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Good To Be Bad

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Good To Be Bad
Good To Be Bad, SPV/Steamhammer, 2008
David Coverdale Vocals
Doug Aldrich Guitars
Reb Beach Guitars
Uriah Duffy Bass
Timothy Drury Keyboards
Chris Frazier Drums
Produziert von: David Coverdale, Michael McIntyre & Doug Aldrich Länge: 59 Min 28 Sek Medium: CD
1. Best Years7. Summer Rain
2. Can You Hear The Wind Blow8. Lay Down Your Love
3. Call On Me9. A Fool In Love
4. All I Want All I Need10. Got What You Need
5. Good To Be Bad11. 'Til The End Of Time
6. All For Love

Lieber Musikfreund, wenn es demnächst aus deinen Boxen quietscht und pfeift, haben sich die Herren Aldrich und Beach darin einen Hamsterkäfig gebaut und gitarrisieren wie Nager im Laufrad wild vor sich hin. Es könnte aber auch die neue WHITESNAKE im Player gelandet sein und die beiden wollen dir beweisen, dass zwei Gitarren gut und gerne wie 18 klingen können, wenn man sie nur oft genug doppelt.
Eine Stunde später hat man die Nase aber so was von gestrichen von Gitarrenexzessen voll, dass zur Entspannung mindestens einen Abend lang ausschließlich ein Triangelquartett aufspielen darf.

"Good To Be Bad" ist schließlich doch noch zur Vollendung gelangt. Unerklärlich, warum das so lange gedauert hat, die Songs sollten nämlich seit exakt 21 Jahren in Herrn Coverdales Schublade gelegen haben. Neu können sie allem Anschein nicht sein, sonst klänge das Ergebnis - musikalisch und konzeptionell - nicht so frappierend nach "1987". Und ja, wir wissen durchaus, dass die Platte sich seinerzeit wie geschnittene Fingernägel verkauft hat, wir wissen auch, dass damals John Sykes ganz alleine das Gitarrengekreische verantwortet hat, aber das macht diese Ursuppe aller Blondinenträume für uns Jeansträger nicht besser.
Als vor zwei Jahren "Live - In The Shadow Of The Blues" mit vier neuen Studiosongs abschloss, wusste man im Grunde schon, was man von "Good To Be Bad" erwarten kann, und genau das ist jetzt eingetroffen: Arena-Rock im Breitwandformat, grundlangweilige Balladen und ein paar feiste Kracher. Immerhin ist Tommy Aldridge nicht mehr dabei, für ihn hämmert nun ein gewisser Chris Frazier. Der hat auch schon für Steve Vai und Frau Pesch getrommelt und macht seine Sache ganz gut. Hoffentlich hält er sich live ein wenig mehr im Zaum als sein Vorgänger und orientiert sich zur Abwechslung an Ian Paice. Träumen darf man wohl noch.

Coverdale sagt: "… I can hear moments that take me back to the bluesy, early years of the band…". In der Tat, es gibt diese Momente. Drei an der Zahl und insgesamt ca. 15 Sekunden lang. Ansonsten ist "Good To Be Bad" eher ein Stalking denn ein Walking in the shadow of the Blues. Zum Beispiel wäre es irre spannend zu wissen, was zwei gewisse britische Gitarristen aus dem scharfen Rocker Got What You Need gemacht hätten. Nun bekommt man aufgrund der von überall hervorquellenden Gitarrenspuren leider kaum mit, dass es sich um einen drückenden Boogie handeln könnte. Spätestens beim völlig überdrehten Solo nach zweieinhalb Minuten schaltet das Ohr auf Autopilot und geht in Kaffeepause.
Letztlich sind alle Songs im gleichen Muster aufgebaut. Entweder Power ohne Ende und dann Solo, oder Ballade (leider auch ohne Ende) und anschließend Solo. Die Gitarren klingen so eigenständig, dass für Summer Rain wohl eine Plagiatsklage ins Haus steht und sämtliche ehemaligen Gitarrenwürger nach Moody und Marsden Tantiemen einfordern könnten. Vielleicht ist es auch ein Quiz, bei dem dem Gewinner ein Abend in Aldrichs Stagemonitor blüht. Die Frage: Wie hießen die Originale von Lay Down Your Love und Good To Be Bad? Trotzdem starke Nummern, in denen sogar ein letzter Rest von Soul in Coverdales Stimme auftaucht.
Man soll nicht ungerecht sein, ein wenig Blues ist tatsächlich zu entdecken. Das Intro von A Fool In Love hat glattweg eine dezente Slide spendiert bekommen - und ein original vintage Schallplattenknistern. Wie originell. Danach kommt eine zäh dahinfließende Halbballade mit dem obligatorischen Saitengemetzel in der Mitte.

Trotz aller Kritik ist "Good To Be Bad" kein schlechtes Album. Knackwürste wie Best Years oder Call On Me gehen gut nach vorne, auch wenn das gesamte Projekt natürlich ein einziger Anachronismus ist und David Coverdale von einstiger Größe weit entfernt ist.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.04.2008

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