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Sleeping In Traffic: Part Two

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Sleeping In Traffic: Part Two
Sleeping In Traffic: Part Two, InsideOut Music, 2008
Rikard Sjöblom Vocals, Keyboards
Robert Hansen Bass
Magnus Östgren Drums
David Zackrisson Guitars
Länge: 74 Min 24 Sek Medium: CD
1. As The Sun Sets8. Cashflow
2. Into The Night6. The Downward Spiral / Chimay
3. The Hunter7. Sleeping In Traffic
4. South Of The Border8. Sunrise Again

Dass aus Skandinavien gute Musik kommt ist nichts überraschendes mehr. Dass sich in Schweden neben Elchen und weiten Landschaften auch exquisite Bands aus dem progressiven Sektor finden ist auch nicht die Megaerkenntnis dieser Rezension. Dass aber bei unseren skandinavischen Nachbarn die Zeit stehen geblieben ist, wusste ich noch nicht. Oder hat man hier ein altes Tondokument aus der Zeit, als GENESIS noch richtig geile Mucke machten [also vor der Erfindung des Vinyls; Red.], DEEP PURPLE noch der Schreck der Strasse waren und bunte Batikstoffe das Nötigste der Nacktheit verbargen, ausgegraben? Das könnte man zumindest meinen, wenn man diesen Tonträger in den Player schiebt. Nach den säuselnden Intro-Klängen der Orgel wird so dermaßen tief in die Tasche der genannten Bands gepackt, dass es einem einen wohligen Schauer nach dem nächsten über den Rücken jagt. BEARDFISH, das Quartett aus Schweden, hat definitiv seine musikalischen Vorbilder und Wurzeln in der Vergangenheit, als Progressive Rock noch wirklich innovativ war. Das mag zwar abgekupfert sein, wirkt aber bei dem hier vorliegenden Rundling so was von überzeugend, entspannt, aktuell und gut, dass es besser fast nicht mehr geht.

Mit "Sleeping In Traffic: Part Two" handelt es sich - wen wundert es - um den zweiten Teil einer Geschichte. Diese beschreibt die 24 Stunden im Leben eines Menschen. Teil 1 behandelte den Tag, mit Teil 2 verabschiedet man sich in die Nacht.
Am auffälligsten dabei ist, dass der Gute scheinbar nachtaktiv ist oder unter akuten Schlafstörungen leidet. Während ich an andere Stelle über Teil eins schrieb, dass man aufpassen muss, nicht im Verkehr einzuschlafen, wird dies in der Nacht nicht der Fall werden. Hier wird sich knapp 75 Minuten lang an diversen musikalischen Richtungen ausgetobt und ausgelassen, dass es wirklich eine Freude ist. Nach dem erwähnten Intro (welches die Nacht einläutet) folgt mit Into The Night der Einstieg. Mit treibendem Beat macht man sich auf die Reise, wird in den Strophen etwas ausgebremst, nur um im nächsten Part wieder aufs Gaspedal zu drücken. In bester PURPLE-Manier rauscht The Hunter durch die Boxen, um dem groovenden South Of The Border den Weg zu bereiten. Und so geht es Stück um Stück weiter.

Was darf auf einem Prog-Rock-Album niemals fehlen? Natürlich: Ein Longtrack. Und den brennen die vier sympathischen Schweden mit dem Titelstück ins Polycarbonat. Hier wird so ziemlich in jede Schublade der großen Rock-Ära gegriffen, und dass nebenbei auch noch das Titelmotiv Staying Alive verwurschtelt wird, ist witzig und spiegelt den Humor der Skandinavier wieder, ist aber für mich nicht das Herausragende an diesem Stück. Irre ist, mit welcher Lässigkeit hier Kirmesmusik neben Rock neben Hardrock neben Disco besteht, ohne auseinander zu reißen. Das beeindruckt und bleibt hängen. Dass bis auf das Intro/Outro kein Stück unter 6 Minuten liegt (okay: The Hunter verpasst die Grenze um 3 Sekunden) und dabei auch keine Langeweile aufkommen lässt, zeugt von großem Kreativpotential. Wenn sie jetzt hier und da noch ein bisschen mehr die Sau rauslassen würden, wäre das perfekte Retro-Prog-Rock-Album für die Nachwelt aufgenommen. Aber das traue ich den Vieren eher zu, als dass Deutschland doch noch Europameister wird.

Der Ritterschlag dann noch zum Schluss: "... these guys are making music for the folks who truly miss the classic bands that started this whole genre." (Mike Portnoy, DREAM THEATER)

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 18.06.2008

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