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| Travellin', Eigenvertrieb, 2007 |
| Timo Gross |
Vocals, Electric & Acoustic Guitars, Resonator, Ukulele |
| Michael Siegwart |
Drums, Backing Vocals |
| Frowin "Superfro" Ickler |
Bass, Double Bass |
| Gäste: |
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| J.R. Rieger |
Co-Lead Vocals (In The Skillet) |
| Harald Lang |
Accordion (The Letter & One More Time) |
| Alex Mathias |
Piano |
| Olaf Schönborn |
Alto Sax (In The Skillet, The Letter & Stranger) |
| Volker Degelmann |
Trumpet (In The Skillet, The Letter & Stranger) |
| Markus Lauer |
Hammond B3 |
| Marija Vitkovic |
Backing Vocals |
| Alex Logel |
Hammond & Electric Piano (Bitches Brew) |
| Billy Goodman |
Electric Slide (The Letter & One More Time), Co-Lead Vocals (One More Time) |
| Produziert von: Timo Gross |
Länge: 58 Min 33 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Cheap Ride | 8. Sing And Swing |
| 2. In The Skillet | 9. Struttin' Pt. 2 |
| 3. Lovesick | 10. Bitches Brew |
| 4. The Letter | 11. One More Time |
| 5. Gone Mad | 12. Travellin' |
| 6. Stranger | 13. Stranger Pt. 2 |
| 7. Circles | |
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Blues. Ein Trio. Deutsche. Das klingt ja mal so spannend wie Tante Klaras Geburtstagsfeiern. Man sieht und hört es förmlich, wie sich eine technisch brillante, aber gänzlich seelenfreie Kapelle durch die fünfundzwanzig beliebtesten Blues-Schlager des letzten Jahrtausends metronomt und das mittelalte Publikum dazu den Pfeifenstiel hoochie-koot. Zur Zugabe gibt's dann Hard Rock: Still Got The Blues. Born under a very bad sign.
Timo Gross kommt aus der Provinz, sieht jünger aus als er ist, jobbt seit zig Jahren als Gitarrist durchs Leben, bevorzugt Fender Gitarren, bekommt aus der einschlägigen Blues-Presse regelmäßig Jubelkritiken und macht mit seiner Band viele viele Club-Konzerte und nun seine zweite CD. Das macht "Travellin'" nicht unverdächtiger. Songtitel wie Lovesick, Stranger, Bitches Brew oder gar One More Time auch nicht. "Klischee", schreit es aus allen Ecken. Und in der Tat, "Travellin'" erfüllt sie fast alle, die vorgefertigten Meinungen im Rezensentenkopf. Doch seltsam, irgendwas stimmt nicht. Warum wird aus dem aufgewärmten Bohneneintopf auf dem Herd plötzlich ein scharf riechendes und gefährlich blubberndes Gumbo? Wieso trommelt man unversehens mit und schwingt unterm Schreibtisch das Bein? Da wird doch nicht einer? Gibt's nicht, oder? Tja, gibt's schon. Sapperlot.
Um eines klarzustellen: Timo Gross erfindet nichts, macht überhaupt nichts Neues, bedient sich ganz einfach des guten alten Blues in verschiedenen Ausführungen. Was ihn und seine Band allerdings über das dröge Mittelfeld heraushebt ist die Frische und vor allem der Schwung seiner Kompositionen. Nach dem ersten, zweiten und dritten Durchgang hat man noch nicht mal richtig mitbekommen, dass wir hier einen überaus talentierten Gitarristen haben, zu angenehm rocken sich die Songs in Bauch und Ohr. Keine Solo-Orgien, keine hyperaktiven Anfälle von Gitarrenweltmeistergehabe, keine peinsamen Materialschlachten. Da kommt ein jazzig swingendes Stückchen wie Sing And Swing zwischendurch genau so authentisch und glaubhaft wie die verschiedenen From-New-Orleans-To-Mississippi-To-Chicago Ausflüge.
"Travellin'" klingt in keinem Moment aufgesetzt, gestellt oder gestylt, das Fortbewegungsmittel ist auch mitnichten ein prähistorischer Raddampfer oder eine schwere Dampflok, hier wird mit einem schmucken Pick-Up und einem schnittigen Motorboot gereist. Gross macht dankenswerterweise nicht auf Baumwollpflücker, lässt seine Gitarre durchaus deutsch klingen (wie auch immer das geht), erinnert in Technik und Sound manchmal an Andreas Schmid-Martelle (ehemals Jule Neigel Band), interpretiert das Blues-Delta, lässt ihm aber seinen freien Lauf. Und er hat einen Bassisten und einen Drummer, die wirklich grooven und rollen. So geht das mit dem Blues im Jahr 2007.
Nur zweimal, bei Gone Mad und Circles, wird auf zu ausgetretenen Wegen gewandert, der Rest, also schöne 50 Minuten, stürmt wundervoll ins Zentrum der Begehrlichkeiten. Gross ist weder straighter Riff und gefühlvolle Akustikgitarre noch verspielte Slide noch Resonator fremd, er spielt mit Gefühl und vielen Fingern, nervt dabei nie, wechselt Stimmung und Rhythmus wie selbstverständlich, nähert sich Größen wie Sonny Landreth ohne Scheu, lässt die heutigen LITTLE FEAT sehr alt aussehen, überstrapaziert niemals die Vorgaben eines B.B. King, Stevie Ray Vaughan oder Clapton, adaptiert gründlich und überlegt, macht aber keine Doktorarbeit aus seiner Musik. Da ist jede Menge Leichtigkeit zu hören, keine Verbissenheit, kein todtrauriges Betroffenheitsgenöhle. Wenn das Standard wäre, der heimischen Szene ginge es weit besser und das Publikum wäre um Jahrzehnte jünger. Und Bitches Brew ist ein Killer!
Zur Unterstützung hat sich Gross noch etliche Gäste ins Studio geholt, die den Songs dezente aber eindrucksvolle Facetten verabreichen. Von Piano über Gebläse oder Akkordeon bis zum schönen Background-Gesang einer gewissen Marija Vitkovic. Hervorzuheben ist ebenfalls Markus Lauer mit reichlichen Hammond-Einlagen. Ausserdem taucht noch der allseits bekannte Billy Goodman auf. Sehr geschmackvoll, das. Und frisch, und spannend, und glaubwürdig.
Neben Henrik Freischlader ist Timo Gross DAS Faustpfand auf einen weiterhin lebenden Blues im Rock.
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