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Tim McGraw versus Brooks and Dunn:

Set This Circus Down / Steers and Stripes
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Tom McGraw
Brooks & Dunn
Set This Circus Down
Steers and Stripes

Tim McGraw - Set This Circus Down / Brooks & Dunn - Steers & Stripes

Keine Ahnung, ob es Zufall war, dass ich mir vor einigen Tagen bei Bärchen Records die Werke der wohl beiden, seit es um Garth Brooks ruhig geworden ist, angesagtesten Interpreten in Amerikas New-Country-Szene zusammen bestellt habe. Beide Scheiben machen schon beim ersten, aber recht oberflächlichen Hördurchgang den, wie von Jürgen Thomä wieder mal vortrefflich in seinen Kurzkritiken beschriebenen, starken Eindruck.

Geprägt von meinem, bis durch einen Unfall abrupt gestoppten, dreißigjährigen Sportlerleben, kam ich auf die Idee, da auch jede der CDs zufälligerweise vierzehn Stücke enthält, beide in einem sportlich-musikalischen Vergleich gegenüberzustellen. Jagte ich selbst einem messbaren Erfolg in Form kleiner runder Zelluloidbälle hinterher, empfand ich hier eine Assoziation in Richtung Boxkampf am passendsten. Zu einem Fight dieser Größenordnung gehört in der heutigen Zeit erstmal ein adäquates Thema. Ich habe mich für ,The Big Nashville Country Showdown' entschieden. Die Distanz geht, wie bereits erwähnt, über vierzehn Runden.

In the left corner: Tiiiiiiiiihhhm The BigMcGraaaw
and in the right
,The Gentlemen' Broooooooks and Duuunn.
So let's get ready to fiddle!!!

Runde 1: The Cowboy In Me - Only In Amerika

Beide Inerpreten legen, wie es sich für echte Champs gehört, los wie die Feuerwehr. Während B & D offensichtlich sofort die Pace in Form einer knackigen patriotischen Uptemponummer vorgeben wollen, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, taktiert Mr. McGraw zunächst und versucht eher kräftesparend, mit einer Ballade, inklusiv tollem Gitarrensolo, zu punkten. Trotzdem, etwas mehr Pepp bringt hier die erste Notierung,
0:1

Runde 2: Telluride - The Last Thing I Do

BigMc setzt erste Zeichen mit einer starken Powerballade, in der einfach alles stimmt, Kix und Ronnie kontern mit einem Song, der mich nicht nur wegen des Titels an ein Stück einer bekannten Southern Band erinnert. Hier wird eine Art Country-,White Knuckle Ride' offenbart, das sehr gut in die NASCAR-Serie passen würde. Auch hier geht die Runde knapp an das Duo,
0:2

Runde 3: You Get Used To Somebody - The Long Goodbye

Nach soviel Anfangselan schrauben die in Führung liegenden zunächst mit einer Popballade aus der Feder der Britkünstler Paul Brady/Ronan Keating einen Gang zurück, auch Tim lässt es weiter ruhig angehen. Wieder ein wunderschöner Schwofer, in beiden Stücken nette, kurze Gitarrenparts, unentschieden,
1:3

Runde 4: Unbroken - Go West

Brooks & Dunn bringen ein Lied, das stark an Tom Petty erinnert, Tim-alleine bringt ein angenehmes Midtempostück jenseits von Gut und Böse, wieder unentschieden,
2:4

Runde 5: Things Change - My Heart Is Lost To You

In der Kampfpause hat es in der B-&-D-Ecke wohl Tequilla gegeben. Und so rauschen mir leicht mexikanisch angehauchte Töne, gewürzt mit ein wenig Elvis-Roy-Orbinson-Chris-Isaak-Flair, keinesfalls schlecht entgegen. McGraw setzt die erste Duftmarke, abwechslungsreiches Stück vom Tempo her, herrlich mit Gefiddel untermalt, eindeutig
3:4

Runde 6: Angel Boy - Good Girls Go To Heaven

Schien sich gerade das Blatt zu wenden, so erlebt BigMc hier seinen ersten Hänger. Mehrere Melodien, irgendwie hektisch und disharmonisch ineinander verschachtelt, nicht mein Ding. Kix und Ronnie erhöhen den Vorsprung mit einer himmlisch rockenden Nummer, die nicht nur guten Mädels, sondern auch vielen bösen Jungs gefallen wird,
3:5

Runde 7: Forget About Us - When She's Gone, She's Gone

Beide legen zwei etwas unspektakuläre, aber melodische Nummern hin, kurzer Nichtangriffspakt,
4:6

Runde 8: Take Me Away From Here - Ain't Got Nobody But You

Tims Song wieder sehr schön mit Streichern begleitet, klasse Gitarrensolo, mir aber immer noch zu passiv. Das Duo setzt mit einem peppigen, leicht dramatischen von Steel- und E-Gitarre bestimmten Stück den nächsten Treffer,
4:7

Runde 9: Smilin' - Unloved

Scheinbar auf dem Siegespfad, stecken Brooks & Dunn wieder zurück. Eine Ballade, schön, kurzes Gitarrensolo, mir aber zu schmalzig und chansonartig. Sonyboy Tim vertraut auf alte Stärken, der Song erinnert an ,Seventeen' vom Voralbum und macht Spass, ich vergebe lächelnd das
5:7

Runde 10: Set The Circus Down - Deny, Deny, Deny

Hat es einen Wirkungstreffer gegeben, den ich verpasst habe? Kix und Ronnie klammern plötzlich mit von alten tradionellen Countrykamellen angehauchten Tönen. McGraw zückt Anleihen an seinen tollen Titelsong des 97er Albums ,Everywhere' aus dem Ärmel. Auch dieses Titellied beschert ihm das
6:7

Runde 11: Angry All The Time - Lucky Me, Lonely You

Hat jetzt die bessere Taktik gefruchtet? Solo-Tim wirft jetzt auch noch seine mitfiebernde Frau Faith Hill in den Ring und holt mit einer Traumballade zum Knockout aus. Die Gegner sind immer noch total von der Rolle, retten sich aber mit einer weiteren, üblen Staubklamotte soeben in die Ringpause,
7:7

Runde 12: Let Me Love You - I Fall

Hubsa, auch bei BigMc jetzt mexikanische Töne, aber diesmal unter dem Aspekt McGraw meets Santana. Toller, relaxter Latinosong, aber hier zupft nicht der Altmeister, sondern Michael Landau. Brooks & Dunn mit einer Schmalznummer, erste Führung fürs McGraw-Lager,
8:7

Runde 13: Grown Men Don't Cry - Every River

Das Duo hat sein Konditionstief überwunden und besticht mit einer flotten Uptemponummer, Mr. McGraw setzt jedoch mit mit einem wunderbar relaxten Midtempostück den wohl entscheidenden Wirkungstreffer zum
9:7

Runde 14: Why We Said Goodbye - See Jane Dance

McGraw, bestens informiert, dass der sichere Punktsieg nicht mehr zu nehmen ist, lässt den Kampf mit einer eher unspektakulären Ballade ausklingen. Brooks & Dunn, in der Hoffnung, dass die letzte Offensive nochmal Eindruck beim Kampfrichter hinterlässt, bringen einen Kracher a la ZZ Top, aber es reicht nur noch zum
9:8

Da der Klang bei gleicher Lautstärke, als auch die Gestaltung des Covers für Tim McGraw spricht, dafür die Beteiligung des Duos am Songwriting und etwas mehr Drive Sympathiepunkte bringt, bleibt erstgenannter knapper Sieger in einer starken Partie.

Auch ich habe in meinen langen Sportlerkarriere, die von vielen ups and downs begleitet war, gelernt, das eine würdevolle Niederlage nach einem tollen Kampf oftmals schöner ist, als ein glücklich errungener Durchschnittssieg. Beide Parteien haben ein starkes musikalisches Werk abgeliefert und nachhaltig ihre momentane Spitzenposition in der New-Country-Szene untermauert.

Einem Rückkampf auf ähnlich hohem Niveau würde ich daher mit großer Freude entgegensehen.

Daniel, (Impressum, Artikelliste), 21.5.2001

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