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| Name Of The Game, Black & Tan Records, 2008 |
| Boo Boo Davis |
Vocals, Harmonica |
| Jan Mittendorp |
Guitar |
| John Gentise |
Drums, Percussion |
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Länge: 49 Min 50 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Dirty Dog | 8. Why You Wanna Do It |
| 2. I'm Comin' Home | 9. Lonely All By Myself |
| 3. Stay From The Casino | 10. It's A Shame |
| 4. Won't Nobody Tell Me How To Live My Life | 11. I'm So Tired |
| 5. Tryin' To Get Ahead | 12. Hot Foot |
| 6. Name Of The Game | 13. St. Louis Woman |
| 7. Who Stole The Booty? | |
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Boo Boo Davis stammt aus dem Herzen des Mississippi-Deltas. Er ist ein Überlebenskünstler, aus der Generation Musiker stammend, die das niederschreiben und spielen, was sie erleben und sehen, spielt er einen Blues, der auf Erfahrung basiert.
Als Boo Boo ein Kind war, gab's kein Geld von dem man den Schulbesuch hätte bezahlen können, damit er lesen und Schreiben lernt. Das hielt ihn aber nicht davon ab, durch die Gegend zu ziehen und auf seine Art und Weise in der modernen Gesellschaft zu überleben. Sein Vater, Sylvester Davis, arbeitete als Baumwollpflücker und spielte mehrere Instrumente. Er spielte unter anderem mit John Lee Hooker, Elmore James und Robert Pete Williams (1914-1980).
Boo Boo erinnert sich an diese und andere Musiker, die zu ihnen kamen und in ihrem Haus probten. Im Alter von fünf spielte Boo Boo die Harmonika und er sang mit seiner Mutter in der Kirche. Mit dreizehn Jahren spielte er Gitarre, und ab seinem achtzehn Lebensjahr spielte er mit seinem Vater und den älteren Brüder unter dem Namen THE LARD CAN BAND. Die Band wurde im Mississippi-Delta relativ bekannt.
In den Sechziger Jahren zog er nach St. Louis und lebte dort in der Blues Szene. Er lernte Albert King kennen, Ike Turner, Chuck Berry und all die anderen. 18 Jahre lang gehörte er zur Hausband in "Tabby's Red Room" im Osten von St. Louis. Wenn er zu Hause ist, geht er mit seiner Familie und seinen Hunden zum jagen oder zum fischen.
Im Oktober 2007 kam Boo Boo auf eine ziemlich verrückte Idee. Anfang dieses Jahres entschied er sich für eine Tour als Trio. Dass er in dem Trio der einzige Farbige ist, störte ihn nicht. Im Herbst kamen sie durch die Benelux-Länder, die Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland. Ihre Musik gefiel den Leuten und sie haben auch eine CD im Gepäck - die fünfte von Boo Boo insgesamt.
Dass sie keinen Bassmann dabei haben, fällt gar nicht so auf. Selbst das Schlagzeug bleibt sehr im Hintergrund, dafür machen Jan Mittendorp und Boo Boo ganz gut Stimmung. Den Sound machen vor allem seine Blues Harp und seine Stimme und Jans Baritongitarre.
Schon Dirty Dog kommt am Anfang sehr merkwürdig, läuft dann aber recht druckvoll, besonders wenn Boo Boo seine Harp einsetzt. Auf I'm Comin' Home klingt der Gesang wie auf einer sehr alten Schellack-Schallplatte. Won't Nobody Tell Me How To Live My Live dürfte wohl einer der längsten Titel im ganzen Rock- und Bluesbusiness sein, ansonsten ist es eine relaxte Midtempo-Nummer, bei der der Fuß automatisch mithüpft. Die Bluesharp flötet gelassen und die Gitarre swingt gemütlich vor sich hin. Ebenso ist es in Why You Wanna Do It, nur singt Boo Boo da wesentlich höher und auch
das Schlagzeug meldet sich darin mal deutlich zu Wort. Dagegen schweigt die Bluesharp ganz.
Womit man die Geräusche in Hot Foot macht, ist mir wirklich rätselhaft. Ich meine, es ist schon klar, dass es die Gitarre ist, aber wie wird das tiefe "Wow, Wow" gemacht? Oktaver, Wah Wah, Entschleuniger oder was? Klingt echt völlig abgedreht, ist aber nach 2 Minuten 35 Sekunden schon vorbei.
Überhaupt ist die ganze CD nicht länger als knapp 50 Minuten. Da wäre doch noch Platz gewesen. Aber okay, für die erste CD [im Schrank des Rezensenten; Red.] soll es reichen. So hat man wenigstens einen recht guten Überblick über das Schaffen des Trios um Boo Boo Davis.
Es kommt nicht oft vor, dass man unserem Blues-Gelehrten widersprechen möchte, in diesem Fall hat es aber gejuckt, denn dem Boogie-Simpel fallen bei "Name Of The Game" ein paar Dinge ins Ohr, die zum verstärkten Stampfen und Klatschen animieren. Es hat vermutlich mit der vordergründigen Einfachheit von Boo Boo Davis' Musik zu tun, die fraglos weit entfernt von Effekthascherei ist. Im Gegenteil, Davis geht mit seiner fünften CD ganz weit zurück, in jene Zeiten, als der Blues nur manchmal Strom aus der Steckdose bekam und ansonsten von der Power und Aura der vortragenden Sänger und Gitarristen lebte.
In der Tat erinnert "Name Of The Game" nicht selten an Aufnahmen von John Lee Hooker oder Muddy Waters, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, als die noch nicht unter den späteren Rentnerschutz fielen, sondern für $ 17,50 und ein Mittagessen ins Studio gingen und mal schnell eine Single einspielten.
Boo Boo Davis kann durchaus auch anders als auf "Name Of The Game", auf seiner vorhergehenden CD "Drew, Mississippi" konnte man sogar einen Rapper, Scrachtings und Samples hören, doch diesmal nimmt er den Puritanerweg und lässt es "stripped" krachen. Es ist nicht große Kunst, es ist maximale Glaubwürdigkeit, wie Davis schreit, lamentiert und aus der Harp manche zwar nicht ganz hasenreine aber fetzig verzerrte Töne presst. Gut, die Songs sind vielleicht nicht allzu tief gehend, aber auch ein Dirty Dog gibt genug Stoff für einen tadellosen Bluesstomper.
Einen Glücksgriff hat Boo Boo mit dem holländischen Gitarristen (und Black & Tan Labelchef) Jan Mittendorp getan. In der selbstverliebten Gitarristenwelt hört man nur noch selten einen so ökonomischen und trotzdem messerscharfen Sechssaiter. Mittendorp bietet alles was man bei dieser Musik braucht: die ganz blauen Töne, sleazigen Rock, die geschmackvolle und zupackende Untermalung von Davis' Chicago-Blues, die vom Kollegen Hörstmann erwähnten Wah Wah- und sonstigen Spielereien, verschleppten Groove im Beinahe-Soul I'm So Tired und dazu noch den Bass-Ersatz auf der Baritongitarre. Trotzdem ist er "nur" der Gitarrist und fährt dem Meister nie in die Parade. Das sollten sich die modernen Überschallblueser hinter die Ohren schreiben, denn die müssen ihre Gitarrenexzesse meist mit ihrem eigenen Gebrüll übertönen.
Boo Boo Davis ist garantiert kein Fall für die Fraktion der Pfeife rauchenden Gymnasiallehrer im Rollkragenpullover, die sich gerne der Analyse des letzten B.B. King Albums hingibt (und sozialdemokratisch FDP wählt). Erstens heißt er Boo Boo und zweitens hat er deutlich mehr Dreck in seiner Musik. Nicht am Stecken. Einen Grammy gibt es für "Name Of The Game" vermutlich nicht, aber dafür Respekt von jedem Straßenkämpfer.
Wenn Rocker überhaupt etwas zu bemängeln hat, dann vielleicht einen fehlenden Zehnminüter, bei dem Davis und seine beiden Kämpen den Blues mal so richtig durchjammen. Aber das dürfte live eine leichte Aufgabe sein. Ansonsten: Traditionsblues der Extraklasse!
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