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Forevermore

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Forevermore
Forevermore, Frontiers Records, 2011
David Coverdale Vocals
Doug Aldrich Guitar
Reb Beach Guitar
Michael Devin Bass
Brian Tichy Drums
Timothy Drury Keyboards
Produziert von: David Coverdale, Doug Aldrich, Michael McIntyre Länge: 63 Min 30 Sek Medium: CD
1. Steal Your Heart Away8. Love And Treat Me Right
2. All Out Of Luck9. Dogs In The Street
3. Love Will Set You Free10. Fare Thee Well
4. Easier Said Than Done11. Whipping Boy Blues
5. Tell Me How12. My Evil Ways
6. I Need You (Shine A Light)13. Forevermore
7. One Of These Days

Fett! Das ist das erste Wort, das mir einfällt bei dem neuesten Output von Mr. Coverdale und seiner weißen Schlange. Fette Gitarren! Fetter Sound! Fette Produktion! Fette Verkaufsperformance: CD, CD+DVD, Doppel-LP, CD+DVD+LP und in England sogar noch mit einem 132-seitigen Beiheft, einem Poster und Anstecknadel + zwei Bonustracks aus 1990. Das Problem: zuviel Fett macht Speisen ungenießbar. Und zuviel Fett sorgt dafür, dass nichts kleben bleibt, zumindest ist das bei meinem Fahrrad so.

Irgendwo hörte man sagen, dass "Forevermore" die alten Trademarks wieder aufgreifen würde sollen. Das ruft natürlich die Fans der ersten Stunde auf den Plan, die hoffen, endlich wieder bluesgetränkten und semierotisch-süffisant angedeutete Texte abgeliefert zu bekommen. Das mit den Texten kann man gelten lassen, den Blues muss man unter der Wucht des Sounds suchen. Aber schon im Opener Steal Your Heart Away wird man im Hintergrund einer Bluesharp fündig. Hier und da ertönen bluesverwandte Harmonien und Skalen, aber im Großen und Ganzen gibt uns D.C.'s Schlange das volle Brett auf die 12. Die Gitarren dröhnen, der Bass wummert, David singt, schreit und quält seine Stimmbänder, man könnte richtig Spaß an dem Album bekommen.

Wo ist der Haken? Nun, ich bin mit "1987" groß geworden, kann davon fast jeden Song im Schlaf rückwärts pfeifen, die Texte auswendig und heute noch die Scheibe rauf und runter hören. Von daher vermisse ich das bluesige nicht so, wie das wahrscheinlich die älteren Schreiber unseres Hauses der guten Rockmusik tun. Aber Reb Beach oder Doug Aldrich sind halt nicht Vivian Campbell, Adrian Vandenberg und schon gar nicht ein Steve Vai. Das waren die, die gitarrentechnisch die beiden Alben "1987" und "Slip Of The Tongue" veredelten. Auch auf den beiden Alben waren die Gitarren fett, aber sie haben nicht alles zugedröhnt. Das ist das Problem von "Forevermore" (und war auch schon das Problem von "Good To Be Bad"), was dazu führt, dass die Songs nicht richtig hängen bleiben. Auch nach dem fünften Durchlauf hat man nicht den Eindruck, einen Meilenstein der Rockmusik in Händen zu halten. Die Balladen One Of These Days und Fare Thee Well sind nett, leider nicht mehr, Whipping Boy Blues verspricht weniger, als es ist. Ich stellte mir darunter einen Südstaatenblueser gepimpt by WHITESNAKE vor. Ist's leider nicht geworden. So unterschiedlich sind die Vorstellung vom Blues des Prügelknaben (= whipping boy).

Gehobenes Mittelmass, das ist das, was ich dieser Scheibe als Prädikat verleihe und das ist nicht geschönt, sondern tatsächlich so. Eine Stimme wie die von David Coverdale ist nicht austauschbar, die Musik dazu leider in diesem Fall schon.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 30.03.2011


 
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