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Birdland

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Birdland
Birdland, Favored Nations Entertainment, 2003
Jim McCarty Drums, Percussion, Background Vocals
Chris Dreja Rhythm Guitar, Percussion
Gypie Mayo Lead & Rhythm Guitars
John Idan Lead & Background Vocals, Bass, Rhythm Guitars
Alan Glen Harmonica
Gäste:
Jeff 'Skunk' Baxter Guitar (The Nazz Are Blue)
John Rzeznik Vocals (For Your Love)
Joe Satriani Guitar (Train Kept A Rollin')
Steve Vai Guitar (Shapes Of Things)
Jeff Beck Guitar (My Blind Life)
Slash Guitar (Over Under Sideways Down)
Brian May Guitar (Mr. You're A Better Man Than I)
Steve Lukather Guitar (Happenings Ten Years Time Ago)
Martin Ditchum Percussion
Simon McCarty Percussion (My Blind Life)
Produziert von: Ken Allardyce Länge: 57 Min 00 Sek Medium: CD
1. I'm Not Talking [Mose Allison]9. My Blind Life [Dreja]
2. Crying Out For Love [McCarty]10. Over Under Sideways Down [Dreja, Relf, McCarty, Beck, Samwell-Smith]
3. The Nazz Are Blue [Dreja, Relf, McCarty, Beck, Samwell-Smith]11. Mr. You're A Better Man Than I [M. Hugg, B. Hugg ]
4. For Your Love [Graham Gouldman]12. Mystery Of Being [McCarty]
5. Please Don't Tell Me 'bout The News [McCarty]13. Dream Within A Dream [McCarty, Edgar Allan Poe]
6. Train Kept A Rollin' [Tiny Bradshaw, Lois Mann, Howie Kay]14. Happenings Ten Years Time Ago [Relf, McCarty, Beck, Page]
7. Mr. Saboteur [McCarty]15. An Original Man (A song for Keith) [Dreja, McCarty, Idan, Mayo]
8. Shapes Of Things [Relf, McCarty, Samwell-Smith]

Ich war ja sowas von enttäuscht vom Konzert der alten Herren im letzten Jahr und eigentlich hatte ich mir die hämischen Worte für dieses Review schon lange zurecht gelegt. Kostprobe: Rentnermucke, fader 60ies-Aufguss, Brit Pop für arthritische Beamte und so weiter.
Immerhin ist die letzte LP der Band YARDBIRDS geschmeidige 36 Jahre alt, also kurz vor meiner Einschulung veröffentlicht worden. Hat den so eine Kapelle überhaupt noch die Berechtigung, nach so langer Zeit und unter altem Namen eine neue CD zu veröffentlichen? Vor allem, wenn von den untrennbar verbundenen Namen Clapton, Beck, Page natürlich keiner mehr dabei ist im Jahr 2003 (was nicht ganz stimmt, den Beck ist immerhin bei einer Nummer als Gast anwesend).

Zuerst muss man Chris Dreja ein riesiges Kompliment für das Cover machen. Eines der witzigsten und schönsten der letzten Jahre. Die schrägen Vögel sind vom Künstler SAM entworfen worden. Spitze!
Und dann legen wir die CD skeptisch ein. Ich hatte mich auf mehrere Tage Hördauer eingestellt, denn ohne Tiefschlafphasen wird man das sicher nicht überstehen können.

Noch ein bisschen lauter gedreht, denn vermutlich haben die Herren ihren Schlafwagensound ultraleise aufgenommen.
Es dauert dann 7 Sekunden und der Nachbar hämmert an die Wand. Was ist das? Falsche CD? Die alte Mose Allison-Nummer I'm Not Talking braust als kernigster Rhythm & Blues daher. 2 Minuten 45 Sekunden, Singlelänge, und Schluss. Hey, ist ja geil und frisch und knackig.
Nächste Nummer, klingt nach Sixties (ist aber von 1996), schöner Gesang und wieder eine fast schon grandiose Gitarre von Gypie Mayo (in den 70ern bei DR. FEELGOOD). Sauber! Und dann bricht The Nazz Are Blue aus den Boxen. Ein Dampfhammer-Rhythm & Boogie. Sapperlott. Was hat man denn mit denen angestellt? Frischzellenkur? Ich gestehe, dass dieser Song auf "Roger The Engineer" 1966 schon mal veröffentlicht wurde, wusste ich nicht.

Damit hier nicht der Eindruck entsteht, die Musikerrentenkasse würde mich für diesen Artikel bezahlen: Es sind durchaus überflüssige Nummern auf der CD. Zum Beispiel bräuchte ich eine Neuauflage von For Your Love nicht, trotz dem guten Gesang von John Rzeznik von den GOO GOO DOLLS (F.Y.L. wurde übrigens 1965 von Graham Gouldmann, später 10CC, geschrieben), der eine und andere Song klingt tatsächlich wie schon mal durchgekaut, mit dem Gesang von John Idan bin ich aus persönlichen Geschmacksgründen nicht einverstanden und eine Vertonung von Edgar Allan Poe (Dream Within A Dream) könnte spannender sein.
Aber! Sie schaffen es (fast) immer, auch den langweiligeren Machwerken einen satten Spannungsbogen zu geben. In den durchschnittlich 3 1/2 Minuten kurzen Klopfern verbirgt sich immer irgendwo ein kleiner oder großer Höhepunkt. Mal ein verwegenes Solo von Gypie, mal ein dramatischer Break, mal ein geschmackvoller Percussioneinsatz, immer passiert etwas. Es zeigt sich die klassische Songwriterschule aus der Zeit der kleinen schwarzen Vinylscheiben. Wenn so eine Single nicht zündete, flog sie raus aus der Jukebox.

Dann beginnt die Star-Parade auf dieser CD. Nacheinander wechseln sich an den Gitarren ab: Jeff 'Skunk' Baxter (DOOBIE BROTHERS, STEELY DAN u.v.a.), Joe Satriani, Steve Vai (auf dessen Favored Nations Label die Yardbirds auch untergekommen sind), Jeff Beck, Slash, Brian May und Steve Lukather.
Dudelkönig Satriani verpasst Train Kept A Rollin' einen mächtigen Punch. Der Train rockt!
Für Shapes Of Things gilt das selbe wie für For Your Love. Das ist eigentlich altehrwürdige Geschichte, die man ruhen lassen sollte/könnte. Andererseits schmettert Vai ein 2.000-Noten-in-12-Sekunden Solo und das sollte der Gitarrenfreak schon mal gehört haben. Die Yardbirds beweisen, dass sie auch im Jahr 2003 noch eine all-guitar-band sind.
Leicht verstörend klingt danach der Einsatz von Jeff Beck auf My Blind Life. Der Himmel weiß, warum Beck heutzutage so einen schrottigen Sound fahren muss. Klingt wie ein kaputter Verstärker und eine Gitarre mit gebrochenem Hals.
Slash ist unwichtig, genau wie der Song Over Under Sideways Down, ebenfalls eine recycelte alte Hit-Kamelle von 1966. Eigentlich. Die letzte Minute ist nämlich mehr als furios. Großartig.
Brian May zeigt nicht wirklich, was er eigentlich könnte. Schade, da wäre mehr drin gewesen. May ist einer meiner Lieblingsgitarristen.
Ausgespochen gut gelungen ist das Remake von Happenings Ten Years Time Ago, bei dem Lukather derb schmutzig rockt.

Einen schönen Abschluss haben sie mit An Original Man gefunden. Eine Hommage an den am 14. Mai vor 27 Jahren gestorbenen Originalsänger Keith Relf (der auch der Grund ist, warum mir Idan einfach nicht so richtig zusagt). Klingt schön folkig.

Ja, was soll ich sagen? Diese CD ist eine dicke Überraschung, die ich dieser Band ganz sicher nicht mehr zugetraut hätte. Klar, sie bedienen sich ausgiebig in der eigenen Geschichte, das aber sehr geschmackvoll. Die neuen Songs können nicht alle wirklich überzeugen, aber handwerklich und in der Umsetzung ist es ohne Fehl und Tadel. Ein absolut kurzweiliges Stündchen Musik.

In den Lexika werden die YARDBIRDS als Pioniere des Hard Rock und Heavy Metal bezeichnet. Mit Metal hat das hier natürlich gar nichts zu tun, aber man hört ohne jeden Zweifel, dass ohne diese Band und ihre Gitarristen die heutige Rockmusik um vieles wenn nicht alles ärmer wäre.
Bravo und Respekt!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.04.2003

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