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The Road To Heaven

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The Road To Heaven
The Road To Heaven, Escape Music, 2008
Robert Berry Vocals, Bass
Gary Phil Guitars
David Lauser Drums
Alan Fitzgerald Keyboards
Produziert von: Alliance Länge: 52 Min 24 Sek Medium: CD
1. Road To Heaven8. Comin' Home
2. I Can Breathe9. Nothing Else I Can Do
3. Make A Stand10. Walkin' Away
4. Anything Goes11. Remember Those Days
5. Like Me Like That12. Not Done Til It's Done
6. Broken Glass13. Much More Innocent
7. We Don't Talk

So funktionieren Konzerne, so funktioniert auch Home of Rock. Der Leiter der Abteilung Quality Management setzt sich eingehend mit den verfassten Ergüssen auseinander, lässt extern und intern intensivst prüfen und gibt das Ergebnis schließlich ans Competence Center Uploads (CCU) weiter. Der Mann hat eine Bonifikation verdient.

Memorandum
Fr: Leiter Quality Management and Review Assessment Center HoR (QAMACHOR)
To: Fred Schmidtlein (CCU)
Re: Quality Check der Review 'Alliance'

Hail Chief,
das QAMACHOR stellt die Beendigung des Quality Assessments o. g. Schriftstücks (Autor: D. Gastrock) fest.
Die Überprüfung ergab, dass sich der Artikel in der vom Management festgelegten Norm bezüglich Qualität (Stil, Länge, Angemessenheit der Beurteilung, Zahl der verwendeten Beleidigungen) am oberen Ende der Skala ('9 on a 10 scale'-Maß) bewegt und somit unbedenklich zur Veröffentlichung empfohlen werden kann. Die 7-monatige Verspätung der Veröffentlichung, die der Check mit sich bringt, ist im von mir selbst als Leiter QAMACHOR festgelegten Toleranzbereich.
Der nächste Artikel, der geprüft wird, wird von Ihnen sein. Bitte bemühen Sie sich diesmal, unsere Anstrengungen durch eine ordentliche Arbeit zu erleichtern.

Wenn ein Ruderer, ein Kanute, ein Wildwasserfahrer und ein Tretbootfahrer zusammen in einen Rudervierer steigen - muss das automatisch zu einem neuen Rekord führen? Wird der Vierer im Stil des Kanuten gefahren, oder gar in einer Mischung - Wildwassertretboot?
Nein. Also nehmen wir auch nicht an, dass das Erbe der vier Musiker auf dieser CD - Robert Berry (HUSH, GTR, AMBROSIA, solo), Gary Phil (BOSTON, Sammy Hagar), David Lauser (Sammy Hagar), Alan "Fitz" Fitzgerald (NIGHT RANGER) - automatisch zu irgend etwas führt, das die Arbeit ihrer eigentlichen Bands überragt - könnte, muss aber nicht. Selbst BOSTON und NIGHT RANGER haben ja heute kaum noch mit BOSTON oder NIGHT RANGER zu tun. Nur Hagar ist immer noch ziemlich hagar.

ALLIANCE also, egal, wo die Musikusse herkommen. Los geht's mit dem Titeltrack, und ganz am Anfang Synths zuhauf - oh mei! Aber nein, Phil betritt die Szene und wirft ein Classic-Rock-Riff ein, und dann erhebt Mr. Berry die Stimme, und ab geht die Post. Berrys Performance ist ohne Fehl und Tadel, die Hookline krallt sich gleich beim ersten Mal im Ohr fest, der Mittelteil wird mit einer von "Quadrophenia" gerippten Bassline eingeleitet - Referenz an The Ox - und mit Gitarrensolo, mehrstimmigem Chor und allem Pomp beendet. Der Song geht als 'Sehr Gut' durch den Check. Phils Gitarre knallt natürlich nicht so wie auf Hagars CDs - das hier ist AOR, also Schlager für Rocker - und dementsprechend tut die Produktion keinem weh, ist aber gut. Und: so eine Hookline hätten sich BOSTON oder NIGHT RANGER auf der letzten CD auch gewünscht (oder wir uns von ihnen).
Kann man das toppen? Kann man: I Can Breathe. Midtempo Rocker, eine Ode an die "Nebraska", und die Freiheit, die man in den Weiten dort empfinden muss. Angenehm nettes Riff, ohne zu abgeschmackt zu sein und irgendwelche 80er AOR Riffs wiederzukäuen (was man im AOR allzu oft hört, IMHO). Die Gitarre trägt uns im Solo in die Weiten, und man fühlt die Freiheit über dem Bass/Keyboard-Teppich, alles wieder mit himmlischem Chor versehen, und plötzlich gibt's noch einen Gang drauf, über einer unruhigen Drum-Basis Synthgeigen und Orchester; es kann wohl auch düster werden in Nebraska.
Kann man das noch toppen? Man kann: Make A Stand - Ballade. Großes Theater, herausragend gesungen, soll heißen: emotional, aber nicht schmalzig, und die Gitarre liefert die nötige Riffhärte im Refrain. Das Wort 'schwelgerisch' ist angemessen.
So, gut jetzt - drei Klassesongs - jetzt kommen die Luschen, oder?

Die Gitarre rechts schrabbt den Rhythmus, links das Riff, 'let love have its way' und Anything Goes. Gut, das ist jetzt eher mittelmäßig, im Sinne von: wenn sie damit bei "Wetten, dass…" auftreten würden, würden immer noch die Feuerzeuge rausgeholt, und der Rocker unter den Moderatoren würde was von 'handgemachtem Rock' schwafeln; aber wir Eingeweihten wissen - nach soviel Sonnenschein kommen auch mal ein paar Wolken. 3:1.
Ahh, Shuffle - und Berry beschwert sich in dem nächsten Midtemporocker bei seiner Frau, die ihn anmacht, dass er so spät aus der Kneipe kommt - das hast Du doch sonst immer gemocht. "What's the shoutin' all about". Bisschen viel Guitarsynthesizer, aber erträglich, solide. Wah-Wah im Mittelteil, und es steht 4:1.
Broken Glass, na ja, es geht nicht richtig los, und man kommt auch nicht an; aber der Refrain ist mal wieder gut - unentschieden.
We Don't Talk erinnert vom Refrain an die BEE GEES, mit Akustikgitarre, variablem Drumming, auf solider Gitarrenbasis, mit schönem Synth-Solo, das von der Gitarre aufgenommen wird. 5:1.
Comin' Home lässt etwas nach, Nothing Else schwebt auf einem Synth-Gitarrenteppich, und spätestens jetzt wird die Schwäche des Albums deutlich - die letzten Songs ähneln sich zu sehr, es wird eintönig. Walkin' Away mit der Akustikgitarre und Orgelbegleitung ändert das Schema wieder etwas, aber die Gesangslinien sind nun endgültig beim Schlager, lalala, angelangt. Es beginnt die Ohrverätzung durch Schönklang, dem man sich nur durch gemäßigtes Schnarchen entziehen kann.

Für meinen Geschmack hätte man Phils Gitarre mehr akzentuieren sollen, dann hätten die Synths, die bei den letzten Takes nun wirklich ziemlich breiig wirken, nicht so eine negative Auswirkung gehabt. Not Done Til It's Done schließt zwar wieder fast an die herausragende Qualität der ersten Songs an, und der Refrain in Much More Innocent ist auch sehr gut.
Aber trotzdem: hier ist ein Zuviel an guten Melodien verschenkt worden durch ein Zuwenig an Abwechslung. Wieso müssen es heute eigentlich immer 13 bis 14 Songs sein - nur weil der Platz da ist?
Am Ende steht es zwar immer noch 7:5 für das Album, bei einer Enthaltung, daher: für AOR-Jünger ist das Ganze sicher eine Offenbarung, zumal nicht nur die verstaubtesten Riffs hervorgekramt werden; für etwas härter Gesinnte reichen die durchaus vorhandenen Riffs und Soli nicht aus, um das ganze mehrmals in einem Gang durchzuhören.
AOR Liebhaber: kaufen. Rocker: wenn etwas Geld übrig ist, und man mal was zum Auflegen in lauen Nächten beim Wein mit dem/r Lebenspartner/in haben will, bei dem man sich trotzdem noch durchaus an dem einen oder anderen Track richtig erfreuen kann.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 03.12.2008

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