ein Fall für Männer jeden Geschlechts, Rockfans und Konzertgänger. Wir sollten uns diese blöden Vorurteile abgewöhnen und deswegen darf man sich einen der folgenden Termine der "Dry Umbrella Tour" notieren:
15.10.2008, Nürnberg, Pegnitzbühne
16.10., Haarlem (NL), Cafe Briljant
17.10., Amsterdam (NL), Cafe Sappho
18.10., Rotterdam (NL), tba
19.10., tba
20.10., tba
21.10., Den Bosch (NL), De Rode Pimpernel
22.10., Antwerpen (BE), De Jezuïet
23.10., Antwerpen (BE), Crossroads Cafe
24.10., Hildesheim, Bischofsmühle
25.10., Neerkant (NL), De Muzikant
26.10.. Amsterdam (NL), KHL Koffiehuis
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