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CD-Review:
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Wir Musikschreiberlinge sind megacool und wirklich so richtig abgewichst. VANILLA FUDGE, ha, haha, die sind ja älter als der Böhmerwald und demzufolge auch wieder nur einer der vielen Retro-Acts, die sich ihre Rente noch ein bisschen aufbessern wollen. Muss man nicht hin, muss man nicht haben, wir kriegen schließlich tagtäglich frische Kost frei Haus geliefert, all das Zeug, wo sich die Innovationen gegenseitig auf die Füße treten und der Trendsetter sich die Hände reibt, denn es springt nicht nur neue Musik dabei heraus, nein, auch die Mode fürs nächste halbe Jahr wird festgelegt und die Frisurentwürfe bringen wir gleich zu unserem Lieblings-Trendcoiffeur. Jetzt ist das aber so, dass der Schreiber dieses Reviews sich vor 25 Jahren die Hacken abgelaufen hat, um an die raren LPs von CACTUS zu kommen. Unbezahlbar waren die für einen Schüler/Lehrling damals. Und eben dieser jetzt grauhaarige Bassist Tim Bogert und der bärtige Schlagzeuger Carmine Appice prügelten diese Sternstunden des Boogie-Rock & Roll damals ein. Nur für VANILLA FUDGE blieb seinerzeit irgendwie keine Zeit. Die waren ja schon Mitte der Siebziger verdammt alt und total out und die LPs gab es sowieso nicht mehr regulär. Also wuchs meine kleine FUDGE-Sammlung erst in den letzten Jahren auf stattliche 3 CDs an und sooo übel war das gar nicht, was die Herrschaften in den Sixties vor CACTUS so getrieben haben. Natürlich, mächtig verstaubt klingen Platten wie das Debüt von 1967 heute und selbst die letzte LP ("Rock & Roll") von 1970 tönt inzwischen durchaus altbacken, wenn auch immer noch knallig. Im Juli 2003 kommt ein Typ mit dem Pseudonym "Wallbreaker" auf die Idee, einen Gig der (mal wieder) reformierten Band in Henry's Bluesgarage in Hannover/Isernhagen mitzuschneiden. Man muss wissen, dass dieser Wallbreaker ein Verrückter ist, der seine ganze Energie alten Bands (auch vielen deutschen Krautrockern) widmet und von unzähligen Konzerten autorisierte Mitschnitte macht. Von VANILLA FUDGE hat er nun die Genehmigung bekommen, die Aufnahme vom 11. Juli offiziell als CD zu veröffentlichen. Und jetzt kommt's: In Deutschland wird es nur 500 Stück dieser CD geben! Die anderen 500 sind in Amerika bei der Band. Und warum soll man diesen alten Kram in aufgewärmter Form kaufen? Habt Ihr schon mal 'nen mittelalten Home of Rock-Schreibzausel beim headbangen zu einer BEATLES-Nummer gesehen? Nicht? Ich schalt gern die Webcam für Euch ein, wenn ich demnächst You Can't Do That wieder höre. Oh Mann, was für ein Boogie, was für ein Shuffle. Und das ist der Abschluss dieser CD. Davor kommen unglaubliche Dinge auf den Liebhaber klassischem Hardrocks zu. Wir halten fest: Neben Drum-Untier Carmine Appice, der vor sich hin prügelt wie nix Gutes, prägt natürlich Tim Bogert die Band. Bogert ist der Typ "freundlicher älterer Herr, der dir so nebenbei die Eier mit seinen 4 Saiten feinsäuberlich in Streifen schneidet". Na klar, wenn sich 9 Songs auf 75 Minuten erstrecken, dann kriegt man keine 3-Minuten-Terrinen serviert. Das kann dann schon mal 'ne knappe Viertelstunde dauern, bis sich die Herren so richtig abreagiert haben. Aber in der Zeit hat man erstens ein Bier getrunken und zweitens das letzte halbe Jahrhundert der Rockgeschichte erlebt. "Rockgeschichte für Anfänger leichtgemacht" und "Rockgeschichte für Kenner - Auffrischungskurs" heißen die zwei Bücher, die man über diese wundervolle CD schreiben könnte. Merkt Ihr es? Ich schwärme. Das passiert mir immer bei Platten, die mich erschüttern. Bei QUO oder Dan Baird oder all den anderen Rockern, die sich nicht verbiegen lassen. THE FUDGE gehören dazu. Kaufen! Schnell!! Sonst Shot Gun!!! Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.08.2003
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